Digitaler Tachograph: Wie funktioniert das Kontrollgerät?

Fahrtenschreiber: Digital ist er Pflicht seit 2006

Ist Ihr digitaler Tachograph defekt, sollten Sie ihn in einer Werkstatt austauschen lassen.

Ist Ihr digitaler Tachograph defekt, sollten Sie ihn in einer Werkstatt austauschen lassen.

Seit dem 1. Mai 2006 ist ein digital genutzter Tachograph in neu zugelassenen LKW Pflicht – und zwar in der gesamten Europäischen Union.

Dies wurde in einer EU-Verordnung festgelegt und betrifft alle gewerblich genutzten Fahrzeuge, die über 3,5 t wiegen oder mehr als neun Sitzplätze für Fahrgäste aufweisen.

Ein digitaler Tachograph soll dabei nicht nur die Lenk- und Ruhezeiten des Fahrers erfassen, sondern auch die gefahrenen Kilometer sowie Ruhepausen – die sogenannten Lenkzeitunterbrechungen. Aber wie funktionieren digitale Tachographen genau?

Welche Vorteile bietet ein elektronischer Fahrtenschreiber und welche Strafe droht, wenn LKW-Fahrer das Kontrollgerät vergessen? Lesen Sie mehr im folgenden Ratgeber.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Digitaler Tachograph: Was das Gesetz dazu sagt

Wie bereits erwähnt, sind digitale Fahrtenschreiber seit Mai 2006 in allen neu zugelassenen LKW, die gewerblich genutzt werden und mehr als 3,5 t wiegen, verpflichtend. Dies besagt die EU-Verordnung 561/2006. Die Einführung digitaler Tachographen soll dafür sorgen, dass weniger Manipulationen im Hinblick auf die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten vorkommen. Zudem ist damit eine Vereinfachung des Systems und auch der Kontrolle verbunden. Aber wie funktioniert die Bedienung? Ist ein digitaler Tachograph einfach in der Handhabung?

Digitaler Fahrtenschreiber: Wie die Bedienung funktioniert

Ihr digitaler Tachograph zeigt

Ihr digitaler Tachograph zeigt


Viele LKW-Fahrer fragen sich bei der ersten Fahrt mit einem digitalen Tachographen, wie das Gerät generell zu bedienen ist. Jeder Fahrer besitzt – wird ein digitaler Tachograph genutzt – eine Fahrerkarte. Auch dann, wenn ein LKW im 2-Fahrer-Betrieb genutzt wird, erhält jeder seine eigene Fahrerkarte, die jeweils in das Gerät gesteckt werden muss.

Auf dieser Karte werden alle wichtigen Daten des Nutzers 28 Tage lang gespeichert. Dazu zählen Lenk- und Ruhezeiten, Arbeits- sowie Bereitschaftszeiten. Auch die zurückgelegten Wege werden per GPS-Navigation durch den digitalen Tachometer aufgezeichnet. Begeht der Fahrer mit seinem LKW eine Geschwindigkeitsüberschreitung, so wird diese nicht auf der Fahrerkarte, sondern im digitalen Tachographen selbst gespeichert. Beginnt der Fahrer seine Arbeitszeit, so steckt er die Fahrerkarte in den linken Kartenslot.

Ein weiterer Beifahrer verwendet den rechten. Wechseln sich die Fahrer mit der Führung des Fahrzeugs ab, so müssen auch die Kartenschächte getauscht werden. Ladezeiten, die zwar zur Arbeits-, aber nicht zur Lenkzeit gehören, müssen manuell eingestellt werden.

Lenk- und Ruhezeiten werden normalerweise automatisch erfasst bzw. zwischen diesen unterschieden. Zusätzlich kann ein digitaler Tachograph einen Ausdruck der erfassten Zeiten erstellen.

Digitaler Tachograph: Ist eine Schulung sinnvoll? In den meisten Unternehmen erhalten LKW-Fahrer vor Beginn der ersten Fahrt mit einem digitalen Kontrollgerät eine kurze Einweisung, wie es zu benutzen ist. Nur so kann gewährleistet werden, dass Lenk-, Ruhe- und Arbeitszeiten gewissenhaft und vollständig aufgezeichnet werden.

Digitaler Tachograph: Gibt es Ausnahmen von der Nutzungspflicht?

Ein digitaler Fahrtenschreiber ist jedoch nicht für alle Fahrzeuge vorgeschrieben, die mehr als 3,5 t wiegen. Denn wie in so vielen Bereichen des Straßenverkehrsrechts gibt es auch hier Ausnahmen. Folgende Fahrzeuge benötigen keinen Tachographen, weder in digitaler noch in analoger Form:

  • Fahrzeuge, die nicht schneller als 40 km/h sind,
  • Fahrzeuge, die auf einer Linie mit weniger als 50 km in der Personenbeförderung eingesetzt werden,
  • Fahrzeuge der Polizei, Feuerwehr, des Katastrophenschutzes, o. ä.,
  • Fahrzeuge, die zur Pannenhilfe im Umkreis von 100 km des jeweiligen Standortes dienen,
  • Fahrzeuge, die humanitär oder für medizinische Hilfe genutzt werden,
  • Fahrzeuge, mit denen aufgrund technischer Maßnahmen Probefahrten durchgeführt werden sowie noch nicht in Betrieb genommene Fahrzeuge,
  • Fahrzeugkombinationen, die mehr als 7,5 t wiegen und nicht gewerblich eingesetzt werden.

Ist Ihr digitaler Tachograph defekt?

Digitaler Tachograph: Die Uhrzeit können Sie einstellen, gespeichert ist von vornherein allerdings immer die UTC-Zeit.

Digitaler Tachograph: Die Uhrzeit können Sie einstellen, gespeichert ist von vornherein allerdings immer die UTC-Zeit.

Wie jedes andere technische Gerät auch zeigt der digitale Tachograph ebenfalls zeitweise Fehler an, die zuerst behoben werden müssen, bevor eine Weiterfahrt stattfinden kann.

Je nachdem, von welchem Hersteller ein digitaler Tachograph ausgegeben wurde, können unterschiedliche Codes auf dem Display angezeigt werden, die jeweils für einen bestimmten Fehler stehen.

Die Hersteller der Fahrtenschreiber sind mittlerweile dazu übergegangen, Fehlertabellen mit den wichtigsten Codes auf Ihren Internetseiten online zu stellen, damit sich die LKW-Fahrer hieran orientieren können.

Häufig liegt dann eine interne Störung im Gerät vor oder die Fahrerkarte kann nicht richtig ausgelesen werden. Sinnvoll ist es dann, die Karte kurz herauszunehmen und wieder neu einzustecken oder auf den Knopf „OK“ zu drücken.

Digitaler Tachograph ist „out of scope“? Wird diese Meldung auf Ihrem Fahrtenschreiber angezeigt, so ist das kein Fehler. Der „out-of-scope“-Modus wird dann geschaltet, wenn beispielsweise Fahrten auf privatem Betriebsgelände – also zum Beispiel beim Rangieren – ausgeführt werden. In einem solchen Modus ist es auch nicht nötig, dass eine Fahrerkarte steckt.

Aufbewahrung der Daten

Wie bereits erwähnt, werden die Daten der Fahrerkarte 28 Tage lang gespeichert, die Informationen im Tachographen selbst sogar drei Monate. Nach diesen Zeiträumen müssen jeweils die Daten ausgelesen und archiviert werden. Ein digitaler Tachograph muss an Auslesegeräte angeschlossen werden, um diesen Download zu vollziehen. Eine Aufbewahrung der Daten bis zu einem Jahr ist vom Gesetzgeber für den Unternehmer vorgeschrieben.

Kontrolle durch die Polizei

Digitaler Tachograph: Ab wann ist er Pflicht? Seit 2006 besitzen alle neu zugelassenen LKW einen solchen Fahrtenschreiber.

Digitaler Tachograph: Ab wann ist er Pflicht? Seit 2006 besitzen alle neu zugelassenen LKW einen solchen Fahrtenschreiber.

Wichtig für LKW-Fahrer ist es, die Lenk- und Ruhezeiten genau einzuhalten. So können die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht und Unfälle durch Müdigkeit oder zu lange Arbeitszeiten vermieden werden. Polizisten besitzen zur Überwachung der Arbeitszeiten von LKW-Fahrern eine sogenannte Kontrollkarte.

Diese kann in jedes beliebige Gerät jeden Herstellers eingesteckt werden und ermöglicht einen Zugriff auf alle Daten. Ein digitaler Tachograph kann beim Auslesen durch die Polizei also alle relevanten Informationen preisgeben. Hat der LKW-Fahrer gegen die Richtlinien verstoßen, können Sanktionen – sowohl für den Fahrer selbst als auch den beauftragenden Unternehmer – folgen. Bereits dann, wenn ein Fahrer die Lenkzeit bis zu 30 Minuten überschritten hat, ist ein Bußgeld von 30 Euro fällig.

Wird die Fahrerkarte vom Fahrer gar nicht mitgeführt und kann deshalb keine Kontrolle erfolgen, so muss dieser 250 Euro bezahlen. Sowohl auf Fahrer als auch auf den Unternehmer kommen Konsequenzen zu, wenn die Lenkzeit mehr als zwei Stunden überschritten wurde. Hier zahlt der Fahrer 60 Euro, der Unternehmer das Dreifache, nämlich 180 Euro.

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