Wer zahlt die Anwaltskosten nach einem Verkehrsunfall?

Nach einem Unfall sind die Rechtsanwaltskosten oft hoch

Bezüglich der Anwaltskosten nach einem Verkehrsunfall herrscht eine klare Regelung.

Bezüglich der Anwaltskosten nach einem Verkehrsunfall herrscht eine klare Regelung.

Schuld kostet: Verschulden Sie einen Unfall, belasten Sie nicht nur Ihr Gewissen, sondern auch Ihr Portemonnaie. Gemäß deutschem Unfallrecht gilt nämlich: Der Unfallverursacher muss für alle Kosten, welche dem Beschädigten aufgrund des Unfalls entstehen, gerade stehen.

Dies gilt auch für die oftmals notwendigen Anwaltskosten, welche ein Verkehrsunfall für die Beteiligten nach sich zieht. Doch springt die Versicherung an dieser Stelle für den Schuldigen ein und bezahlt die Anwaltsgebühren?

Erfahren Sie hier, welche Regelung in Sachen Anwaltskosten nach einem Verkehrsunfall gelten. Dieser Ratgeber beleuchtet die Situation sowohl bei einer klaren als auch bei einer geteilten Schuldfrage. Zudem wird erklärt, wann die Versicherung nicht für die Anwaltsgebühren aufkommen muss.

Klare Schuldfrage? Klare Regelung bezüglich der Anwaltskosten!

Jeder, der unverschuldet in einen Verkehrsunfall gerät, muss vom Verursacher derart entschädigt werden, dass der Zustand vor dem Unfall möglichst wiederhergestellt wird. Dazu gehört neben Schmerzensgeld bzw. immateriellen Schadensersatzleistungen auch, dass alle entstandenen Kosten beglichen werden – so auch die Anwaltskosten.

Da die entsprechende Beträge schnell in die Höhe schnellen können, besteht in Deutschland für jeden Autofahrer die Pflicht, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Diese springt ein, wenn ihr Kunde bei Dritten einen Schaden anrichtet und kommt für die daraus resultierenden Kosten auf.

In Deutschland ist es nahezu üblich, einen Anwalt mit der Schadensregulierung von Unfällen zu beauftragen. Die damit verbundenen Gebühren sind schadensersatzpflichtig und gehören somit zu einem von vielen Ansprüchen nach einem Unfall.

Kurz und knapp: Bei einem Unfall mit einem klaren Schuldigen zahlt also die Haftpflichtversicherung des Verursachers die Anwaltskosten des Unfallopfers.

Wer zahlt die Anwaltskosten bei einem Verkehrsunfall mit uneindeutiger Schuldfrage?

Unschuldig in einen Verkehrsunfall geraten? Die Anwaltskosten werden übernommen!

Unschuldig in einen Verkehrs­unfall geraten? Die Anwaltskosten werden übernommen!

Einfach sind die Fälle, in denen ein Unfallbeteiligter 100 % schuld an dem Zusammenstoß ist: Dessen Haftpflichtversicherung übernimmt die Anwaltsgebühren der Geschädigten. Doch wie verhält es sich, wenn alle Beteiligten eine Teilschuld an dem Unfall tragen?

Nach einem solchen Autounfall werden die Anwaltskosten nur anteilig erstattet. Jeder Beteiligte bzw. dessen Versicherung erstattet dem anderen prozentual jenen Anteil der Rechtsanwaltsgebühren, für welchen er laut Haftungsquote verantwortlich ist.

Beispiel: Peter und Gabi verursachen einen Unfall. Peter wird eine 30-prozentige Schuld anerkannt, Gabi ist zu 70 % Schuld. Die Rechtsanwaltskosten für diesen Verkehrsunfall werden wie folgt gehandelt:

  • Peters Versicherung zahlt 30 % der Anwaltskosten von Gabi
  • Gabiss Haftpflichtversicherung übernimmt 70 % von Peters Anwaltskosten

Dieses Prinzip wird nicht nur auf die Anwaltskosten nach einem Verkehrsunfall, sondern auf alle Schadensersatzposten angewandt. Hat Petra unserem Beispiel folgend viel höhere Kosten als Peter, kann es passieren, dass sie rein betragsmäßig mehr Geld als Peter erhält, obwohl ihr Schuldanteil höher ist.

Achtung! Dann kann die Versicherung die Zahlung der Anwaltskosten nach einem Unfall verweigern

Schalten Sie nach einem Unfall einen Anwalt ein, entstehen Kosten.

Schalten Sie nach einem Unfall einen Anwalt ein, entstehen Kosten.

Unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, ist kein Freifahrtschein: Sie haben der gegnerischen Versicherung eine Schadensminderungspflicht. Sie dürfen die Unfallkosten nicht bewusst in die Höhe treiben.

In der Praxis heißt das für Unfallopfer beispielsweise, dass sie keine überteuerten Kfz-Reparaturen erstattet bekommen. Auch Rechtsanwälte sollten erst dann eingeschaltet werden, wenn ein Bedarf vorliegt – etwa weil die Schuldfrage nicht eindeutig ist oder die Versicherung des Unfallverursachers Ihren Schaden nicht begleichen möchte.

Das bedeutet: Machen Sie im Zuge der Schadensregulierung von einem Verkehrsunfall Rechtsanwaltskosten geltend, obwohl der Unfallverursacher seine Schuld voll und ganz eingestanden hat und begleicht die Versicherung alle Forderungen anstandslos, muss sie die Anwaltsgebühren nicht bezahlen.

Vorsicht: Manch eine Versicherung versucht, Geschädigte eines Unfalls im Vorfeld daran zu hindern, einen Rechtsanwalt einzuschalten, indem sie auf diese Regelung hinweisen.

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