Wiederholungstäter – Erhöhtes Bußgeld und Fahrverbot

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 16. November 2020

Wiederholte Geschwindigkeits-, Alkohol- oder Drogenverstöße im Straßenverkehr

Wiederholungstäter müssen oftmals mehr Geld zahlen.
Wiederholungstäter müssen oftmals mehr Geld zahlen.

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) wurde dazu entwickelt, die Verkehrssicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Im Verkehrsrecht gibt es daher für unterschiedliche Delikte auch ganz verschiedene Strafen.

Besonders im Bereich der Geschwindigkeitsüberschreitung sind die Bußgelder, Punkte und Fahrverbote stark gestaffelt. Etwas eindeutiger und drastischer sind die Maßnahmen gegen Alkohol am Steuer. Gleiches gilt für das Delikt “Fahren unter Drogeneinfluss”. Die betroffenen Kraftfahrer müssen mit schweren Strafen rechnen.

Doch ab wann droht eigentlich ein Fahrverbot? Und wann muss an einer MPU teilgenommen werden? Wann sprechen Juristen von einer Wiederholungstat? Der folgende Artikel klärt die wichtigsten Fragen rund um Wiederholungstäter und Fahrverbote.

Achtung: Dieser Text wird gerade aktualisiert. Durch die Einführung der StVO-Novelle am 28. April 2020 drohen bereits früher Fahrverbote für eine Geschwindigkeitsüberschreitung, sodass die Wiederholungstäterregel im Grunde genommen hinfällig ist. Da sie allerdings nicht abgeschafft wurde, bleibt abzuwarten, ob der zusätzliche Monat Fahrverbot künftig in einem solchen Fall dazugerechnet werden muss oder andere Vorschriften Anwendung finden.

FAQ: Wiederholungstäter

Wann gelten Temposünder als Wiederholungstäter?

Die Einordnung als Wiederholungstäter erfolgt bei zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen von mehr als 25 km/h innerhalb eines Jahres.

Welche Folgen hat die Bewertung als Wiederholungstäter?

Der Gesetzgeber sieht in diesem Fall ergänzend zu den Sanktionen gemäß Bußgeldkatalog einen zusätzlichen Monat Fahrverbot vor.

Werden auch mehrere Handyverstöße als Wiederholungstat gewertet?

Nein, dies gilt eigentlich nur bei Geschwindigkeitsüberschreitungen. Wer allerdings wiederholt mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss ggf. mit härteren Sanktionen aufgrund von Beharrlichkeit rechnen.

Die Strafen für zu schnelles Fahren

Generell gilt, dass je höher die Geschwindigkeitsüberschreitung ist, desto höher auch das Bußgeld ausfällt. Dabei sind klare Unterscheidungen zwischen geschlossenen Ortschaften und Landstraßen bzw. Autobahnen zu treffen. Wer innerorts beispielsweise 41 bis 50 km/h zu schnell ist, zahlt 200 Euro. Dasselbe Vergehen kostet außerhalb der Ortschaft 40 Euro weniger. Grund hierfür ist natürlich die Höhe der relativen Überschreitung der Geschwindigkeit. Die Spanne der zu entrichtenden Beträge reicht generell von 20 Euro (bis 10 km/h außerorts) bis 680 Euro (über 70 km/h innerorts).

Zusätzlich zu den Bußgeldern warten ab einer Übertretung von mehr als 21 km/h sowohl inner- als auch außerorts Punkte und Fahrverbote. Wer innerhalb einer geschlossenen Ortschaft mehr als 20 km/h zu schnell ist, muss seinen Führerschein seit der Einführung der StVO-Novelle am 28. April 2020 für mindestens einen Monat abgeben. Außerorts liegt diese Grenze seitdem bei 26 Kilometern pro Stunde.

Wiederholungstäter Geschwindigkeit – das sind die Strafen

Wiederholungstäter von Geschwindigkeitsüberschreitungen (Blitzer) müssen mit erhöhten Strafen in Bezug auf Fahrverbote rechnen. Ein Beispiel:

Person A fährt am 22.01.2014 außerorts 131 km/h, obwohl nur 100 km/h erlaubt sind. Er vergisst dabei, dass auf seinem täglichen Arbeitsweg ein fest installierter Blitzer steht. Vier Wochen später trifft der Bußgeldbescheid ein. Nach Abzug der Toleranzgrenze von drei Prozent war Person A noch genau 27 km/h zu schnell. Folglich muss er eine Strafe von 80 Euro zahlen und bekommt einen Punkt.

Im Mai desselben Jahres hat es A wieder eilig. Eine mobile Polizeikontrolle erwischt ihn mit einer überhöhten Geschwindigkeit von 32 km/h. Person A ärgert sich, doch zum Glück wurde er außerhalb geblitzt, denn innerorts würde das Vergehen direkt zu einem Fahrverbot führen. Als ihm mitgeteilt wird, dass er seinen Führerschein dennoch abgeben muss, ist er sichtlich verwirrt. Bei einer solchen Überschreitung ist doch normalerweise ein Bußgeld in Höhe von 120 Euro sowie ein Punkt in Flensburg fällig. Am nächsten Tag geht er direkt zu seinem Anwalt. Dieser erklärt Person A, dass er bezüglich der Geschwindigkeitsüberschreitung ein Wiederholungstäter sei. A merkt an, dass seine letzte Tat ja schon im Januar diesen Jahres war und er schließlich nicht innerhalb eines Monats 2 mal geblitzt worden sei. Genau hier ist der springende Punkt:

Wer innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal mit einer Überschreitung der Geschwindigkeit von 26 km/h oder mehr geblitzt wird, muss seinen Führerschein unter Umständen einen Monat lang abgeben und gilt laut Bußgeldkatalog als Wiederholungstäter. Sieht der Katalog aufgrund der Höhe der Übertretung sowieso ein Fahrverbot vor, verlängert sich dieses um einen weiteren Monat. Der Führerscheinentzug für Wiederholungstäter ist § 4 Abs. 2 Bußgeldkatalog-Verordnung (BKatV) gesetzlich geregelt und klar definiert.
Alles auf einen Blick mit unserer Infografik zum Thema „Wiederholungstäter & Geschwindigkeit“.
Alles auf einen Blick mit unserer Infografik zum Thema „Wiederholungstäter & Geschwindigkeit“.

Alkohol und Drogen am Steuer – die Strafen

Die Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen sind in Deutschland im internationalen Vergleich relativ gering. Weniger milde ist der Bußgeldkatalog im Bereich von Alkohol und Drogen. Besonders eine Alkoholfahrt von einem Wiederholungstäter wird stark geahndet.

Die Grenze für den Konsum von Alkohol (auch für Wiederholungstäter) und das anschließende Führen eines Fahrzeugs liegt in Deutschland derzeit bei 0,5 Promille. Allerdings müssen Autofahrer, die unter geringerem Alkoholeinfluss in einen Unfall geraten, damit rechnen, dass die Versicherung auch bei Werten unterhalb der Grenze gar nicht oder nur teilweise zahlt. Für den Drogenkonsum am Steuer gibt es ebenfalls eine Grenze.

SubstanzGrenzwerte
THC1 ng/ml0,001 mg/l
Morphin10 ng/ml0,01 mg/l
Cocain10 ng/ml0,01 mg/l
Benzoylecgonin75 ng/ml0,075 mg/l
Amfetamin 25 ng/ml0,025 mg/l
MDA25 ng/ml0,025 mg/l
MDE25 ng/ml0,025 mg/l
MDMA25 ng/ml0,025 mg/l
Metamfetamin25 ng/ml0,025 mg/l

Eine Überschreitung dieser Grenzwerte wird direkt mit zwei Punkten, einem Fahrverbot und einem Bußgeld von 500 Euro geahndet. Ebenso hoch ist die Strafe für Alkoholfahrten mit mehr als 0,5 Promille.

Deutlich schärfer sind die Sanktionen gegen Wiederholungstäter. Das Fahrverbot wird auf mindestens drei Monate verlängert und die Strafen verdoppelt. Zudem kann und wird die Polizei in den meisten Fällen eine MPU für Wiederholungstäter beantragen.

Wiederholungstäter, die mit Alkohol am Steuer erwischt werden, müssen nicht selten zur MPU.
Wiederholungstäter, die mit Alkohol am Steuer erwischt werden, müssen nicht selten zur MPU.

Alkohol am Steuer kann aber auch strafrechtlich verfolgt werden. So heißt es in Absatz eins §316 Strafgesetzbuch (StGB):

Wer im Verkehr (§§ 315 bis 315d StGB) ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 315a StGB oder § 315c StGB mit Strafe bedroht ist.

Je nach Höhe des festgestellten Promillewerts, fällt dann auch die Strafe aus. Bei einer Wiederholungstat mit Alkohol am Steuer ist mit deutlich höheren Strafen zu rechnen. Im Falle eines durch die Drogen- oder Alkoholfahrt verursachten Unfalls kann es gar zu einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung oder Körperverletzung kommen.

MPU: Wiederholungstäter haben ein größeres Risiko

Wann eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) ansteht, ist nicht in allen Fällen klar definiert. Es liegt generell im Ermessensbereich der Behörden, wann eine MPU verordnet wird. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Gründe kurz auf.

GrundBemerkung
Alkohol am Steuer
  • Der häufigste Grund für MPUs

  • Kann schon beim ersten Verstoß erteilt werden (Werte oberhalb von 1,6 Promille, in einigen Bundesländern schon ab 1,1 Promille)

  • Wiederholungstäter (Alkohol) so gut wie immer von MPU betroffen, auch bei jeweils nur kleineren Mengen

Drogenkonsum
  • Wer erwischt wird, muss immer zur MPU

  • Fahrerlaubnis kann auch entzogen werden, wenn der Konsument nicht selber gefahren ist (geistige Reife des Verkehrsteilnehmers)

Verkehrsrechtliche Auffälligkeiten
  • Bei mehr als 8 Punkten wird der Führerschein entzogen, die MPU ist dann Pflicht

  • Wiederholungstäter (Geschwindigkeit, Stoppschilder überfahren etc.) können so auch durch viele kleine Delikte zur MPU gebeten werden

Strafrechtliche AuffälligkeitenVom Straßenverkehr unabhängige Delikte wie Körperverletzungen, Diebstähle etc. können zum Führerscheinentzug führen (geistige Reife des Verkehrsteilnehmers)
Behinderungen, KrankheitenMPU hier nicht als „Strafe“, sondern als Überprüfung der Fahrteignung

Eine Wiederholungstat kann schwerwiegende Konsequenzen haben.
Eine Wiederholungstat kann schwerwiegende Konsequenzen haben.

Eine MPU wegen Alkohol am Steuer ist für Wiederholungstäter also im Rahmen des Möglichen. Die Untersuchung schließt dabei immer ein Gespräch mit einem Psychologen ein. Zusätzlich werden medizinische Untersuchungen und ein Reaktionstest durchgeführt. Empirische Studien haben ergeben, dass rund ein Drittel der Teilnehmer die MPU nicht (sofort) bestehen.

Fazit

Das deutsche Verkehrsrecht geht konsequent gegen Wiederholungstäter vor. Die Strafen für die wiederholte Geschwindigkeitsüberschreitung oder erneutes Fahren mit Alkohol am Steuer sind drastisch.

Mit einem Fahrverbot für Wiederholungstäter ist fast immer zu rechnen, oft muss zusätzlich eine MPU durchgeführt werden. Erst wenn diese erfolgreich abgeschlossen wird, erhalten Verkehrssünder die Fahrerlaubnis zurück. Auf Wiederholungstäter kommen allerdings nicht nur verkehrsrechtliche Konsequenzen zu. Wer mit hohen Alkohol- oder Drogenwerten erwischt wird, muss unter Umständen mit Freiheitsstrafen oder zumindest hohen Geldstrafen rechnen.

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Wiederholungstäter – Erhöhtes Bußgeld und Fahrverbot
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787 Kommentare

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  1. Ricardo sagt:

    Guten Tag,

    ich ( 32)habe eine Frage ich wurde erwisch mit Alkohol 1,19 promile. ( wurde mein führerschein entzogen und habe vor kürzem ( nach 10 Monate )zurückbekommen. ohne mpu ohne garnix. jetzt darf ich wieder fahren.. und trinke ich nur alkoholfreies Bier.. darf ich das? da die ALkoholfreies Bieren trotz ein bisschen alkohol haben? also darf ich alkoholfreies bier trinken oder muss ich 0,0 haben?

    Vielen Dank

  2. Daniel sagt:

    ich wurde heute auf der Autobahn A3 kurz vor Köln und leider direkt auf der A4 kurz nach Köln Richtung Aachen geblitzt. War die gleiche Fahrt ohne Pause also eine Strecke. Zeitabstand ca. 1 Stunde.
    Waren beide Male weniger als 20kmh. Vielen Dank

  3. K. sagt:

    Hi,
    ein Freund hat verbotswidrig auf dem Gehweg geparkt und dadurch andere behindert – gibt mit dem neuen Bußgeldkatalog ein Bußgeld in Höhe von 70 Euro und einen Punkt oder??
    Was würde passieren wenn er geblitzt werden würde und das ebenfalls zu einem Punkt führt. Gilt das in diesem Fall dann als Wiederholungstat?
    Vielen Dank und liebe Grüße!

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo K.,

      Wiederholungstaten beziehen sich auf gleichartige Verstöße (2 x Parkverstoß, 2 x Geschwindigkeitsverstoß usf.).

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  4. Sarah sagt:

    Hallo liebes Team,

    ich bin so verwirrt. Bitte helft mir weiter.

    Am 29.05. wurde ich auf der Autobahn geblitzt mit ca. 25kmh zu viel. In der darauffolgenden Woche (ich bin mir nicht ganz sicher) wurde ich in einer dreißiger Zone mit 40kmh geblitzt.
    Heute kam ein Blitzerfoto vom 27.05. mit 8kmh zu viel. Das habe ich nicht mal mitbekommen. Sonst habe ich mir dieses Jahr noch nichts zu schulden kommen lassen.

    Ich bin im Aussendienst tätig und deshalb immer mit dem Auto unterwegs. Muss ich meinen Führerschein abgeben, weil ich zu oft innerhalb eines Monats geblitzt wurde?
    Ich habe solche Angst meinen Job zu verlieren.

    Danke und Grüße,
    Lisa

  5. DANILO sagt:

    Hallo 26.03.2020 Abstand 28.00m bei 125km/h. Am 29.03.2020 160km/h erlaubt 100km/h und am 12.04.2020 121km/h bei erlaubten 100km/h ?

  6. Benni sagt:

    Hallo liebes BGK Team,
    Mit 19 hatte ich meinen Führerschein wegen einer Autofahrt mit 1,9Promille abgeben müssen. Aber keine Punkte bekommen. Nach Abstinenz und MPU hatte ich meinen Führerschein zurück und seitdem nie mehr mit dem Auto alkoholisiert gefahren.
    Im Januar hatte ich einen Fahrradunfall unter Alkohol bei 2Promille. Jetzt soll ich vom Gericht aus 700Euro bezahlen und gerichtlich ist es abgeschlossen.
    Mir ist klar das eine MPU kommt, ist der Erstdelikt jetzt verjährt und muss ich mit einer Führerscheinsperre rechnen? Wenn ja wie lange?
    Danke Benni

  7. Diana sagt:

    Hallo. Ich wurde 2007 mit 1,11 promille und 2013 mit 1,56 promille verurteilt. Wann verjährt die Tat von 2007 oder verjährt diese nicht? Vielen Dank

  8. Nurcan sagt:

    Hallo,
    ich wurde im Sommer 2019 2x geblitzt musste ein Aufbauseminar machen (Probezeit +2 + 1. Monat Führerschein abgeben). Ich bin mir nicht Sicher ob ich heute auch geblitzt wurden bin. Es war eine 70 Zone bin eventuell höchsten zwischen 80- 90 kmh gefahren. Wird mein Führerschein entzogen??

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Nurcan,

      Geschwindigkeitsüberschreitungen gelten in der Probezeit ab 21 km/h zu viel als A-Verstoß.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  9. Timo B. sagt:

    Hallo ich wurde am 25.02.2019 geblitz und habe 1 Punkt bekommen und den Brief am 26.04 19 erhalten, jetzt wurde ich am 13.03.2020 wieder geblitzt mit 28 kmh zu viel außerorts. Nun die frage gelte ich noch als wiederholungstäter oder nicht mehr??

  10. Nico sagt:

    Hallo,

    Ich wurde 2013 mit 1,8 Promille erwischt. Habe meinen Führerschein 10 Monate abgeben müssen und habe erfolgreich eine MPU absolviert. Wann verjährt eigentlich dieses Delikt?

    Danke

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