Toter Winkel: Wie verhalten sich Verkehrsteilnehmer richtig?

Toter Winkel im Straßenverkehr

Was ist ein toter Winkel? Wir geben Tipps, worauf vor allem die Fahrradfahrer achten sollten.

Was ist ein toter Winkel? Wir geben Tipps, worauf vor allem die Fahrradfahrer achten sollten.

Was versteht man unter dem Begriff toter Winkel? Der tote Winkel ist besonders bei Autos, Lastkraftwagen und Bussen zu finden. Dieser Bereich ist für den Fahrer nicht einsehbar und daher im Straßenverkehr ein immenser Gefahrenbereich. Die Fahrzeugführer haben jeweils nur das Sichtfeld durch die Fenster und eben den Außenspiegel. Zwischen diesen Bereichen entsteht ein toter Winkel. Gerade bei routinierten Fahrern droht eine Gefahr: Diese nutzen ausschließlich den Autospiegel und ein toter Winkel wird nicht eingesehen.

Aus diesem Grund fällt bei Autos der tote Winkel auch etwas kleiner aus als bei Lastkraftwagen, denn diese haben meistens noch das hintere Fenster, durch welches sie blicken können. Diese Möglichkeit hat ein LKW-Fahrer nicht.

Besonders heikel wird es, wenn ein LKW nach rechts abbiegen möchte. Ein Blick in den Außenspiegel füllt den toten Winkel nicht aus und so kann er Fahrradfahrer, welche geradeaus fahren wollen, nicht sehen. Der Radfahrer hätte eigentlich Vorfahrt und fährt deshalb los. Auf diese Weise kommt es zu schweren Unfällen, viele leider mit Todesfolge.

Doch nicht nur beim LKW ist ein toter Winkel gefährlich, auch Autos haben diesen nicht einsehbaren Bereich. Meistens ist mit dem toten Winkel der Bereich hinten neben dem Auto gemeint. Allerdings gibt es auch vor und genau hinter dem Fahrzeug einen toten Winkel.

Um diese Gefährdungssituation zu minimieren, können Zusatzspiegel oder ein Toter-Winkel-Assistent eingebaut werden. Häufig haben auch Spurwechselassistenten und Fahrerassistenzsysteme einen entsprechenden Toter-Winkel-Sensor integriert. Seit 2005 können an LKW Ultraschall-Erfassungen eingebaut werden, welche den toten Winkel prüfen und Signale abgeben.


Seit 2007 existiert eine EU-Richtlinie, welche bei neu zugelassenen LKW Spiegel vorschreibt, welche eine lückenlose Rundumsicht bieten. Seit 2009 müssen diese Spiegel auch ältere LKW nachrüsten. Trotzdem kommt es immer wieder zu Unfällen, da die Fahrer die Spiegel nicht richtig einstellen und/oder nicht sorgsam genug nutzen.

Häufig wird in diesem Zusammenhang die hintere Achse des LKW unterschätzt, denn die hinteren Räder legen den direkten und damit kürzeren Weg zurück als die vorderen. Stehen Sie also dicht neben dem losgefahrenen LKW, achten Sie hinter sich auf die Hinterräder des LKW.

Gesetzliche Lage zum toten Winkel

Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) legt für alle Kraftfahrzeuge fest, dass Spiegel so angebracht sein müssen,

dass der Fahrzeugführer nach rückwärts, zur Seite und unmittelbar vor dem Fahrzeug auch beim Mitführen von Anhängern – alle für ihn wesentlichen Verkehrsvorgänge beobachten kann. (§ 56 Abs.1 StVZO)

Toter-Winkel-Warner nachrüsten: Ein Unfall kann verhindert werden.

Toter-Winkel-Warner nachrüsten: Ein Unfall kann verhindert werden.

In der Praxis werden dafür häufig verschiedene Spiegel installiert. Neben den üblichen Außen- und Rückspiegeln, werden auch Rampenspiegel, Weitwinkel- und Frontspiegel verbaut. Darüber hinaus bieten auch Kameras zusätzliche Sicherheit.

Um europaweit die Vorschriften anzupassen, gibt es seit 2009 eine Richtlinie (2007/38EG), welche sich mit Fahrzeugen für den Güterverkehr und Kraftfahrzeugen für die Personenbeförderung beschäftigt. De Fahrzeuge müssen folgende Verpflichtungen erfüllen:

  • Verpflichtende Vergrößerung des Mindestsichtfelds für bestimmte Fahrzeuge;
  • Ausrüstung bestimmter Fahrzeuge mit zusätzlichen Spiegeln (z. B. LKW mit Frontspiegeln);
  • Anpassung an den technischen Fortschritt (z.B. Krümmungsradius der Oberfläche von Rückspiegeln);
  • Austausch bestimmter Spiegel durch andere Systeme für indirekte Sicht (z. B. Kamera-Monitor-Systeme).

Die Europäische Union hielt diese Richtlinie für nötig, da gerade an Kreuzungen, Einmündungen und Verkehrskreiseln schwere Unfälle passieren. Die Richtlinie wurde im Rahmen des Aktionsprogramms für die Straßensicherheit veröffentlicht.

Toter Winkel am Auto: Der Schulterblick hilft, Unfälle zu vermeiden

Ein toter Winkel fällt beim PKW deutlich geringer aus als beim LKW. Hier hilft es in vielen Fällen schon, den Rat aus der Fahrschule zu befolgen: erst einen Blick in den Rückspiegel werfen, dann in den Außenspiegel und dann über die Schulter schauen (Schulterblick). Dies ist vor allem beim Abbiegen oberstes Gebot, denn durch letzteres kann der tote Winkel eingesehen werden.

Gerade beim Rechtsabbiegen ist der Schulterblick unverzichtbar, denn Fahrradfahrer und Fußgänger, welche geradeaus fahren bzw. die Straße überqueren, haben Vorrang.

Was sollten PKW- und LKW-Fahrer beachten?

Auch beim Anfahren vom Fahrbahnrand ist Vorsicht geboten. Rechtsliegende Einmündungen, Ausfahrten, Garagen oder Tankstellenausfahrten liegen dann häufig im nichteinsehbaren Bereich.

Nach dem Überholen auf mehrspurigen Straßen ordnet sich der Fahrer häufig wieder rechts ein. Auch dabei entsteht durch den Außenspiegel ein toter Winkel. An dieser Stelle hilft wieder nur der Schulterblick. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn können Zwischenfälle dramatisch ausgehen.

Beim Rückwärtsfahren tut sich im Rückspiegel ein toter Winkel auf. Drehen Sie sich um, so haben Sie gleich ein größeres Sichtfeld.

Was gilt für Radfahrer?

Zusatzspiegel und toter Winkel: Seit 2009 sind diese bei Lastkraftwagen Pflicht.

Zusatzspiegel und toter Winkel: Seit 2009 sind diese bei Lastkraftwagen Pflicht.

Gerade Fahrradfahrer stehen am Straßenrand oft im toten Winkel von Bussen und LKW. Stellen Sie sich in solch einer Situation entweder deutlich vor den LKW oder hinter diesen. Beharren Sie nicht auf ihrer Vorfahrt, sondern lassen Sie den LKW abbiegen. Denken Sie dabei auch an die Hinterräder des LKW.

Radfahrer sollten sich niemals auf einen nicht gesetzten Blinker verlassen. Es kommt vor, dass der LKW-Fahrer diesen vergessen hat und trotzdem abbiegt.

Folgender Rat ist zwar ein gut gemeinter, allerdings in beschriebener Situation für Radfahrer kaum realisierbar: Versuchen Sie Blickkontakt aufzubauen. Dies wird allerdings in der Realität kaum klappen, denn der LKW-Fahrer befindet sich in einer erhöhten Sitzposition und wird Sie daher nicht sehen können. Mit einem PKW-Fahrer kann es je nach Fahrzeugmodell klappen. Häufig sitzen diese allerdings niedriger.

Werfen Sie einen Blick in den Außenspiegel des Fahrzeugs. Können Sie den Fahrer sehen, kann dieser Sie auch sehen. Gleiches gilt allerdings auch anders herum: Erblicken Sie den Fahrer nicht, befinden Sie sich im toten Winkel.

Wie können sich Fußgänger schützen?

Auch Fußgänger sollten beim Überqueren der Straße stets vorsichtig sein. Hier ist der Tipp, Blickkontakt aufzubauen, sehr hilfreich, denn Sie können die Fahrer in den Wagen sehen und so sicher gehen, dass diese Sie im Blick haben.

Abstand von der Bordsteinkante sollten Fußgänger vor allem nehmen, wenn ein Bus oder LKW abbiegt. Wie bereits geschildert, können die Hinterreifen gefährlich nah kommen. Im schlimmsten Fall werden Sie durch diese mitgerissen und verletzen sich schwer.

Toter-Winkel-Assistent nachrüsten: Gerade für LKW-Fahrer hilfreich

Grundsätzlich ist es bei den meisten Fahrzeugen möglich, einen Assistenten nachzurüsten. Zwei Sensoren werden hinten links und rechts angebracht und scannen den Bereich zwischen den Außenspiegeln und bis hinter das Fahrzeug.

Erfassen die Sensoren ein Hindernis, ertönt ein akustisches Signal. Darüber hinaus leuchten LEDs auf. Bei vorinstallierten Systemen finden sich die LEDs häufig unter den Außenspiegeln oder in der A-Säule. Beide Systeme lassen sich individuell anpassen sowie ausstellen.

Erkundigen Sie sich bei verschiedenen Werkstätten nach Preisen. Teilweise können Bastler das System auch selbst verbauen. Gerade ein toter Winkel beim LKW sollte durch solche Maßnahmen so gering wie möglich gehalten werden.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (35 Bewertungen, Durchschnitt: 4,74 von 5)
Loading...

Verfasse einen neuen Kommentar


Bußgeldkatalog als PDF
Der aktualisierte Newsletter 2018 des VFBV e.V. zum Download und Ausdrucken.
Jetzt kostenlos per E-Mail anfordern:
Mit dem Absenden akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.