Busfahrer auf Behinderung hinweisen für Schadenersatz

Busfahrer auf eigene Behinderung hinweisen: Schadenersatz ist nur dann möglich

News vom 19.01.2018 um 11:01 Uhr

Den Busfahrer auf eine Behinderung hinweisen: Für möglichen Schadenersatz unerlässlich.

Den Busfahrer auf eine Behinderung hinweisen: Für möglichen Schadenersatz unerlässlich.

Berlin. Das Nutzen der öffentlichen Verkehrsmittel kann mitunter eine recht wacklige Angelegenheit sein. Busse unterliegen ebenso wie Autos dem fließenden Verkehr, selbst wenn es eine eigene Busspur gibt. Kurven, Beschleunigungen, Bremsmanöver – Fahrgäste sollten sich immer einen festen Halt verschaffen. Allerdings können Personen, die den Busfahrer auf eine Behinderung nicht hinweisen, keinesfalls auf Schadenersatz im Fall eines Sturzes hoffen.

Kammergericht Berlin: Kein Anspruch auf Schadenersatz

Wer aufgrund der Fahreigenschaften des Busses stürzt und sich verletzt, hat in der Regel keinen Anspruch auf Schadenersatz. Dies gilt nach Ansicht des Kammergerichts Berlin auch für gehandicapte Menschen (Az.: 22 U 112/15). In dem verhandelten Fall hatte ein gehbehinderter Mann geklagt. Er war an den hinteren Türen des Busses eingestiegen. Als der Fahrer das Gefährt in Bewegung setzte, stürzte der Kläger.

Daraufhin forderte er Schadenersatz vom Beförderungsunternehmens, da Busfahrer angewiesen sind, das Handicap eines Fahrgastes in ihrer Fahrweise zu berücksichtigen. Das Kammergericht war jedoch der Auffassung, Fahrgäste müssten den Busfahrer auf ihre Behinderung hinweisen, um Schadenersatz geltend machen zu können.

Ohne Kenntnis des Busfahrers keine Anpassung der Fahrweise

Die Richter wiesen die Klage mit der Begründung ab, dass der Busfahrer meist keinen Überblick über die Fahrgäste habe, die er befördere. Aufgrund dieser Unkenntnis könne auch keine Anpassung der Fahrweise an die Bedürfnisse von seh- oder gehbehinderten Menschen erwartet werden, wenn er nicht explizit darüber informiert wird.

Der Deutsche Anwaltsverein (DAV) rät daher Fahrgästen, die ein Handicap haben, soweit möglich die vordere Bustür zu nutzen. In dem Zuge sollten sie den Busfahrer auf die Behinderung hinweisen. Schadenersatz sei dann durchaus möglich, wenn der Busfahrer sich nicht an die Bitte um Rücksicht halte.

Sicher Busfahren: Verhaltenstipps

Vorne einsteigen und den Busfahrer auf die Behinderung hinweisen: Wer Schadenersatz fordert, sollte sich zuvor richtig verhalten haben.

Vorne einsteigen und den Busfahrer auf die Behinderung hinweisen: Wer Schadenersatz fordert, sollte sich zuvor richtig verhalten haben.

Um ein Mindestmaß an Sicherheit beim Busfahren und im Falle eines Busunfalls zu gewährleisten, sollten sich Fahrgäste mit Handicap einige Verhaltensweisen zu eigen machen.

  1. vorne einsteigen
  2. Busfahrer auf eigene Behinderung hinweisen (dann kann Schadenersatz im Zweifelsfall möglich sein)
  3. um Rücksicht bitten
  4. schnellstmöglich einen sicheren Halt verschaffen
  5. im besten Fall einen Sitzplatz erreichen
  6. erst aufstehen, wenn Bus stillsteht
In den meisten Bussen gibt es spezielle Sitzplätze für ältere, behinderte und schwangere Menschen, die entsprechend gekennzeichnet sind. Bitten Sie im Zweifelsfall aktiv um die Freimachung eines Sitzplatzes!

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