Brücken-Sicherheit in Deutschland: Prüfung nach Einsturz in Genua

News vom 15.08.2018 um 14:51 Uhr

Brücken in Deutschland: Sicherheit laut Prüfung der BAST in einigen Fällen nicht gegeben.

Brücken in Deutschland: Sicherheit laut Prüfung der BAST in einigen Fällen nicht gegeben.

Nach dem Brückeneinsturz von Genua wird mittlerweile von etwa 35 Todesopfern gesprochen. Der Unfall ereignete sich am Nachmittag des 14.08.2018. Erst wenige Tage vor dem Unglück in Italien wurde in Deutschland vom Arbeitgeberverband der industriellen Bauunternehmen eine Studie mit dem Titel „Brücken sind marode“ veröffentlicht. Aber wie steht es tatsächlich um die Brücken-Sicherheit hierzulande? Zur Prüfung liefert die Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) entsprechende Zahlen.

Notensystem: Brücken-Sicherheit wird bei Prüfung in verschiedene Kategorien eingestuft

Nach neusten Zahlen der BAST gibt es in Deutschland aktuell rund 40.000 Brücken an Bundesfernstraßen. Gemeint sind Autobahnbrücken sowie Überbrückungen an Bundesstraßen mit Ortsdurchfahrten.

Grund zur Sorge gäbe es zwar in Einzelfällen, aber grundsätzlich könnten mehr als 12 Prozent aller Überführungen bei der Brücken-Sicherheit gemäß Prüfung mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet werden. 75 Prozent bekamen die Zustandsnote „befriedigend“ oder „ausreichend“. Das angewendete Notensystem unterscheidet insgesamt zwischen folgenden Kategorien:

  • „sehr gut“ (1,0-1,4)
  • „gut“ (1,5-1,9)
  • „befriedigend“ (2,0-2,4)
  • „ausreichend“ (2,5-2,9)
  • „nicht ausreichend“ (3,0-3,4)
  • „ungenügend“ (3,5-4,0)
Neun Brücken erhielten deutschlandweit die schlechteste Zustandsnote. Eine davon ist die Leverkusener Rhein-Brücke im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Zur Autobahn A1 gehörend verbindet sie die Städte Köln und Leverkusen. Für Lkw ab 3,5 Tonnen ist die Rhein-Brücke mittlerweile wegen maroder Bausubstanz komplett gesperrt. Bußgelder drohen bei Zuwiderhandlungen. Zu dieser Entscheidung kam es, da die Brücken-Sicherheit gemäß Prüfung verantwortlicher Behörden nicht mehr gegeben sei.
Bei der Brücken-Sicherheit ist laut Prüfung von Experten auch entscheidend, ob Beton oder Stahl verbaut wurde.

Bei der Brücken-Sicherheit ist laut Prüfung von Experten auch entscheidend, ob Beton oder Stahl verbaut wurde.

Die vor 50 Jahren errichtete Konstruktion sei dem heutigen Verkehrsaufkommen – über 120.000 Fahrzeuge täglich – schlicht nicht gewachsen, weshalb Neubauten geplant sind. Vor 2026 wären diese jedoch nicht realisierbar.

Beton oder Stahl: Welches Material bietet mehr Sicherheit für Autobahnbrücken?

Was sind überhaupt Auslöser für die unzureichende Brücken-Sicherheit, welche laut Prüfung teilweise gegeben sei? Hierzu hat Bauingenieur und Architekt Richard Dietrich gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland folgende Aussage gemacht, wobei er auf verwendete Materialien einging:

Wenn der Beton Risse hat, durch die Feuchtigkeit eindringt, löst sich irgendwann der Zement auf, dadurch rostet die freigelegte Stahlbewehrung, und spätestens dann leidet die Stabilität.

Demnach sei unter anderem die Verwendung von Beton als Werkstoff Auslöser für Brückeneinstürze. Dietrich sprach sich deshalb für die Rückkehr zu Stahlbrücken aus, welche deutlich langlebiger und weniger anfällig für Schäden seien. Da die Betonindustrie in Deutschland jedoch ein gut funktionierendes Kartell sei, erschwere dies ein Umdenken beim Brückenbau.

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