Elefantenrennen – Gefährlich langer Überholvorgang zwischen LKW

Von Sandra, letzte Aktualisierung am: 13. Juni 2019

Überholen mit dem LKW ist nicht in jeder Situation gestattet

Beteiligen sich LKW an Elefantenrennen, ist mit Sanktionen zu rechnen.

Beteiligen sich LKW an Elefantenrennen, ist mit Sanktionen zu rechnen.

Der Begriff „Elefantenrennen“ hat sich im allgemeinen Sprachgebraucht bereits fest etabliert. Fast jeder Autofahrer weiß, was es damit auf sich hat. Der Großteil der Autofahrer in Deutschland assoziiert damit auch etwas Negatives.

Dass es sich dabei um das Überholen mit dem LKW, zumeist auf der Autobahn, handelt, ist auch allgemeinhin bekannt. Doch wird es geahndet, wenn diese LKW bei einem Elefantenrennen erwischt werden?

Wie sieht hier die rechtliche Situation aus? Welche Konsequenzen drohen, wenn LKW-Fahrer solch einen Überholvorgang ausführen?

Diese Fragen betrachtet der folgende Ratgeber näher, sodass ein Überblick zum Thema zur Verfügung steht.

LKW-Elefantenrennen: Was ist das genau?

Von einem Elefantenrennen wird gesprochen, wenn ein LKW einen anderen LKW überholt und dabei zwischen den Fahrzeugen nur ein geringer Geschwindigkeitsunterschied besteht. Dieser Überholvorgang kann auf der Autobahn oder einer anderen mehrspurigen Straße stattfinden.

So ein Vorgang zwischen LKW dauert dann mehrere Minuten und blockiert so die Fahrspuren für den nachfolgenden und meist auch schnelleren Verkehr. Besonders lange LKW und Sattelzüge benötigen aufgrund Ihrer Ausmaße und dem vorgeschriebenen Mindestabstand zwischen den Fahrzeugen sehr lange um andere zu überholen.

Hier wird nicht nur das Überholen an sich berechnet, sondern auch das Ausscheren sowie Einschwenken davor und danach. Darüber hinaus dürfen LKW die Höchstgeschwindigkeit auch bei einem Elefantenrennen nicht überschreiten.

Die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit für LKW liegt bei 80 km/h. Will ein LKW einen anderen überholen, muss der zu Überholende seine Geschwindigkeit so reduzieren, dass die Differenzgeschwindigkeit mindestens 10 km/h beträgt.


Dies ist jedoch in fast keinem Fall gegeben, so dass die Differenzgeschwindigkeit zwischen den LKW bei einem Elefantenrennen meist deutlich unter 10 km/h liegt. Auch darf, nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm, ein Überholvorgang zwischen LKW nicht länger als 45 Sekunden dauern ( 29.10.2008 – 4 Ss OWi 629/08)

Sogenannte Elefantenrennen sind in Deutschland nicht gestattet.

Sogenannte Elefantenrennen sind in Deutschland nicht gestattet.

Ist die Differenzgeschwindigkeit jedoch zu niedrig, ist absehbar, dass ein solcher Vorgang wesentlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Dies hat Sanktionen zur Folge.

Welche Sanktionen drohen bei einem Elefantenrennen?

Nach den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung handelt es sich bei einem LKW-Elefantenrennen um „Überholen mit zu geringer Differenzgeschwindigkeit“. Ein LKW-Fahrer darf also das Überholen nicht ausführen, wenn die Differenz unter 10 km/h beträgt und der Vorgang länger als 45 Sekunden dauern würde.

Dies muss erst recht dann unterlassen werden, wenn durch das Elefantenrennen – den Überholvorgang an sich – andere Verkehrsteilnehmer deutlich behindert oder sogar gefährdet werden.

Wer also mit einem Elefantenrennen den Verkehrsfluss in unangemessener Weise behindert, begeht ein ordnungswidriges Überholmanöver. Der Bußgeldkatalog sieht in diesem Fall Sanktionen vor. Es muss mit einem Bußgeld in Höhe von 80 Euro sowie einem Punkt in Flensburg gerechnet werden.

Auch hier kann ein Kraftfahrer zum Wiederholungstäter werden. Wer mehrmals bei einem Elefantenrennen erwischt wird und eventuell darüber hinaus auch noch andere Verkehrsteilnehmer deutlich behindert oder gefährdet, muss mit einem erhöhten Bußgeld und einem Fahrverbot rechnen.

Um Elefantenrennen zwischen LKW zu unterbinden und so die Gefährdung anderer Autofahrer zu minimieren, gelten auf vielen Autobahnabschnitten in Deutschland Überholverbote für LKW. Darüber hinaus steht es auch jedem Bundesland frei, regionale Überholverbote für LKW zu verhängen. Elefantenrennen werden so meist schon vor ihrem Entstehen unterbunden.
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2 Kommentare

  1. Raimo sagt:

    Aus dem Bricht geht nicht hervor wer das Bußgeld zahlen muss. Ich denke das sogar NUR der Überholte zahlen sollte! Er hat es in der Hand. Und er ist es auch der bei der nächsten Gelegenheit GENAUSO langsam bei einem Überholmanöver ist. Aber da denkt er nicht daran! Ich fahre seit fast 40 Jahren LKW und früher war es so, das vermehrt auch nachgegeben wird, wenn man bemerkt das der Überholende sehr wohl schneller ist, auch wenn die 10 kmh Unterschied nicht drin sind. Das Überholen hat SEHR WOHL einen Sinn!! DAS bedenken fast alle NICHT LKW Fahrer nicht. Wenn man sehr lange hinter einem LKW hinter her fährt ermüdet man schneller!! Nur eben die Kultur des Nachgebens, die ich noch praktiziere, ist verloren gegangen. DAS ist die Misere und deshalb sollte der Überholte EMPFINDLICHER bestraft werden!
    Noch was zu dem angedachten generellen Überholverbot für LKW auf unseren Straßen. DAS wäre für die PKW Fahrer die sich beim Auffahren auf die Autobahn einordnen, oder die Autobahn verlassen wollen „russisches Roulette“, weil wenige LKW den geforderten Abstand einhalten und somit WESENTLICH gefährlicher. Und das Kontrollieren der LKW Abstände wird auch NIE funktionieren, weil unsere Polizei hoffnungslos unterbesetzt ist.

  2. Hans sagt:

    Sorry, aber das ist Schwachsinn. Niemand zwingt einen LKW, einen anderen zu überholen! Die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen beträgt für LKW 80 KM/h. JEDER LKW (im unbeschädigten Zustand und auf gerader Strecke) fährt etwas schneller, das weiß auch jeder LKW-Fahrer. Die Differenz zwischen verschiedenen LKW beträgt real und LEGAL wenige (!) KM/h. Zusammen mit dem Mindestabstand ist ein Überholen unter 45 Sekunden somit oftmals UNMÖGLICH und somit VERBOTEN. Wer es dennoch tut, ist der alleinige Verursacher des Elefantenrennens und gehört somit bestraft.

    Leider ist es wie mit Mittelspurschläfern und Blinkmuffeln – es interessiert keine Sau und daher fahren sich manche LKW-Fahrer (wie auch PKW-Fahrer natürlich) einen Stiefel zusammen, der auf keine Kuhhaut geht. 70 bei 60 in einer Baustelle auf der rechten Spur? Niemals, der Brummi hinten hat es ja eilig. Da wird dann auch schon mal aufgeblendet, die Hupe eingesetzt und auf 3 Meter aufgefahren. Offensichtlich lassen sich Abstandswarner zu leicht deaktivieren oder sie sind nicht verbreitet genug!

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