Ausbremsen im Straßenverkehr: Straftat oder erzieherische Maßnahme?

Von Nicole, letzte Aktualisierung am: 12. September 2019

Bei Dränglern auf die Bremse treten?

Müssen Autofahrer mit Sanktionen rechnen, wenn sie einen Drängler ausbremsen?
Müssen Autofahrer mit Sanktionen rechnen, wenn sie einen Drängler ausbremsen?

Die vom Gesetzgeber definierten Verkehrsregeln zur Straßenbenutzung sollen sicherstellen, dass alle Verkehrsteilnehmer geordnet und sicher an ihr Ziel kommen. Allerdings kann sich die gemeinsame Nutzung der Verkehrswege auch zu einem regelrechten Kampf entwickeln. Dies gilt insbesondere auf der Autobahn, wenn verschiedene Fahrertypen aufeinandertreffen.

Vor allem Drängler sind häufig eine Belastung und gefährden zudem auch die Verkehrssicherheit. Aus diesem Grund stellen sich betroffene Autofahrer nicht selten die Frage, ob es sinnvoll ist, Fahrzeugführer, die zu dicht auffahren, durch Ausbremsen in die Schranken zu verweisen.

Doch was genau ist unter „ausbremsen“ zu verstehen? Ist ein solches Fahrmanöver in Deutschland erlaubt oder droht ein Bußgeld? Kann eine Nötigung beim Ausbremsen auf der Autobahn vorliegen? Und besteht die Möglichkeit, diese Fahrweise zur Anzeige zu bringen? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Fragen zum Ausbremsen

Was ist unter “ausbremsen” zu verstehen?

Bremsen Sie Ihr Fahrzeug plötzlich und ohne erkennbare Notwendigkeit ab, um das hinter Ihnen fahrende Kfz ebenfalls zum Bremsen zu bringen, wird von “ausbremsen” gesprochen.

Darf ich einen Drängler ausbremsen?

Nein. Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) untersagt Fahrern von Kraftfahrzeugen das plötzliche Bremsen, wenn dafür kein triftiger Grund vorliegt. Das gilt auch, wenn der hinter Ihnen Fahrende Sie bedrängt. Hält er zudem den nötigen Sicherheitsabstand nicht ein, kann eine plötzliche Bremsung Ihrerseits fatale Konsequenzen haben.

Welche Sanktion droht, wenn ich jemanden ausbremse?

Geht mit Ihrem Verhalten eine Gefährdung einher, müssen Sie mit einem Verwarnungsgeld von 20 Euro rechnen. Verursachen Sie einen Unfall, erhöht es sich auf 30 Euro.

Auszug aus dem Bußgeldkatalog zum Thema „Ausbremsen“

Tatbestand Bußgeld
Sie bremsten als Vorausfahrender ab, ohne dass dafür ein Grund bestand. Es kam zu einer Gefährdung des nachfolgenden Verkehrsteilnehmers.
20 €
Sie bremsten als Vorausfahrender ab, ohne dass dafür ein Grund bestand. Es kam zu einem Unfall. 30 €

Dürfen Sie andere Verkehrsteilnehmer ausbremsen?

Die StVO untersagt das Ausbremsen im Straßenverkehr.
Die StVO untersagt das Ausbremsen im Straßenverkehr.

Von „ausbremsen“ ist die die Rede, wenn ein Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr plötzlich und ohne eine erkennbare Notwendigkeit die Geschwindigkeit reduziert, um damit ein nachfolgendes Fahrzeug zu einer Vollbremsung zu zwingen. Nicht selten wird ein solches Fahrmanöver als „erzieherische Maßnahme“ gegen Drängler eingesetzt bzw. in Erwägung gezogen.

Dabei gerät im Eifer des Gefechts leicht in Vergessenheit, welche Gefahr mit dem Ausbremsen anderer Verkehrsteilnehmer einhergeht. Denn gerade beim Drängeln liegt eine Unterschreitung des gesetzlichen Mindestabstands vor, sodass das rechtzeitige Anhalten unter Umständen nicht möglich ist. Der Vorausfahrende nimmt durch das Ausbremsen somit ein Auffahrunfall in Kauf, der im schlimmsten Fall zu einer Massenkarambolage führt.

Besonders dramatisch können die Folgen sein, wenn Sie mit einem Pkw einen Lkw ausbremsen. Denn durch das deutlich höhere Gewicht des Gütertransporters verlängert sich auch der Bremsweg. Lässt sich eine Kollision in einem solchen Fall nicht mehr vermeiden, müssen vor allem die Insassen des abbremsenden Pkw um ihre Gesundheit fürchten.

Aufgrund dieser weitreichenden Folgen, ist das unbegründete Abbremsen und somit das Ausbremsen anderer Fahrzeuge in Deutschland untersagt. In § 4 Abs. 1 Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) heißt es dazu:

Der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug muss in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Wer vorausfährt, darf nicht ohne zwingenden Grund stark bremsen.

Doch wie sollten Sie sich bei einem Drängler verhalten? Zuerst sollten Sie Ruhe bewahren und sich nicht zu einer riskanten Kurzschlusshandlung verleiten lassen. Zudem sollten Sie den Drängler nicht bei einem möglichen Überholvorgang behindern oder ihn anderweitig provozieren. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, den Fahrer bei der Polizei zu melden. Hierfür sollten Sie sich das Kennzeichen sowie Merkmale zum Fahrzeug und zum Fahrer merken.

Nötigung im Straßenverkehr? Was fürs Ausbremsen als Strafe droht!

Unter bestimmten Umständen kann es sich beim Ausbremsen um eine Straftat handeln.
Unter bestimmten Umständen kann es sich beim Ausbremsen um eine Straftat handeln.

Wie der Auszug aus der StVO zeigt, ist das Ausbremsen anderer Fahrzeuge in Deutschland nicht erlaubt und stellt somit eine Ordnungswidrigkeit dar. Hierfür muss aber zumindest eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrsteilnehmers vorliegen. Welche Sanktionen in einem solchen Fall für eine grundlose Reduzierung der Geschwindigkeit drohen, ergibt sich aus dem Bußgeldkatalog.

Dieser sieht mindestens ein Verwarngeld in Höhe von 20 Euro vor. Ereignet sich durch dieses Fahrmanöver ein Unfall, erhöht sich die Geldsanktion auf 30 Euro. Darüber hinaus besteht aber auch die Möglichkeit, dass das Ausbremsen als Nötigung im Straßenverkehr gewertet wird und somit eine Straftat vorliegt.

Allerdings definiert der Gesetzgeber in § 240 Strafgesetzbuch (StGB) konkrete Bedingungen für eine Nötigung. Auf der Autobahn kann das Ausbremsen unter Umständen als eine Gewaltanwendung gewertet werden, da bei diesem Vorgang ein physisches Hindernis errichtet wird, dass den Nachfahrenden zu einer Handlung – dem Abbremsen – nötigt.

Ob in einem Einzelfall tatsächlich eine Nötigung vorliegt, muss das zuständige Gericht bewerten. Dieses bestimmt auch, was dem Verkehrssünder für das Ausbremsen auf der Autobahn als Strafe droht. Denn laut StGB ist entweder eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren möglich.

Möchten Sie eine Anzeige wegen Ausbremsen erstatten, ist dies bei der Polizei möglich. Dafür sollten Sie sich – ebenso wie bei Dränglern – neben dem Kennzeichen auch Merkmale des Fahrzeugs sowie des Fahrers einprägen. Hilfreich können zudem Zeugenaussagen sein.
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