Alkolock-Systeme: Dank Alkohol-Wegfahrsperre zu mehr Sicherheit?

Von Nicole, letzte Aktualisierung am: 5. September 2019

Freie Fahrt nur für nüchterne Fahrer

Ist ein Auto mit Alkolock ausgestattet, kann ein betrunkener Fahrer dieses nicht starten.
Ist ein Auto mit Alkolock ausgestattet, kann ein betrunkener Fahrer dieses nicht starten.

Jedes Jahr führen Autofahrten unter Alkoholeinfluss zu schweren Unfällen und kosten das Leben von Menschen. Um diese zu verringern oder bestenfalls vollständig zu verhindern und auch die Anzahl der Personen zu reduzieren, die wiederholt alkoholisiert fahren, gibt es verschiedene Ansätze.

Eine Option stellen dabei die sogenannten Alkolock-Systeme dar, die eine Alkoholfahrt grundsätzlich unterbinden können, indem sich der Fahrer einer Alkoholkontrolle unterziehen muss.

Doch wie genau verhindert die Alkohol-Zündschlosssperre das Losfahren? Welche Vor- und Nachteile zeichnen das Alkolock-System aus? In welchen Ländern kommen die Geräte bereits zum Einsatz? Welche Bedingungen gelten dabei? Und ist die Einführung einer solchen Alkohol-Wegfahrsperre auch in Deutschland möglich? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Alkolock

Was ist ein Alkolock?

Hierbei handelt es sich im Geräte, die im Fahrzeug verbaut sind und eine Fahren unter Alkoholeinfluss verhindern. Weitere Informationen zur Funktion finden Sie hier.

Ist ein Alkolock-System in Deutschland Pflicht?

Nein, eine Anwendung bzw. der Einbau sind in Deutschland gesetzlich nicht vorgeschrieben. Auch in der StVO finden sich keine Bestimmungen diesbezüglich.

Gibt es Ländern, in den Alkolocks vorgeschrieben sind?

Ja, in den USA zum Beispiel muss in vielen Bundesstaaten ein solches System verbaut sein. In Schweden kann der Einbau bei auffällig gewordenen Fahrern angeordnet werden. Weitere Beispiele finden Sie hier.

Wie funktioniert das Alkolock?

Als Alkohol-Interlock-System – kurz Alkolock – werden Geräte bezeichnet, die das Fahren unter Alkoholeinfluss verhindern. In Deutschland finden alternativ dazu auch Bezeichnungen wie Alkohol-Wegfahrsperre oder -Zündschlosssperre Verwendung.

Wer ein mit dem Alkolock-System ausgestattetes Auto fahren möchte, muss zuvor seinen Atemalkohol messen. Das Gerät verfügt dafür über ein Röhrchen zum Hineinpusten und ähnelt damit dem Apparat, den die Polizei im Zuge der Alkoholkontrolle verwendet.

Ist der Fahrer nüchtern, lässt sich das Fahrzeug anschließend starten und die Fahrt beginnt. Anders sieht es allerdings aus, wenn der gemessene Wert die gesetzlich definierte Promillegrenze überschreitet. Denn in einem solchen Fall blockiert eine Steuereinheit den Anlasser und verhindert somit eine Trunkenheitsfahrt.

Als Ausstattungsmerkmal ab Werk bietet bislang nur der Autohersteller Volvo Fahrzeuge mit Alkolock an. Allerdings ist der nachträgliche Einbau des Systems grundsätzlich bei nahezu allen Kfz möglich.

Alkolocks im Ausland: Wer muss die Geräte verwenden?

In vielen Ländern kommt die Alkohol-Wegfahrsperre bereits zum Einsatz.
In vielen Ländern kommt die Alkohol-Wegfahrsperre bereits zum Einsatz.

Zwar wird in Deutschland regelmäßig über das Thema „Alkolock“ gesprochen, Anwendung findet das System bislang aber noch nicht. Da sind andere Länder deutlich weiter. So erfolgt der Einbau entsprechender Geräte in den USA – genauer in Kalifornien – bereits seit 1986. Mittlerweile verfügen alle 50 Bundestaaten über Gesetze, die die Nutzung vorschreiben. Die Rahmenbedingungen für die Nutzung definiert dabei jeder Staat individuell.

In Frankreich ist der Einbau von Alkohol-Wegfahrsperren in Schulbussen vorgeschrieben. Darüber hinaus müssen auch Wiederholungstäter Rahmen von Rehabilitationsprogrammen entsprechende Geräte verwenden.

Wer in den Niederlanden wegen Alkohol am Steuer auffällt, hat seit Dezember 2011 die Wahl. Entweder muss der Fahrer für die Dauer von zwei Jahren ein Alkolock-Gerät verwenden oder er gibt für fünf Jahre seinen Führerschein ab.

Schweden gilt als Vorreiter beim Einsatz von Alkolock-Systemen. Denn neben bereits alkoholauffälligen Fahrzeugführern erfolgt der Einbau auch präventiv bei (Schul-) Bussen, Taxen und Lkw. Um mit gutem Beispiel voran zu gehen, verfügt zudem auch die Mehrheit der Regierungsfahrzeuge über entsprechende Geräte.

Immer mehr Busunternehmen weltweit setzen Alkolock mittlerweile auf freiwilliger Basis ein. Dabei zeigen Umfragen, dass die Passagiere die Nutzung dieser grundsätzlich begrüßen.

Kommt die Alkohol-Zündschlosssperre nach Deutschland?

Die Einführung des Alkolock-Systems wird in Deutschland immer wieder diskutiert, konkrete Pläne gibt es bislang nicht (Stand 06/2019). Zuletzt sprach sich auf dem 57. Deutschen Verkehrsgerichtstag, welcher im Januar 2019 in Goslar stattfand, ein Arbeitskreis für die Alkohol-Wegfahrsperre aus. Denn diese würden sich

„als Ergänzung zu dem bestehenden Maßnahmensystem für alkoholauffällige Kraftfahrer [eignen], um Fahrten unter Alkoholeinfluss zu verhindern.“

Die Empfehlung des Arbeitskreises beinhaltet darüber hinaus auch Vorschläge zur Anwendbarkeit von Alkolock. So könnte das System bei Straftaten im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss in folgenden Fällen eingesetzt werden:

Darüber hinaus spricht sich der Arbeitskreis bei Fahrzeugen des gewerblichen Personen- und Güterverkehr für eine europaweite, präventive Einbaupflicht aus. Diese Einschätzung ist dabei dem erhöhten Gefahrenpotenzial bei diesen Fahrzeugen geschuldet.

Experten sind sich trotz der Vorteile, die das Alkolock-System mit sich bringt, einig, dass ein flächendeckender Einbau in alle Pkw keine Option ist. Denn auch wenn sich dadurch das Fahren unter Alkoholeinfluss verhindern lässt, würden Aufwand und Ausgaben dafür nicht in Relation zur Anzahl der Alkoholverstöße am Steuer stehen.

Was spricht gegen den Einsatz von Alkolock?

Die hohen Kosten sind ein Argument gegen die Alkohol-Zündschlosssperre.
Die hohen Kosten sind ein Argument gegen die Alkohol-Zündschlosssperre.

Da die Vorteile der Alkolock-Systeme auf der Hand liegen, wollen wir genauer beleuchten, welche Argumente sich gegen eine Einführung anbringen lassen. Ein wichtiges Argument sind dabei die drohenden Kosten. So fallen für das Gerät, den Einbau sowie die Wartung mehrere tausend Euro an, die in der Regel vom Autofahrer zu tragen sind. In manchen Ländern kann man diese aber auch ausleihen.

Zudem weisen Experten darauf hin, dass der Einbau eines Alkolock-Systems nicht das Problem löst. Denn wie Studien aus den USA zeigen, bei denen unterschiedliche Alkolock-Programme untersucht wurden, ist die Quote für Wiederholungstäter nach dem Ausbau genauso hoch wie bei Fahrern, die keine Alkohol-Wegfahrsperre nutzten. Daher ist der Einsatz nur sinnvoll, wenn dieser mit einer verkehrspsychologischen Begleitung einhergeht, um auch die Ursachen für die Alkoholfahrten zu ergründen und zu bekämpfen. Auch hierfür entstehen weitere Ausgaben.

Auch der Datenschutz könnte ein Problem darstellen, da manche Geräte zum Beispiel Fehlversuche aufzeichnen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Manipulationsversuche mithilfe einer Kamera oder durch Gesichtserkennung zu verhindern.

Nicht zuletzt sind die Alkolock-Systeme laut Einschätzung von Juristen nicht mit dem aktuellen Strafrecht zu vereinbaren. Denn gemäß § 69 Abs. 2 Strafgesetzbuch (StGB) gelten Personen, die wegen Trunkenheit im Verkehr verurteilt wurden, als „ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen“. Dürften diese durch den Einsatz von Alkolock fahren, wäre dies ein Widerspruch. Aus diesem Grund wäre die Anwendung nur bei Ordnungswidrigkeiten – also maximal 1,09 Promille – möglich.

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