Selbstfahrende Arbeitsmaschine: Wird ein Fahrtenschreiber benötigt?

Wie lautet die Definition laut FZV?

Auch ein Gabelstapler gilt normalerweise als selbstfahrende Arbeitsmaschine. Ein Fahrtenschreiber ist nicht vonnöten.

Auch ein Gabelstapler gilt normalerweise als selbstfahrende Arbeitsmaschine. Ein Fahrtenschreiber ist nicht vonnöten.


Besonders in Bereichen wie der Landwirtschaft oder Straßenreinigung sind selbstfahrende Arbeitsmaschinen immer wieder anzutreffen. Ihre Eigenschaften sind in § 2 Absatz 17 der Fahrzeug-Zulassungs-Verordnung (FZV) genannt. Demnach sind selbstfahrende Arbeitsmaschinen

Kraftfahrzeuge, die nach ihrer Bauart und ihren besonderen, mit dem Fahrzeug fest verbundenen Einrichtungen zur Verrichtung von Arbeiten, jedoch nicht zur Beförderung von Personen oder Gütern bestimmt und geeignet sind […].

Laut dieser Definition fallen zum Beispiel Kehr- oder Erntemaschinen, Abschleppwagen oder Mähdrescher in die Rubrik dieser Fahrzeugart. Da Arbeitsmaschinen größtenteils gewerblich genutzt werden, kommt bei vielen Fahrern öfter die Frage auf, ob eine selbstfahrende Arbeitsmaschine ebenfalls einen Fahrtenschreiber benötigt. Diese Frage wollen wir im folgenden Ratgeber klären.

Selbstfahrende Arbeitsmaschine: Versicherung, Steuern Fahrerlaubnis & Co

Alle selbstfahrenden Arbeitsmaschinen sind zulassungsfrei. Dementsprechend muss zunächst einmal keine Kraftfahrzeugsteuer für die Fahrzeuge bezahlt werden. Liegt eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit bis 20 km/h vor, ist auch kein Kennzeichen vonnöten, lediglich eine Betriebserlaubnis für das Gefährt. Ist die selbstfahrende Arbeitsmaschine schneller als 20 km/h, so ist ein grünes Kennzeichen zu beantragen.

Für alle Fahrzeuge, die bauartbedingt schneller als 20 km/h fahren können, gilt außerdem eine Pflicht zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung. Wollen Sie eine selbstfahrende Arbeitsmaschine führen, so müssen Sie darauf achten, welche Geschwindigkeit das Fahrzeug erreichen kann. Es gelten folgende Voraussetzungen und jeweilige Führerscheinklassen:

Bau­art­be­ding­te Höchst­ge­schwin­dig­keitzu­läs­si­ge Ge­samt­mas­seFüh­rer­schein­klas­se
6 km/hfahr­er­laub­nis­frei
25 km/hL
40 km/hT
> 40 km/hbis 3,5 tB
> 40 km/hbis 7,5 tC1
> 40 km/h> 7,5 tC

Ist ein Fahrtenschreiber als Kontrollgerät Pflicht?

Eine selbstfahrende Arbeitsmaschine benötigt keinen Fahrtenschreiber. Das ergibt sich aus der Verordnung (EG) Nr. 561/2006, die besagt, dass folgende Fahrzeuge von der Fahrtenschreiberpflicht ausgeschlossen sind:

Fahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen mit einer zulässigen Höchstmasse von nicht mehr als 7,5 t, die zur Beförderung von Material, Ausrüstungen oder Maschinen benutzt werden, die der Fahrer zur Ausübung seines Berufes benötigt, und die nur in einem Umkreis von 100 km vom Standort des Unternehmens und unter der Bedingung benutzt werden, dass das Lenken des Fahrzeugs für den Fahrer nicht die Haupttätigkeit darstellt […].

Eine selbstfahrende Arbeitsmaschine, die keinen Fahrtenschreiber benötigt, kann auch eine Erntemaschine sein.

Eine selbstfahrende Arbeitsmaschine, die keinen Fahrtenschreiber benötigt, kann auch eine Erntemaschine sein.

Entsprechend fallen selbstfahrende Arbeitsmaschinen unter diese Definition und demnach aus der Pflicht heraus, ein Kontrollgerät zu besitzen. Fahren Sie also eine selbstfahrende Arbeitsmaschine, muss ein Fahrtenschreiber nicht genutzt werden.

Ein weiterer Grund hierfür ist, dass selbstfahrende Arbeitsmaschinen weder zur Personen- noch zur Güterbeförderung eingesetzt werden, sondern lediglich zur Verrichtung einer bestimmten Tätigkeit.

Aus diesem Grund ist ein Kontrollgerät bei diesen Fahrzeugen nicht nötig. Dies ist auch in der Fahrpersonalverordnung (FPersV) geregelt.

§ 1 Absatz 2 Satz 5 FPersV besagt, dass Fahrer von selbstfahrenden Arbeitsmaschinen keine Lenk- und Ruhezeiten protokollieren müssen, wenn sie mit den Maschinen unterwegs sind.

Da selbstfahrende Arbeitsmaschinen – auch ohne Fahrtenschreiber – gewerblich genutzt werden, Fahrer in diesem Fall aber nicht der Fahrpersonalverordnung unterliegen, gelten die normalen Arbeitszeiten für Arbeitnehmer nach dem Arbeitszeitgesetz. Entsprechend müssen sich Fahrer mit ihren Fahrzeugen an die dort genannten Höchstarbeitszeiten halten, wenn sie im Straßenverkehr unterwegs sind.

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5 Kommentare

  1. Lars sagt:

    Muss man bei einer selbstfahrenden Arbeitsmaschine mit digitalen Fahrtenschreiber die Karte stecken oder nicht? Danke

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Lars,

      in der Regel sind selbstfahrende Arbeitsmaschinen von der Fahrtenschreiberpflicht ausgenommen. Wenden Sie sich ggf. an einen Anwalt.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  2. Justin sagt:

    Hallo, darf man eine Lkw-Kehrmaschine (selbstfahrende Arbeitsmaschine Strassenreiniger DA88) die auf 40 km/h gedrosselt ist und über 7,5 tonnen wiegt gewerblich im Straßenbau mit T-Führerschein fahren z.B bei Fräsarbeiten

    Danke

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Justin,

      mit dem Führerschein der Klasse T dürfen Sie Zugmaschinen mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 60 km/h sowie selbstfahrende Arbeitsmaschinen oder selbstfahrende Futtermischwagen mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 40 km/h und die jeweils nach ihrer Bauart zur Verwendung für land- und forstwirtschaftliche Zwecke bestimmt sind und für solche Zwecke eingesetzt werden, führen.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  3. Tobias sagt:

    Hallo,

    Wir haben einen Lkw über 7,5t der als selbstfahrende Arbeitsmaschine (grünes Kennzeichen) angemeldet ist und auch mal weiter als 100km Umkreis fährt.
    Zwei Fragen hätte ich.
    Erste: Muss ich die Lenk- und Ruhezeiten einhalten, bzw. Aufzeichnen?
    Zweite: Darf ich einen Anhänger mit Baumaterial oder Maschinen (Stahlplatten oder Gabelstapler) mitführten?

    Vielen Dank

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