Organmandat: Das österreichische Pendant zum Knöllchen

Von Janna, letzte Aktualisierung am: 5. September 2019

Die Organstrafverfügung in Österreich einfach erklärt

„Orgerl“ ist das österreichische Äquivalent zum Knöllchen.

„Orgerl“ ist das österreichische Äquivalent zum Knöllchen.

Was Autofahrer in Deutschland verärgert „Knöllchen“ schimpfen, nennt der Österreicher liebevoll „Orgerl“. Dieses Kürzel bezieht sich auf das sogenannte Organmandat (auch: Organstrafverfügung) in Österreich. Es ist das Äquivalent zum deutschen Strafzettel.

In Deutschland wird zwischen Bußgeld und Verwarnungsgeld unterschieden. Letzteres wird bei geringen Ordnungswidrigkeiten (z. B. Falschparken) verhängt. Akzeptiert der Betroffene dies nicht, wird das Bußgeldverfahren in die Wege geleitet. Ähnlich verhält es sich mit dem Organmandat in Österreich. Für geringfügige Ordnungswidrigkeiten (in Österreich heißen sie Verwaltungsübertretungen) kann ein Polizeibeamter (hier: Organ) ein Organmandat verhängen.

Ein Verfahren bzw. eine Anzeige wird nur in die Wege geleitet, wenn der Beanstandete die Zahlung der Strafe verweigert. In Österreich wird dieses nicht als Bußgeld-, sondern Verwaltungsstrafverfahren bezeichnet. Im Nachfolgenden möchten wir genauer auf das österreichische Organmandat eingehen.

Rechtliche Grundlage für das Organmandat in Österreich

Durch die Organstrafverfügung kann Österreich geringfügige Verstöße direkt vor Ort sanktionieren (z. B. Falschparken).

Durch die Organstrafverfügung kann Österreich geringfügige Verstöße direkt vor Ort sanktionieren (z. B. Falschparken).

Neben der Strafverfügung und der Anonymverfügung gehört die Organstrafverfügung in Österreich zu den vereinfachten Verwaltungsstrafverfahren. Dadurch ist es der Behörde möglich, bei geringfügigen Verkehrsverstößen (z. B. Falschparken) schnell und unkompliziert zu handeln. Das ermächtigte Organ öffentlicher Aufsicht kann daher direkt vor Ort Verwaltungsstrafen bis zu 90 Euro „einheben“.

Das Organmandat wird in der Organstrafverfügungsverordnung sowie in § 50 des Verwaltungsstrafgesetzes (VStG) geregelt. Grundsätzlich ist dafür immer ein Formular zu verwenden. In § 2 der Organstrafverfügungsordnung heißt es:

Das Formular ist vom Organ im Durchschreibeverfahren in zwei Ausfertigungen auszufüllen, zu datieren und eigenhändig zu unterschreiben. Die Urschrift ist dem Beanstandeten zu übergeben. Die Vorlage einer Durchschrift des Formulars und die Abführung der eingehobenen Strafbeträge (Schecks, Originale der Kreditkartenbelege) an die Behörde hat unverzüglich zu erfolgen.

In der Praxis bedeutet das, dass der Ordnungsbeamte immer einen Block mit sich führt, der das entsprechende Formular enthält. Nachdem der Verstoß darin ordnungsgemäß eingetragen wurde, händigt er den Beleg an den Betroffenen aus oder hinterlässt ihn am Fahrzeug. Die Durchschrift behält er selbst.

Rechtsmittel gegen das Organmandat sind gemäß § 50 Abs. 6 Satz 1 VStG unzulässig. Um Einspruch einlegen zu können, müsste zunächst die Zahlung verweigert werden, bis es zur Anzeige kommt. Im darauffolgenden Verfahren kann schließlich Einspruch eingelegt werden.

Wie kann ich das Organmandat bezahlen?

Durch das Organmandat können Strafen bis zu 90 Euro direkt vor Ort verhängt werden.

Durch das Organmandat können Strafen bis zu 90 Euro direkt vor Ort verhängt werden.

Österreicher haben vier Möglichkeiten, das Organmandat zu bezahlen:

  • Barzahlung bei der Post
  • Überweisung
  • Per Kreditkarte
  • Via Eletronic-Banking

Wenn Sie als Deutscher ein Organmandat aus Österreich ereilt, kann es aber sein, dass Ihnen nicht alle genannten Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Grundsätzlich sind Sie vor Bußgeldbescheiden aus dem Ausland nicht unbedingt gefeit. Aufgrund eines Vollstreckungsabkommens zwischen den EU-Mitgliedstaaten, können Bescheide ab 70 Euro in Deutschland vollstreckt werden.

Mit Österreich hat Deutschland sogar noch eine gesonderte Vereinbarung. Das sogenannte Amtshilfeabkommen erlaubt es österreichischen Behörden, Sanktionen ab 25 Euro von deutschen Autofahrern einzutreiben.

Wenn das Organmandat nicht innerhalb von zwei Wochen bezahlt wird, gilt es als verweigert. In diesem Fall kommt es zur Anzeige.

Für welche Verstöße ist ein Organmandat möglich? Der Katalog zeigt es

Das ermächtigte Organ kann in der Regel nach eigenem Ermessen entscheiden, ob ein Organmandat, eine Anonymverfügung oder eine Anzeige sinnvoll ist. Was die Höhe der Anonymverfügung angeht, kommt es teilweise auf den Behördensprengel (d. h. die Region) an, in welchem es zu dem Verstoß kommt. Die ungefähren Kosten für Anonymverfügung oder Organstrafverfügung können nachfolgendem Katalog entnommen werden. Dieser enthält allerdings nur Auszüge aus dem österreichischen Strafenkatalog:

Ver­stoßOrgan­man­datAno­nym­verfü­gung
Verbots­widri­ges Rechts­über­holen40 Euro30-70 Euro
Vorfahrts­missach­tung (österr.: Vorrang­verletz­ung)70 Euro58-80 Euro
Bis 20 km/h zu schnell (inner­orts)30 Euro29-60 Euro
Bis 20 km/h zu schnell (außer­orts)30 Euro29-50 Euro
Halte- oder Park­verstoß36 Euro21-72 Euro
Rotlicht­verstoß70 Euro58-70 Euro
Vorschrifts­zeichen miss­achtet30-70 Euro36-70 Euro
Konnten wir Ihnen weiterhelfen? Dann bewerten Sie uns bitte:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (33 Bewertungen, Durchschnitt: 4,30 von 5)
Loading...
Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Verfasse einen neuen Kommentar

Tipp: Im Bußgeldkatalog Forum erhalten Sie noch schneller eine Antwort auf Ihre Frage! Hier gelangen Sie zum Forum...


Bußgeldkatalog als PDF
Der aktualisierte Newsletter 2019 vom VFR Verlag zum Download und Ausdrucken.
Jetzt kostenlos per E-Mail anfordern:
Mit dem Absenden akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.