ICCT-Studie: Autos verbrauchen mehr Kraftstoff als angegeben

News vom 07.11.2017 um 10:53 Uhr

Autos verbrauchen mehr Kraftstoff, als von den Herstellern angegeben wird. Doch woran liegt das?

Autos verbrauchen mehr Kraftstoff, als von den Herstellern angegeben wird. Doch woran liegt das?

Beim Kauf eines neuen Autos sind viele unterschiedliche Faktoren entscheidend. Gerade umweltbewusste Käufer, Vielfahrer und Sparfüchse werfen zunächst einen prüfenden Blick auf den Kraftstoffverbrauch eines infrage kommenden Modells: Ein Auto, welches viel Sprit benötigt, muss nicht nur häufiger zur Tankstelle, es belastet auch die Umwelt stärker. Eine aktuelle Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigt jedoch, dass Käufer den Angaben der Hersteller nicht blind vertrauen sollten. Die meisten Autos verbrauchen mehr Kraftstoff, als von ihnen angegeben wird.

Differenz zwischen angegebenem und tatsächlichen Verbrauch ist enorm

Das ICCT hat jüngst eine Studie veröffentlicht, in welcher der vom Hersteller angegebene Kraftstoffverbrauch mit den tatsächlichen Werten, die bei regulären Fahrten erreicht werden, verglichen wurde.

Das Ergebnis: Autos verbrauchen sehr viel mehr Kraftstoff, als angegeben wird. Die Differenz liegt bei etwa 42 Prozent. Im Jahr 2013, als eine vergleichbare Studie durchgeführt wurde, betrug der Wert noch 25 Prozent.

Im Rahmen der Untersuchung wurden die Daten von etwa 1,1 Millionen Autos aus acht EU-Ländern ausgewertet. Als Grundlage dienten die folgenden Quellen:

  • Straßentests unter realen Bedingungen
  • Angaben von privaten Autobesitzern
  • Daten zu Betankungen von Dienstwagen
Die Umweltbehörde ICCT sorgt mit dieser Studie nicht zum ersten Mal für Aufruhr in der Automobilbranche. Sie trug auch zur Aufdeckung des Volkswagen-Abgasskandals bei, welcher im September 2015 ans Licht kam und das Vertrauen von Millionen Autobesitzern in den deutschen Hersteller erschütterte.

Wie kommt es zu den erheblichen Unterschieden?

Autos verbrauchen also mehr Kraftstoff, als von den Herstellern angegeben wird. Doch wie sind diese gravierenden Differenzen zu erklären? Die Autobauer ermitteln den Verbrauch nicht auf der Straße, sondern im Labor unter optimalen Testbedingungen. Bislang wurde das sogenannte NEFZ-Verfahren (Neuer Europäischer Fahrzyklus) durchgeführt.

Seit September 2017 müssen neue Fahrzeugtypen jedoch das WLTP-Verfahren (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) durchlaufen. Dieses soll die Fahrbedingungen auf der Straße besser simulieren und so für aussagekräftigere Angaben sorgen.

Im folgenden Video der Neuen Zürcher Zeitung wird anschaulich und ausführlich erklärt, welche Unterschiede zwischen den Messverfahren bestehen. Außerdem wird näher darauf eingegangen, welche Auswirkungen die neuen Regelungen in der nahen Zukunft haben könnten:

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