Die PKW-Maut in Frankreich: Wie funktioniert sie?

Das Mautsystem von Frankreich

Die Höhe der Maut in Frankreich wird nach Strecke und Mautklasse berechnet.

Die Höhe der Maut in Frankreich wird nach Strecke und Mautklasse berechnet.

In Deutschland gibt es bisher nur Pläne für eine PKW-Maut. Einige unserer Nachbarländer haben aber bereits seit Jahrzehnten ein Mautsystem etabliert. Durch die Gebühr zur Nutzung von Verkehrsbauwerken wie Autobahnen oder Brücken soll deren Finanzierung sowie Erhalt gewährleistet werden.

Darüber hinaus bilden auch ökonomische Interessen eine Grundlage für die Einführung einer Straßenmaut. In Frankreich wurden die Wegzölle bereits 1955 eingeführt. Die Autobahnen sind mittlerweile weitgehend privatisiert.

Für deutsche Kraftfahrer ist die Autobahnmaut in Frankreich häufig ein Buch mit sieben Siegeln. In unserem Ratgeber informieren wir Sie daher darüber, wie in Frankreich die Maut erhoben wird, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen, wo es mautfreie Strecken gibt und was Sie beachten müssen, wenn Sie in Frankreich die Maut bezahlen möchten.

Die Maut in Frankreich für PKW und andere Fahrzeuge

Die Autobahn ist in Frankreich meist mit einer Maut belegt. Das sollten Sie im Urlaub beachten.

Die Autobahn ist in Frankreich meist mit einer Maut belegt. Das sollten Sie im Urlaub beachten.

Anders als in Österreich gibt es keine Autobahnvignette in Frankreich. Stattdessen muss nach jedem Streckenabschnitt die sogenannte péage am Mautschalter bezahlt werden. Der Grund dafür ist, dass das 11.000 Kilometer lange französische Streckennetz von elf verschiedenen Betreibergesellschaften verwaltet wird. Die Maut wird also nicht zentral erhoben.

Bereits im Jahr 1955 wurde die Maut in Frankreich für alle Pkw und andere Kfz per Gesetz beschlossen. Ziel war es, durch die Vergabe von Konzessionsverträgen eine private Finanzierung des Baus von Autobahnen zu gewährleisten. Obwohl heute noch einzelne Strecken im Staatsbesitz sind, wird ein Großteil der Autobahnen durch private Akteure betrieben.

Der größte Betreiber von mautpflichtigen Autobahnen ist das Unternehmen VINCI Autoroutes mit knapp 4.400 km. Die Tochtergesellschaft Cofiroute (Compagnie financière et industrielle des autoroutes) stellt dabei eine der ersten Betreibergesellschaften dar.

Sie wurde 1970 von gemeinsam von fünf Tiefbaukonzernen und zwei Banken (Société Générale und Paribas) gegründet und errichtete seitdem über 800 km Autobahn im Westen von Frankreich. Die Autobahnmaut diente zunächst der Gegenfinanzierung. Erst seit 1985 streicht das Unternehmen Gewinne ein.

Nicht nur für das Auto ist die Maut in Frankreich verpflichtend. Der Wegzoll wird für alle Fahrzeuge erhoben, welche einen mautpflichtigen Streckenabschnitt benutzen. Die jeweilige Mautklasse ist dann ausschlaggebend für den Preis.

Kosten für die Autobahn: Wie in Frankreich die Maut erhoben wird

Für Zahlung der Maut wird in Frankreich kein Pauschalbetrag erhoben, sondern jeder gefahrene Kilometer entsprechend abgerechnet. Fährt ein Fahrzeug auf eine mautpflichtige Autobahn auf, muss es eine Mautstation passieren. Dort erhält der Fahrer ein Ticket, welches beim Abfahren von der Autobahn wieder abgegeben werden muss. Dadurch wird die gefahrene Strecke ermittelt.

Wie hoch die Maut in Frankreich ist, hängt von zwei Faktoren ab. Den gefahrenen Kilometern und der Mautklasse.

In Frankreich wird in insgesamt fünf Klassen unterschieden:

  • Klasse 1 (leichte Fahrzeuge): Fahrzeuge und Gespanne mit maximaler Höhe von 2 Metern und zulässigem Gesamtgewicht unter 3,5 Tonnen (Zugfahrzeug), Fahrzeuge der Klasse 2, welche für den Transport von Behinderten umgerüstet sind
  • Klasse 2 (mittlere Fahrzeuge): Fahrzeuge und Gespanne mit maximaler Höhe zwischen 2 Metern und 3m und zulässigem Gesamtgewicht unter 3,5 Tonnen (Zugfahrzeug)
  • Klasse 3 (LKW und Busse mit zwei Achsen): Fahrzeuge mit 2 Achsen und einer Gesamthöhe von 3 Metern und mehr oder einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen
  • Klasse 4(LKW und Busse mit drei oder mehr Achsen): Fahrzeuge mit 3 und mehr Achsen und einer Höhe von mehr als 3 Metern oder einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen; Gespanne mit einer Höhe von mehr als 3m oder einem Zugfahrzeug mit mehr als 3,5 Tonnen
  • Klasse 5 (Krafträder): Motorräder (mit und ohne Beiwagen), Trikes

Abgerechnet werden jeweils die gefahrenen Kilometer. Dabei gibt es allerdings keinen festen Satz, der frankreichweit gilt. Damit ist die Höhe der Maut in Frankreich nicht einheitlich festgelegt. Es gibt günstige Abschnitte, welche 6 Euro pro 100 km und Strecken, welche sogar fast 21 Euro pro 100 km kosten. Im Durchschnitt fallen für einen Kilometer ca. 9 Cent an. Im Vorfeld lassen sich die Mautkosten auch online berechnen.

Es gibt auch mautfreie Autobahnen in Frankreich.

Es gibt auch mautfreie Autobahnen in Frankreich.

Mautfreie Autobahnen in Frankreich

Die Maut ist in Frankreich nicht flächendeckend eingeführt. So gibt es eine Vielzahl von Strecken, welche gebührenfrei befahren werden können. So ist historisch bedingt die Autobahnbenutzung im Elsass und in Lothringen weitgehend kostenfrei. Gleiches gilt für weite Teile der Bretagne.

Auch die Autoroute A75, welche zwischen Clermont-Ferrand und Montpellier verläuft, ist mautfrei. Einzig für die berühmte Brücke Viaduc de Millau muss ein Wegzoll auf der Strecke gezahlt werden.

Ohne Maut sind in Frankreich auch Autobahnen, welche durch Ballungszentren wie Paris führen oder als Umgehungstraßen geplant worden sind.

Wie bezahlt man die Maut in Frankreich?

Die Bezahlung der Maut erfolgt in Frankreich an den Mautstellen, den sogenannten stations de péage. Zur Verfügung stehen in der Regel Automaten oder Schalter, an denen das Personal die Mautgebühr entgegen nimmt. Der Betrag kann in bar oder per Kreditkarte (Visa, Mastercard oder Eurocars) gezahlt werden. Die Zahlung mit EC- bzw. Maestro-Karten ist dagegen nicht möglich. Eine weitere Zahlmethode stellt ein Chip, das sogenannte Télépéage, dar.

Viele Reisende, welche erstmals an einer Mautstelle stehen fragen sich: „Wie bezahle ich Maut in Frankreich?“. Dies ist in der Tat nicht ganz unkompliziert, denn es gibt Spuren zu verschiedenen Mautschaltern, in die sich Kraftfahrer je nach Fahrzeugklasse und Zahlmethode einreihen müssen. Entsprechende Schilder weisen den Weg.

Schilderwald: Mautbezahlen in Frankreich:

  • Schalterbeamter/grüner Pfeil: An diesem Schalter gibt es Personal, dass die Maut entgegen nimmt. Oftmals muss aber mit langen Wartezeiten gerechnet werden, da sich der Verkehr staut.
  • CB: Am Automatenschalter kann mit Kreditkarte gezahlt werden. EC- bzw. Maestro-Karten werden aber nicht akzeptiert. Beim CB-Schalter handelt es sich um die schnellste Variante.
  • Geld/Münzen: An diesem Schalter ist die Zahlung nur in bar möglich.
  • Münzen, die in einen Korb fallen: Die Barzahlung ist nur mit Münzen möglich.
  • Rotes Kreuz: Dieser Schalter ist geschlossen.
  • Spuren mit Balken in 2 Metern Höhe: Nur Fahrzeuge mit maximal 2 Metern höhe dürfen diesen Schalter nutzen.
  • Oranges „t“: Am Télépéage-Schalter erfolgt die Gebührenerfassung elektronisch. Vielfahrer und Touristen sparen dadurch Zeit und Geld. Die Maut wird per „Liber-t Box“ und Computerchip erfasst und direkt vom Konto des Kraftfahrers gebucht. Zur Datenübertragung werden Mikrowellen verwendet.

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1 Kommentar

  1. André sagt:

    Wir sind gestern durch Südfrankreich. Haben in den Stationen immer an den Reihen halt gemacht, die Bargeld akzeptierten. Dann auf einmal kamen keine Stationen mehr mit einem Schild für Bargeld. Wir waren völlig verunsichert und haben Blut und Wasser geschwitzt. Wir standen da. hinter uns eine Schlange Autos. Keine Umkehr. Also haben wir das Ticket eingesteckt und danach unsere Sparkassen EC-Karte (Maestro). Den roten Alarmknopf schon fast im Anschlag. Die Augen waren groß als die Schranke aufging. Das war Adrenalin Pur! Eine PIN war nicht nötig. Also Lastschrifteinzug ohne Unterschrift. Scheinbar haben die Mautbetreiber jetzt noch mehr Karten im Angebot?

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