Weidenkätzchen stehen unter Naturschutz: Was bei den Frühlingsboten gilt

Von Sandra, letzte Aktualisierung am: 27. September 2019

Weidenkätzchen sind geschützt

Weidenkätzchen selbst zu schneiden ist verboten.
Weidenkätzchen selbst zu schneiden ist verboten.

Ob im Gesteck zur Dekoration im eigenen Wohnzimmer oder zur Weihe am Palmsonntag in der katholischen Kirche Weidenkätzchen erfreuen sich großer Beliebtheit. Was viele jedoch nicht wissen ist, dass Weidenkätzchen unter Naturschutz stehen. Vor dem Aufblühen fühlen sich die Weidenkätzchen ganz weich und pelzig an. Bei den meisten Weiden erscheinen die Kätzchen noch vor dem Laubaustrieb. Die flauschigen Blüten sprießen so früh im Jahr, dass sie eine der ersten und daher oft auch einzigen Nahrungsquellen für Insekten in dieser Zeit sind. Zu den bekanntesten Vertretern ihrer Art gehören die Kätzchen der Sal-Weide (Salix caprea), aber es gibt noch andere Weiden-Arten und -Sorten mit samtigen Blütenständen, zum Beispiel Grau-Weiden (Salix cinerea) und Reif-Weiden (Salix daphnoides).

Was steht konkret zu Weidenkätzchen im Naturschutzgesetz? Und stehen Weidenkätzchen grundsätzlich unter Naturschutz oder gibt es Ausnahmen? Diese und weitere Fragen beantworten wir für Sie in unserem Ratgeber. Außerdem informieren wir Sie über mögliche Sanktionen, wenn es zur Missachtung geltender Vorschriften kommt.

FAQ: Weidenkätzchen

Was sind Weidenkätzchen?

Als Weidenkätzchen werden unterschiedliche Sträucher und Bäume bezeichnet: die Sal-Weide, die Grauen-Weiden und die Reif-Weiden.

Darf ich die Zweige von wilden Weidenkätzchen abschneiden?

Ja, allerdings nicht zwischen dem 01. März und dem 30. September. Während dieser Monate gilt eine sogenannte Schonzeit. Diese begründet sich darin, dass die Blüten der Pflanzen eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten wie Bienen und Hummeln sind.

Gibt es Ausnahmen von dieser Regelung?

Bezogen auf wild wachsende Weidenkätzchen gibt es keine Ausnahmen. Sie können die Zweige allerdings in Ihrem eigenen Garten schneiden. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Weidenkätzchen im Naturschutzgesetz: Schneiden verboten?

Weidenkätzchen stehen unter Naturschutz, wie viele andere Pflanzen auch.
Weidenkätzchen stehen unter Naturschutz, wie viele andere Pflanzen auch.

Vom ersten März bis zum 30. September heißt es in Deutschland gemäß Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG): Schonzeit für sämtliche Hecken, Gebüsche oder Bäume. Für die Durchführung von Gehölzschneidemaßnahmen aller Art ist somit sorgfältig zu prüfen, ob damit auf keinen Fall eine Fortpflanzungs- oder Ruhestätte von besonders geschützten Arten beeinträchtigt wird. Nahezu alle heimischen Vogelarten sowie Fledermäuse zählen u. a. zu diesen. Das Bundesnaturschutzgesetz dient demnach insbesondere dem Schutz von Tierarten, die zur Aufzucht ihrer Nachzucht auf Gehölze angewiesen sind. Auch das beliebte Weidenkätzchen steht unter Naturschutz und unterliegt der beschriebenen Regelung, die in § 39 BNatSchG festgehalten ist. Hier heißt es nämlich wie folgt:

(5) Es ist verboten,[…] 2. Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen;

Während sich der zitierte Gesetzesauszug nur auf den Zeitraum während der Schonzeit bezieht, gibt es auch eine Vorschrift, die sich auf das ganze Jahr bezieht. Hierbei ist davon die Rede, dass wildlebende Pflanzenarten in keinem Fall grundlos von ihrem natürlichen Standort entfernt oder für welche Zwecke auch immer genutzt werden dürfen. Eine Niederschlagung der Bestände herbeizuführen bzw. mutwillige Verwüstungen vorzunehmen ist ebenfalls untersagt.

Wann dürfen Sie Weidenkätzchen schneiden trotz Naturschutz?

Weidenkätzchen sind zwar geschützt, dürfen aber als Umrandung des Gartenteiches oder der Gartendusche selbst angepflanzt werden.
Weidenkätzchen sind zwar geschützt, dürfen aber als Umrandung des Gartenteiches oder der Gartendusche selbst angepflanzt werden.

Wer sich zur Osterzeit gerne einen Strauß aus Weidenkätzchen und anderen Frühblühern auf den Wohnzimmer- oder Küchentisch stellt, muss nicht zwangsläufig auf die Dekoration aus der Natur verzichten. Selbst schneiden dürfen Sie die Zweige jedoch nicht, denn bei Weidenkätzchen gilt beim Naturschutz keine Ausnahme.

Aber welche Alternativen gibt es, um auf die flauschigen Frühlingsboten nicht verzichten zu müssen? Eine Möglichkeit ist der käufliche Erwerb beim Blumenhändler, wo in den meisten Fällen sowohl einzelne Zweige als auch komplette Gestecke angeboten werden. Wer einen grünen Daumen hat, der kann auch selbst als Hobbygärtner aktiv werden. Im eigenen Garten sowie in Töpfen auf dem Balkon oder der Terrasse lassen sich Weidenkätzchen, die unter Naturschutz stehen im freien Gelände, nämlich relativ einfach kultivieren und sogar vermehren.

Entweder mittig auf der Rasenfläche oder in der Nähe des Gartenzauns als Wind- oder Sichtschutz kann die Weide angebaut werden. Sofern Sie links und rechts der entsprechenden Stelle bereits andere Pflanzen angesiedelt haben, ist auf einen ausreichenden Abstand zu achten, damit diese sich nicht gegenseitig im Wachstum einschränken. Ein geeigneter Pflanzabstand ist in diesem Fall etwa die Hälfte der Wuchsbreite. Welche Anforderungen der gewählte Standort erfüllen sollte, zeigt Ihnen folgende Liste:

  • sonnige bis halbschattige Lage
  • Sonnenlicht für mindestens vier Stunden pro Tag
  • wenn nicht genug Sonneneinstrahlung gegeben ist, dann bleibt die Blüte aus
  • Weidenkätzchen vertragen feuchte Standorte
  • bestens geeignet sind Weidenkätzchen zum Beispiel für die Umrandung des Gartenteiches
Was den Boden betrifft sollte die Gartenerde nicht zu kalkhaltig sein. Ein lehmiger Untergrund, der feucht und sauer ist, bietet den besten Nährboden für Weidenkätzchen. Wer hingegen keinen Garten hat und das Gewächs daher im Topf bzw. Kübel auf dem Balkon anpflanzen möchte, der kann auf einfache Kübelpflanzenerde oder spezielle Pflanzen- und Blumenerde zurückgreifen. Als Gefäß eignen sich feuchtigkeitsspeichernde Tontöpfe am besten. Das Fassungsvermögen sollte mindestens 40 Liter betragen und zusätzliche Tonscherben oder Kies unter die Erde zu heben ist ratsam.

Wenn bei Weidenkätzchen der Naturschutz greift – Strafe für Umweltsünder

In welchem Umfang Bußgelder bei Verstößen gegen § 39 verhängt werden können, ist in § 69 unter dem Titel “Bußgeldvorschriften” festgehalten. Nach der Einleitung “Ordnungswidrig handelt, wer…” sind sämtliche Handlungen aufgelistet, die mit Sanktionen belegt werden können. Im Wesentlichen geht es hierbei um die Beeinträchtigung, Verletzung oder im Falle von wildlebenden Tieren auch das Töten. Bei Pflanzenarten, die wie das Weidenkätzchen unter Naturschutz stehen, wird insbesondere auf das Verbot des Abschneidens und der Entnahme hingewiesen. Aber wie hoch sind die Bußgelder, wenn es zu den genannten Zuwiderhandlungen kommt? In § 69 Abs. 7 heißt es dazu wie folgt:

Die Ordnungswidrigkeit kann in den Fällen der Absätze 1 und 2, des Absatzes 3 Nummer 1 bis 6, 17a, 18, 21, 26 und 27 Buchstabe b, des Absatzes 4 Nummer 1 und 3 und der Absätze 5 und 6 mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro, in den übrigen Fällen mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro geahndet werden.

In Abs. 8 des gleichen Paragrafen wird ferner darauf verwiesen, dass die Höhe des Bußgeldes sowie das Festlegen weiterer gesetzeswidriger Handlungen Ländersache ist. Daher sollten Sie sich jeweils über die Bestimmungen innerhalb der einzelnen Bundesländer informieren, weil deutschlandweit nicht von einheitlichen Sanktionen auszugehen ist.

Konnten wir Ihnen weiterhelfen? Dann bewerten Sie uns bitte:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (94 Bewertungen, Durchschnitt: 4,30 von 5)
Loading...
Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

3 Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

  1. Valerie sagt:

    Wie ist das denn wenn die an einem Flusslauf abgeschnitten und gehäckselt werden. Gerade in diesem Moment steht hier bei uns neben dem Bürogebäude ein Unternehmen mit Steiger und Häcksler, das großzügig die Weidekätzchen abschneidet.

  2. dieter sagt:

    Ich hatte im Allgemeiner Anzeiger Thüringen 5. Jahrgang 10. Ausgabe 8. März 2019 http://www.meinanzeiger.de
    gelesen.
    Tipps gegen zu frühe Blüte
    Bin sehr wütend, denn ich weiß das sie unter strengsten Naturschutz stehen. Sie sind die erste Nahrung der Bienen und Insekten.
    Stirbt die Biene, stierbt wenige Jahre der Mensch. In China werden Bäume schon mit Hand bestäubt.
    In Erfurt wurden 600 Bäume wegen einer Gartenschau gefällt, die nur ein halbes Jahr dauert.
    Wie lange brauchen neu gepflanzte Bäume.?
    Nach uns wird sich die Natur wieder erholen.

    Viele Grüße Dieter

  3. T.L. sagt:

    Salweide Weidenkätzchen
    Wie kann es sein das diese Baumart überhaupt in den Handel gekommen ist. Diese geschützte Pflanzenart aus der Natur zu holenund grundlos zu nutzen ist in keinem Fall erlaubt. Auch eine vermehrung im privaten Bereich ist nicht erlaubt, siehe Artikel oben oder Bundesnaturschutzgesetz.
    Ihr wiedersprecht euch innerhalb dieses Artikels. Wie kann es sein das diese Baumart überhaupt in den Handel gekommen ist.

    Auch das beliebte Weidenkätzchen steht unter Naturschutz und unterliegt der beschriebenen Regelung, die in § 39 BNatSchG festgehalten ist. Hier heißt es nämlich wie folgt:

    (5) Es ist verboten,[…] 2. Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen;
    Das Bundesnaturschutzgesetz dient demnach insbesondere dem Schutz von Tierarten, die zur Aufzucht ihrer Nachzucht auf Gehölze angewiesen sind. Auch das beliebte Weidenkätzchen steht unter Naturschutz und unterliegt der beschriebenen Regelung, die in § 39 BNatSchG festgehalten ist. Hier heißt es nämlich wie folgt:
    Während sich der zitierte Gesetzesauszug nur auf den Zeitraum während der Schonzeit bezieht, gibt es auch eine Vorschrift, die sich auf das ganze Jahr bezieht.
    Hierbei ist davon die Rede, dass wildlebende Pflanzenarten in keinem Fall grundlos von ihrem natürlichen Standort entfernt oder für welche Zwecke auch immer genutzt werden dürfen.
    Ich würde mich freuen über eure Antwort zum Thema Weidenkätzchen im Handel. Meiner Ansicht nach ist der handel verboten und gehört bestraft, laut BundesnaturschutzGesetz macht man sich sogar strafbar wenn man davon weiß und es nicht meldet oder zu Anzeige bringt oder meldet.

Verfasse einen neuen Kommentar


Bußgeldkatalog als PDF
Der aktualisierte Newsletter 2019 vom VFR Verlag zum Download und Ausdrucken.
Jetzt kostenlos per E-Mail anfordern:
Mit dem Absenden akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.