Weidenkätzchen stehen unter Naturschutz: Was bei den Frühlingsboten gilt

Weidenkätzchen sind geschützt

Weidenkätzchen stehen unter Naturschutz, wie viele andere Pflanzen auch.

Weidenkätzchen stehen unter Naturschutz, wie viele andere Pflanzen auch.

Ob im Gesteck zur Dekoration im eigenen Wohnzimmer oder zur Weihe am Palmsonntag in der katholischen Kirche Weidenkätzchen erfreuen sich großer Beliebtheit. Was viele jedoch nicht wissen ist, dass Weidenkätzchen unter Naturschutz stehen. Vor dem Aufblühen fühlen sich die Weidenkätzchen ganz weich und pelzig an. Bei den meisten Weiden erscheinen die Kätzchen noch vor dem Laubaustrieb. Die flauschigen Blüten sprießen so früh im Jahr, dass sie eine der ersten und daher oft auch einzigen Nahrungsquellen für Insekten in dieser Zeit sind. Zu den bekanntesten Vertretern ihrer Art gehören die Kätzchen der Sal-Weide (Salix caprea), aber es gibt noch andere Weiden-Arten und -Sorten mit samtigen Blütenständen, zum Beispiel Grau-Weiden (Salix cinerea) und Reif-Weiden (Salix daphnoides).

Was steht konkret zu Weidenkätzchen im Naturschutzgesetz? Und stehen Weidenkätzchen grundsätzlich unter Naturschutz oder gibt es Ausnahmen? Diese und weitere Fragen beantworten wir für Sie in unserem Ratgeber. Außerdem informieren wir Sie über mögliche Sanktionen, wenn es zur Missachtung geltender Vorschriften kommt.

Weidenkätzchen im Naturschutzgesetz: Schneiden verboten?

Weidenkätzchen: Das Schneiden ist verboten.

Weidenkätzchen: Das Schneiden ist verboten.

Vom ersten März bis zum 30. September heißt es in Deutschland gemäß Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG): Schonzeit für sämtliche Hecken, Gebüsche oder Bäume. Für die Durchführung von Gehölzschneidemaßnahmen aller Art ist somit sorgfältig zu prüfen, ob damit auf keinen Fall eine Fortpflanzungs- oder Ruhestätte von besonders geschützten Arten beeinträchtigt wird. Nahezu alle heimischen Vogelarten sowie Fledermäuse zählen u. a. zu diesen. Das Bundesnaturschutzgesetz dient demnach insbesondere dem Schutz von Tierarten, die zur Aufzucht ihrer Nachzucht auf Gehölze angewiesen sind. Auch das beliebte Weidenkätzchen steht unter Naturschutz und unterliegt der beschriebenen Regelung, die in § 39 BNatSchG festgehalten ist. Hier heißt es nämlich wie folgt:

(5) Es ist verboten,[…] 2. Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen;

Während sich der zitierte Gesetzesauszug nur auf den Zeitraum während der Schonzeit bezieht, gibt es auch eine Vorschrift, die sich auf das ganze Jahr bezieht. Hierbei ist davon die Rede, dass wildlebende Pflanzenarten in keinem Fall grundlos von ihrem natürlichen Standort entfernt oder für welche Zwecke auch immer genutzt werden dürfen. Eine Niederschlagung der Bestände herbeizuführen bzw. mutwillige Verwüstungen vorzunehmen ist ebenfalls untersagt.

Wann dürfen Sie Weidenkätzchen schneiden trotz Naturschutz?

Weidenkätzchen sind zwar geschützt, dürfen aber als Umrandung des Gartenteiches oder der Gartendusche selbst angepflanzt werden.

Weidenkätzchen sind zwar geschützt, dürfen aber als Umrandung des Gartenteiches oder der Gartendusche selbst angepflanzt werden.

Wer sich zur Osterzeit gerne einen Strauß aus Weidenkätzchen und anderen Frühblühern auf den Wohnzimmer- oder Küchentisch stellt, muss nicht zwangsläufig auf die Dekoration aus der Natur verzichten. Selbst schneiden dürfen Sie die Zweige jedoch nicht, denn bei Weidenkätzchen gilt beim Naturschutz keine Ausnahme.

Aber welche Alternativen gibt es, um auf die flauschigen Frühlingsboten nicht verzichten zu müssen? Eine Möglichkeit ist der käufliche Erwerb beim Blumenhändler, wo in den meisten Fällen sowohl einzelne Zweige als auch komplette Gestecke angeboten werden. Wer einen grünen Daumen hat, der kann auch selbst als Hobbygärtner aktiv werden. Im eigenen Garten sowie in Töpfen auf dem Balkon oder der Terrasse lassen sich Weidenkätzchen, die unter Naturschutz stehen im freien Gelände, nämlich relativ einfach kultivieren und sogar vermehren.

Entweder mittig auf der Rasenfläche oder in der Nähe des Gartenzauns als Wind- oder Sichtschutz kann die Weide angebaut werden. Sofern Sie links und rechts der entsprechenden Stelle bereits andere Pflanzen angesiedelt haben, ist auf einen ausreichenden Abstand zu achten, damit diese sich nicht gegenseitig im Wachstum einschränken. Ein geeigneter Pflanzabstand ist in diesem Fall etwa die Hälfte der Wuchsbreite. Welche Anforderungen der gewählte Standort erfüllen sollte, zeigt Ihnen folgende Liste:

  • sonnige bis halbschattige Lage
  • Sonnenlicht für mindestens vier Stunden pro Tag
  • wenn nicht genug Sonneneinstrahlung gegeben ist, dann bleibt die Blüte aus
  • Weidenkätzchen vertragen feuchte Standorte
  • bestens geeignet sind Weidenkätzchen zum Beispiel für die Umrandung des Gartenteiches
  • Was den Boden betrifft sollte die Gartenerde nicht zu kalkhaltig sein. Ein lehmiger Untergrund, der feucht und sauer ist, bietet den besten Nährboden für Weidenkätzchen. Wer hingegen keinen Garten hat und das Gewächs daher im Topf bzw. Kübel auf dem Balkon anpflanzen möchte, der kann auf einfache Kübelpflanzenerde oder spezielle Pflanzen- und Blumenerde zurückgreifen. Als Gefäß eignen sich feuchtigkeitsspeichernde Tontöpfe am besten. Das Fassungsvermögen sollte mindestens 40 Liter betragen und zusätzliche Tonscherben oder Kies unter die Erde zu heben ist ratsam.

    Wenn bei Weidenkätzchen der Naturschutz greift – Strafe für Umweltsünder

    In welchem Umfang Bußgelder bei Verstößen gegen § 39 verhängt werden können, ist in § 69 unter dem Titel „Bußgeldvorschriften“ festgehalten. Nach der Einleitung „Ordnungswidrig handelt, wer…“ sind sämtliche Handlungen aufgelistet, die mit Sanktionen belegt werden können. Im Wesentlichen geht es hierbei um die Beeinträchtigung, Verletzung oder im Falle von wildlebenden Tieren auch das Töten. Bei Pflanzenarten, die wie das Weidenkätzchen unter Naturschutz stehen, wird insbesondere auf das Verbot des Abschneidens und der Entnahme hingewiesen. Aber wie hoch sind die Bußgelder, wenn es zu den genannten Zuwiderhandlungen kommt? In § 69 Abs. 7 heißt es dazu wie folgt:

    Die Ordnungswidrigkeit kann in den Fällen der Absätze 1 und 2, des Absatzes 3 Nummer 1 bis 6, 17a, 18, 21, 26 und 27 Buchstabe b, des Absatzes 4 Nummer 1 und 3 und der Absätze 5 und 6 mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro, in den übrigen Fällen mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro geahndet werden.

    In Abs. 8 des gleichen Paragrafen wird ferner darauf verwiesen, dass die Höhe des Bußgeldes sowie das Festlegen weiterer gesetzeswidriger Handlungen Ländersache ist. Daher sollten Sie sich jeweils über die Bestimmungen innerhalb der einzelnen Bundesländer informieren, weil deutschlandweit nicht von einheitlichen Sanktionen auszugehen ist.

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