Reifenpanne - Unfall & Verkehrsrecht 2018

Reifenpanne: Pannendienst rufen oder selbst Hand anlegen?

So reagieren Sie richtig bei einer Reifenpanne

Für eine Reifenpanne ist häufig ein platter Reifen verantwortlich.

Für eine Reifenpanne ist häufig ein platter Reifen verantwortlich.

Für viele Auto- und Lkw-Fahrer ist es der Alptraum schlechthin: Mitten in einer entspannten Fahrt macht das Fahrzeug einen Satz und das Lenkrad zieht plötzlich stark in eine Richtung.

Oft ist ein platter Reifen Schuld an dem unerwartet unkooperativen Verhalten des Kfz. Ob durch einen Reifenplatzer, einen Nagel im Autoreifen oder ein defektes Ventil: Eine Reifenpanne stellt die Coolness eines jeden Verkehrsteilnehmers auf die Probe.

Doch wie reagiert man richtig, wenn der Reifen platzt? Sollte ein Reifennotdienst die Autoreifen wechseln oder kann das jeder selbst bewerkstelligen? Und welches Verhalten ist allgemein bei einer Reifenpanne angebracht?

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie am besten mit Reifenpannen umgehen. Tipps und Tricks rund um den Reifenwechsel finden Sie hier ebenfalls.

Reifenpanne: Was tun? Die richtigen Verhaltensweisen

Das sich abrupt verändernde Fahrgefühl verführt viele überraschte Fahrer zu einem starken Abbremsen oder hektischen Lenkbewegungen. Dadurch können sie aber die Kontrolle über ihr Auto gänzlich verlieren und es kommt zu schweren Unfällen.

Ein Auto bleibt mit einem platten Reifen in der Regel ganz gut steuerbar. Daher gilt: Kühlen Kopf behalten und erst einmal weiter geradeaus steuern. Anschließend schalten Sie die Warnblinkanlage ein und fahren kontrolliert an den Straßenrand.

Ist eine Ausfahrt oder Raststätte in greifbarer Nähe, können Sie diese im Schritttempo erreichen.

Ereignet sich die Reifenpanne auf der Autobahn, sollten Sie auf den Standstreifen fahren.

Um sich selbst zu schützen und den restlichen Straßenverkehr zu warnen, sollten Sie anschließend eine Warnweste anlegen und das Warndreieck in angemessenem Abstand positionieren. So verhindern Sie, dass sich schlimme Folgeunfälle ereignen. Haben Sie sich und Ihre Mitfahrer in Sicherheit gebracht, stellt sich die Frage, wie die Panne behoben werden kann.

Den Autoreifen reparieren? Das Pannenset

Der Reifen ist platt, was nun?

Der Reifen ist platt, was nun?

Je nachdem, wie beschädigt der Reifen bei der Panne ist, können unterschiedliche Lösungsansätze zum Erfolg führen. Bei kleineren Rissen oder Perforierungen kann ein Reparaturset zur Hilfe kommen.

Das darin enthaltene Dichtmittel – etwa ein Reifen-Dichtspray – fixt die Pneus allerdings nur soweit, dass Sie vorsichtig eine kurze Strecke fahren können – etwa zur nächsten Werkstatt.

Das Set hat den Vorteil, bei einer Reifenpanne schnell zur Hand zu sein. Im Wagen nimmt es nur sehr wenig Platz in Anspruch. Bedenken Sie jedoch: Durch Ihr Eingreifen verhindern Sie bei Ihrem Autoreifen eine echte Reparatur. Das im Set enthaltene Dichtungsmittel führt dazu, dass das behandelte Rad in Deutschland nicht mehr instandgesetzt werden darf. Dies bestimmt die StVZO.

Ist der Autoreifen geplatzt, ist für den Pkw-Reifen keine Reparatur möglich. Ein Set bietet in diesem Fall keine Hilfe. Auch ein defektes Ventil kann dadurch nicht repariert werden.

Nach der Abdichtung des Reifens sollte er mithilfe eines Reifenfüllkompressors wieder aufgepumpt werden.

Ersatzreifen oder Notlaufreifen?

Es wird deutlich: Bei manchen Reifenpannen hilft kein Set weiter. Ist der Pneu zu sehr beschädigt – etwa, weil der Reifen geplatzt ist -, muss er ersetzt werden. Dabei sind zwei Optionen denkbar: Das Reserverad und das Notrad.

Mit einem Reserverad sind Fahrer im Prinzip perfekt ausgerüstet: Es handelt sich dabei um einen vollwertigen Autoreifen, welcher auf das jeweilige Auto abgestimmt ist. Im Falle einer Reifenpanne muss es lediglich anstelle des kaputten Reifens montiert werden und die Fahrt kann uneingeschränkt fortgeführt werden.

Allerdings sollten Sie auf den ersten Kilometern Vorsicht walten lassen und die nächste Tankstelle ansteuern: Ersatzräder weisen meist einen zu geringen Druck auf.

Allerdings nimmt ein Ersatzrad viel Platz im Auto ein. Befindet sich keine entsprechende Halterung unter dem Wagen, nimmt das Reserverad oft die Hälfte des Kofferraums ein.

Noträder für Pkw punkten im Vergleich mit einer geringeren Größe und einem leichteren Gewicht. Allerdings ist der Montageaufwand genauso hoch wie bei einem Ersatzreifen. Doch ein Notrad bietet nur eine zeitweilige Lösung: Fahrer dürfen nicht schneller als 80 km/h damit fahren und müssen sich schnellstmöglich um einen neuen Autoreifen als Ersatz für den Pannenreifen bemühen.

Geplatzte Reifen? Der Notdienst hilft bei der Reifenpanne

Fühlen Sie sich von einer Reifenpanne überfordert, können Sie einen Pannendienst kontaktieren. Hierfür können Sie verschiedene Anbieter im Internet vergleichen. Der bekannteste ist wohl der ADAC. Nach einem Anruf bei einem Pannenservice kommen Helfer schnellstmöglich zu Ihrem Standort, um die Panne zu beheben.

Ereignete sich die Panne an einer gefährlichen Stelle, kann es sein, dass Ihr Kfz zunächst zu einer Werkstatt abgeschleppt werden muss, bevor die Reifenpanne an sich repariert werden kann.

Jeder Pannendienst bietet unterschiedliche Dienstleistungen an. Es lohnt sich, einen ausgedehnten Vergleich anzustellen um herauszufinden, welcher Anbieter am besten zu Ihnen passt.

Selbst ist der Fahrer: Schritt für Schritt durch den Reifenwechsel nach einer Reifenpanne

Der Reifen ist geplatzt, was nun? Achten Sie beim Reifenwechsel auf die Hinweise in den Fahrzeugpapieren.

Der Reifen ist geplatzt, was nun? Achten Sie beim Reifenwechsel auf die Hinweise in den Fahrzeugpapieren.

Nicht jede Reifenpanne muss mit einem Griff zum Telefon begegnet werden. Befinden Sie sich nicht an einer gefährlichen Straßenstelle, können Sie den defekten Pneu auch ohne Pannendienst wechseln. Folgende Schritte sind dabei zu bedenken:

  1. Schalten Sie den Motor aus.
  2. Ziehen Sie die Handbremse an und legen Sie zusätzlich einen Gang ein.
  3. Legen Sie das Ersatzrad und die Werkzeuge bereit.
  4. Lösen Sie die Radmuttern des kaputten Rads ca. eine halbe Umdrehung.
  5. Setzen Sie den Wagenheber an und heben Ihr Kfz auf die passende Höhe.
    • Achten Sie dabei auf die Hinweise, welche auf den Aufklebern des Hebers stehen.
    • Sollte der Boden weich sein, stabilisieren Sie den Wagenheber durch ein untergelegtes Brett.
  6. Lösen Sie die Radmuttern komplett und montieren Sie das Ersatzrad.
  7. Ziehen Sie die Muttern mit der Hand fest.
  8. Lassen Sie den Wagen wieder herunter.
  9. Ziehen Sie die Muttern mit dem Radmutterschlüssel über Kreuz an.

Denken Sie daran, alle Werkzeuge und Ihr Warndreieck wieder einzusammeln und sicher zu verstauen, bevor Sie weiterfahren. Prüfen Sie den Luftdruck des neuen Reifens auf der nächsten Tankstelle. Nach ca. 50 bis 100 Kilometern sollten die Muttern nachgezogen werden.

Handelte es sich um einen vollwertigen Ersatzreifen, nicht um ein Notrad, sollten Sie schnellstmöglich für einen Ersatz sorgen. Ansonsten wird die nächste Reifenpanne deutlich schwieriger zu meistern.

Wie entsteht ein platter Autoreifen?

Eine Reifenpanne ereilt einen Autofahrer laut ADAC alle zehn Jahre. Statistisch gesehen wird demnach nahezu jeder Fahrer mindestens einmal mit einem „Platten“ konfrontiert. Doch wie kommt es eigentlich dazu? Das Wissen darüber, warum ein Reifen platzt oder Luft verliert, kann bei der Prävention helfen: Wenn Sie einige Punkte beachten, reduzieren Sie das Risiko einer Reifenpanne bei Ihrem Auto erheblich.

Defektes Ventil: Die Reifenpanne ist vorprogrammiert

Über das Reifenventil kann der Luftdruck des Reifens reguliert werden, indem Luft herausgelassen oder hineingepumpt wird. Jeder Autoreifen sollte mit einem bestimmten Druck befüllt sein, um optimal zu laufen.

Das Ventil stellt einen gewissen Schwachpunkt dar: An dieser Stelle ist das ansonsten geschlossene System des Reifens geöffnet. Es muss ist der Lage sein, den Überdruck aus dem Reifeninnern auszuhalten. Ein defektes Ventil führt also dazu, dass die Luft nach und nach entweichen kann.

Je nachdem, ob das Ventil schlicht undicht oder anderweitig defekt ist, kann es sein, dass die Luft nur unter Belastung bei höheren Geschwindigkeiten entweicht.

Dies äußert sich dadurch, dass der Wagen immer stärker in eine Richtung „zieht“.

Auch eine fehlende Ventilklappe kann zum selben luftleeren Ergebnis führen. Es lohnt sich daher, insbesondere vor längeren Fahrten, die Ventile und die Kappen zu überprüfen.

Eine Frage der Luft: Reifenpanne wegen zu geringem Druck

Entgegen der häufigen Annahme, platzt ein Autoreifen nicht, weil der Druck im Reifeninnern zu hoch ist. Im Gegenteil: Die Gefahr einer Reifenpanne ist bei zu geringem Druck deutlich höher. Bei hohen Geschwindigkeiten nutzt sich das Reifenprofil eines zu schlappen Reifens sehr schnell ab.

Dies passiert durch das sogenannte „Walken“: Die Form des Reifens verändert sich punktuell bei Belastung – durch die Rollbewegung kann dieser Effekt bei einem optimal befüllten Pneus abgefangen werden.

Ist allerdings zu wenig Luft im Reifen, ist die Deformation gerade bei einer erhöhten Geschwindigkeit größer als geplant. In Verbindung mit dem Reibungswiederstand führt dies zu einer Überhitzung der Pneus.

Erst ein Überdruck von 10 Bar führt bei aktuellen Reifen dazu, dass sie platzen. Dieser extrem hohe Berstdruck verhindert in der Regel, dass eine Reifenpanne aufgrund eines zu hohen Drucks erfolgt.

Risse und Beschädigungen

Zu wenig Druck kann zu einer Reifenpanne führen.

Zu wenig Druck kann zu einer Reifenpanne führen.

Ein hoher Bordstein, schlecht eingestellte Schneeketten oder Fremdkörper auf der Straße sind eine häufige Ursache für eine Reifenpanne. Beschädigungen oder winzige Risse in der empfindlichen Seitenflanke der Reifen führen dazu, dass Luft allmählich oder schlagartig entweichen kann.

Fahren Sie beim Parken im sehr spitzen Winkel auf einen Bordstein kann eine solche Abschleifung erfolgen. Die Schäden sind meist nicht von außen zu erkennen.

Ein häufiger Grund für eine Reifenpanne ist die Überalterung der Räder. Auch, wenn ein Auto nur selten bewegt wird, altert das Gummi des Reifens. Feine Risse und ein zunehmend sprödes Material sind die Folge.

UV-Einstrahlung beschleunigt den Alterungsprozess. Eine Werkstatt kann Ihnen bei der Beurteilung ihrere Räder behilflich sein.

Lange in der Sonne geparkt? Eine Reifenpanne kann folgen

Bleibt ein Auto mehrere Wochen lang in der Sonne stehen, kann es zu einer Deformation der Reifen kommen. Der Druck durch das Gewicht des Wagens wirkt in dieser Zeit konstant auf demselben Punkt des Pneus.

Beim späteren Fahren äußert sich die Verformung durch ein lauteres Fahrgeräusch und einem unrunden Fahrgefühl. Je nachdem, wie heiß die Außentemperatur ist, kann auch ein geplatzter Reifen die Konsequenz sein.

In vielen Fällen passt sich der Reifen nach einer gewissen Zeit im Fahrbetrieb wieder an – eine Reifenpanne ist dann abgewendet.

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2 Kommentare

  1. Udo sagt:

    Guten Tag ich habe heute bei der Polizei angerufen fragte nach wie es ist mit ein Notrad am PKW zu fahren ob ich damit auch Tage lang fahren kann ? Da ich gelesen habe nur 80 Km und zur nächsten Werkstatt
    Polizei habe ich als Antwort bekommen das ich mit dem Notrad auch hin und her fahren kann Beispiel Tage lang zum Einkaufen Spazierenfahren .. was ist nur Richtig

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Udo,

      mit einem Notrad sollten höchstens 80 km/h gefahren werden, das ist korrekt. In der Regel gilt, dass ein Notrad nicht länger benutzt werden sollte als nötig. Müssen jedoch vor der Reparatur kleine Fahrten unternommen werden, dann steht einer kurzzeitigen Nutzung im Regelfall nichts im Weg.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

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