Musik hören beim Fahrradfahren: Auch mit Kopfhörern erlaubt?

Bewusst mit dem Fahrrad fahren, um Unfälle zu vermeiden

Musik hören auf dem Fahrrad: Fahren Radfahrer ohne zu große Beeinträchtigung des Gehörs, ist dies erlaubt.

Musik hören auf dem Fahrrad: Fahren Radfahrer ohne zu große Beeinträchtigung des Gehörs, ist dies erlaubt.

Autofahrer haben für Radfahrer oft kein gutes Wort übrig. Immer wieder müssen sich letztere vorwerfen lassen, sie würden rücksichtslos fahren, die Verkehrsregeln nicht beachten und seien unaufmerksam. In puncto Aufmerksamkeit kühlt die Debatte nicht gerade ab, wenn sich zeigt, dass viele Personen Kopfhörer aufsetzen, auf dem Fahrrad laut Musik hören und dadurch Fehler begehen.

Doch darf man beim Fahrradfahren überhaupt Musik hören? Oder sieht das geltende Verkehrsrecht hier ein Bußgeld vor? Der vorliegende Ratgeber hat die passenden Antworten parat.

Sie erfahren hier nicht nur, welche verkehrsrechtlichen Konsequenzen es hat, wenn Sie Musik hören und beim Fahrradfahren nicht aufpassen. Sie werden auch dazu informiert, welche Folgen im Fall eines Verkehrsunfalls zu erwarten sind.

Musik hören auf dem Fahrrad: Die Rechtslage

Musik auf dem Fahrrad, durch Kopfhörer oder Lautsprecher schallend, kann für vergnügliches Fahren sorgen. Wie bei anderen sportlichen Betätigungen wirkt der richtige Rhythmus antreibend und lässt die Fahrzeit wie im Flug vergehen. Und tatsächlich ist es in diesem Fall nicht illegal, Musik zu hören. Beim Radfahren gilt jedoch die Richtlinie: Die Lautstärke muss so gewählt werden, dass die eigene Verkehrssicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet wird.

Wollen Sie also Musik hören, müssen Sie beim Fahrradfahren darauf achten, dass Ihr Gehör nicht zu sehr beeinträchtigt wird. Schon vor weit über 25 Jahren legte das Oberlandesgericht Köln fest, dass der Musikgenuss solange legal ist, wie diese Vorgabe erfüllt bleibt (Az. Ss 12/87). In dem damaligen Urteil ging es zwar noch um einen Walkman, die Rechtsprechung lässt sich aber auch auf heutige Geräte wie MP3-Player und Smartphones übertragen
Vergnügt Musik hören: Beim Fahrradfahren wie beim Autofahren ist das erlaubt, solange die Lautstärke angemessen bleibt.

Vergnügt Musik hören: Beim Fahrradfahren wie beim Autofahren ist das erlaubt, solange die Lautstärke angemessen bleibt.

Radfahrer können also auch Kopfhörer nutzen und beim Fahren fröhlich dem Musikgenuss frönen. So ist es auch bei Autofahrern. Kann jedoch dadurch die Sirene eines Kranken­wagens nicht mehr gehört werden, ist die Grenze der Legalität überschritten.

Wenn Sie Musik hören, sollten Sie beim Fahrradfahren also auch in der Lage dazu sein, das Klingeln anderer Radfahrer, Warnrufe und sonstige Fahrgeräusche naher Fahrzeuge wahrzunehmen. Nur so ist eine sichere Fahrt gewährleistet. Eine Behinderung durch Musik kann sonst ein Verwarngeld von 15 Euro durch die Polizei zur Folge haben.

Wenn Musik zum Unfall führt

Grundsätzlich stellt es also kein Problem dar, Musik zu Hören. Kommt es beim Fahrradfahren mit lauter musikalischer Untermalung jedoch zu einem Unfall, können Fahrradfahrer ein böses Erwachen erleben.

So ist es möglich, dass in solchen Fällen die Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld vollkommen verwirkt werden. Folgende Faktoren spielen dabei auch eine Rolle:

  • Bei Autos wird von einer generellen Betriebsgefahr ausgegangen. Doch kommt es dazu, dass Verkehrsteilnehmer Musik hören und dadurch beim Fahrradfahren einen besonders schweren Verstoß begehen, kann Ihnen trotzdem die volle Schuld zugesprochen werden.
  • Selbst wenn beim Autofahrer in einer solchen Unfallsituation eine Mitschuld festzustellen ist, können Schmerzensgeldansprüche komplett entfallen oder zumindest niedriger ausfallen.
Die Frage „Darf man auf dem Fahrrad Musik hören?“ lässt sich also durchaus bejahen. In bestimmten Situationen können sich je nach den Umständen jedoch Nachteile ergeben. Hier sollten Fahrradliebhaber behutsam und gewissenhaft entscheiden, bevor Sie den Lautstärkeregler der Kopfhörer zu weit drehen.

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8 Kommentare

  1. Gerhard F. sagt:

    Ich halte es für praxisfremd, dass bei den üblichen Lautstärken beim Musikhören das Klingelzeichen anderer Radfahrer noch wahrgenommen werden kann. Als Rennradfahrer erlebe ich es beim Überholen von anderen Radfahrern insbesondere auf Radwegen immer wieder, dass mein Klingelzeichen nicht gehört wird. Ich bin der Meinung, dass das Musikhören im Straßenverkehr generell verboten werden sollte. Wenn deswegen ein Unfall passiert, hilft es dem Unfallopfer wenig, dass der musikhörende Verursacher der Schuldige ist.

    • Luca C. sagt:

      Aus meinen Beobachtungen kann ich sagen;

      Wenn jemand langsam, aber musikhörend fährt, halte ich ihn für weniger gefährlich als Rennradfahrer, die ohne Tempominderung auf Fussgänger zuhalten und angeblich klingeln.

      Generell wäre mehr Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer der beste Weg. Auch muss nicht jeder Radweg für viel Geld gepflastert werden.

      Trennlinien, die gepflegt werden, würden schon vieles verbessern.

      • Faul sagt:

        Mir ist es schon sehr häufig passiert, dass Radrennfahrer skrupellos an mir vorbei rasen, ohne Rücksicht auf Verluste.
        Das sieht man auch bei diversen Radrennen, wie rücksichtslos, sie fahren. Kein Wunder, dass sich die tödlichen Unfälle häufen!

    • Passant sagt:

      Als ich das Wort „Rennradfahrer“ in diesem Kommentar lesen musste, war für mich alles hinfällig, was diese Person zu vermelden hatte. Es gibt keine rücksichtsloseren Verkehrsteilnehmer, als jene „Rennradfahrer“. Bin ich mit dme Rad unterwegs, habe ich es noch nie erlebt, dass eine solche Person geklingelt hatte, um zu überholen. (Wenn man sich die Räder anschaut, fragt man sich oft, wieso sowas überhaupt auf die Straße darf)

      Da ich oft mit dem Firmenwagen lange Strecken zurück legen muss, sehe ich oft solcher Verkehrsfrevler auf der Straße. Und ich habe Null-Toleranz, wenn jene auf der Straße fahren, wenn daneben ein ordentlicher Radweg existiert. Auch habe ich es schon erlebt, dass auf einer 25KM langen Strecke ein astreiner, geteerter Radweg vorhanden war (noch ganz neu und besser als die Straße) – und wo musste der tolle Rennradfahrer fahren? Richtig – auf der Straße. Es war eine Genugtuung für mich, als sich andere Autofahrer mit dem verbal angelegt haben.

      Gibt es keinen Radweg, habe ich nichts gegen Radfahrer auf der Straße – alles andere ist für mich vorsätzliche Verkehrsbehinderung.

      Zur Musik auf dem Rad: Warum nicht? Im Auto sitzt man doch auch sehr abgeschirmt und bekommt nicht jeden Laut mit. Ausserdem, wer vorausschauend fährt, der kann auch seine Musik geniessen. Und eine Sirene oder Hupe zu überhören, da gehört schon eine Menge dazu. Persönlich finde ich Radfahrer mit Kopfhörern besser, als jene, die Lautsprecher dabei haben und die Welt beschallen.

      Ich wäre eher dafür, Rennradfahrer zu verbieten – weitaus störender, als Musik!

  2. Passi sagt:

    Die Klingel muss auch laut genug sein das man sie hören kann und keine kleine o8/15 bitte(nach dem Motto habe eine und das reicht,nee laut Gesetz muss sie klar und laut genug sein)! Des weiteren sind die meisten Rennräder nicht für den Öffentlich Verkehr zugelassen da sie weder Beleuchtung noch Reflektoren haben! Und wenn man mit hoher Geschwindigkeit von weiten Klingelt, dann ist man eher da als manch anderer die Klingel wahr nimmt! Heißt man muss sie der Situation an Passen (vor raus schauendes Fahren)!

  3. Justine sagt:

    Ich bin selbst seltenst ohne Kopfhörer unterwegs und genieße es sehr, beim Radfahren Musik hören zu können.
    Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen, dass ich Radfahrer hinter mir oft schon vorm Klingeln wahrnehme. Ich bin mit meinem Stöpsel im Ohr eine deutlich geringere Gefahr als ältere Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit, betrunkene Fahrer oder Radfahrer, die sich beim Fahren unterhalten.

  4. peter sagt:

    Wie kommt es dass ein Fahrradfahrer seine Rechte (z.B. Schmerzensgeld) verwirkt wenn er Kopfhörer trägt da er „Zurufe und Fahrgeräusche“ wahrnehmen muss aber andererseits auf Verkehrsteilnehmer trifft die sich mit Akustikverglasung und hochwertigen Anlagen genau gegen sowas schützen?
    Wer entscheidet eigentlich nach einem Unfall ob die Musik zu laut war?
    Hoffen wir dass alle Verkehrsteilnehmer so rücksichtsvoll sind und lieber einmal zurückstecken anstatt einen Unfall zu riskieren oder heraufzubeschwören.

  5. Abdurrahman sagt:

    Also ich hab die Stöpsel fast immer im Ohr beim Radfahren außer ich vergesse sie aufzusetzen.
    Ich selbst fahre mit einem Fixie und das sehr schnell auf den Straßen, extra deshalb habe ich sehr stark eingestellte Bremsen,daher hatte ich bisher keine Probleme mit Menschen die mir Plötzlich auf dem Weg stehen oder Autos die derart langsam sind, das ich sie locker überhole.
    Mich stören insbesondere Menschen auf dem Fahrradweg die rücksichtslos Rumlatschen, Radfahrer, die nicht auf gerader Linie fahren, bei denen es so aussieht als würden sie bald umkippen, da sie meist dazu auch sehr langsam fahren und zu guter Letzt Autofahrer, die sich auch wie viele Fahrradfahrer nicht an Gesetzte halten, daß heißt, dass sie nicht blinken, beispielsweise wenn ich auf der Hauptstraße bin, sie aus der Nebenstraße ohne auf mich zu warten einbiegen. I kam sogar einmal fast dazu das gegen des Autos solch eines Fahrers zu treten u.s.w.
    Ich finde Fahrrad sollte man nur auf der Straße fahren wenn man es auch kann. Ich mein wir sind nicht irgendwo im Park wo man sich noch so im Kreis drehen kann.

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