Ist eine Erdgas-Umrüstung wirklich so umweltfreundlich und wann lohnt sie sich?

Von Julia, letzte Aktualisierung am: 1. Juli 2019

Auto umrüsten: Auf Erdgas fahren Kraftfahrzeuge umweltfreundlicher

Vor einer Erdgas-Umrüstung gilt es Vor- und Nachteile entsprechend abzuwägen.

Vor einer Erdgas-Umrüstung gilt es Vor- und Nachteile entsprechend abzuwägen.

PKW-Maut, Dieselfahrverbote, Umweltzonen: In Deutschland wird über etliche Wege versucht, dem Klimawandel zumindest ein wenig entgegenzuwirken. Eine Möglichkeit, seinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, ist die Erdgas-Umrüstung Ihres Autos. Diese lohnt sich allerdings nicht für jeden Autofahrer, da die Umrüstung auf Erdgas mit hohen Kosten verbunden ist und in bestimmten Bereichen die Bewegungsfreiheit mit dem eigenen Gefährt einschränkt.

Hier lesen sie alles zum Thema Erdgas-Umrüstung: Welche Kosten dabei auf Sie zukommen, was beim Umbau genau gemacht wird und welche Vor- und Nachteile dieser mit sich bringt. Außerdem erfahren Sie, was Sie nach dem Erdgas-Umbau tanken müssen und welche Fördermöglichkeiten es für die Umrüstung gibt.

Das passiert bei der Erdgas-Umrüstung in der Werkstatt

Erdgas ist nicht das gleiche wie Autogas. Erdgas tritt – wie der Name schon sagt – unter der Erde auf. Es besteht hauptsächlich aus Methan, welches hochentzündlich ist. Andere Bestandteile können je nach Lagerstätte hinzukommen. Nach einer Erdgas-Umrüstung tanken Sie tatsächlich Gas. Der Kraftstoff wird zwar stark komprimiert, aber bleibt dennoch gasförmig. Erdgas wird daher mit CNG für „Compressed Natural Gas“ abgekürzt.

Vor dem Erdgas-Umbau wird eine Abgassonderuntersuchung durchgeführt.

Vor dem Erdgas-Umbau wird eine Abgassonderuntersuchung durchgeführt.

Autogas hingegen besteht zum größten Teil aus Propan und Butan und ist ein Nebenprodukt der Erdgas-Gewinnung. Die beiden Stoffe bleiben aber nicht in Form von Gas erhalten, sondern werden stark abgekühlt und verflüssigt. Die Temperatur und der entsprechende Druck werden auch in der Zapfsäule gehalten, damit sich der Aggregatzustand nicht wieder verändert. Dadurch tanken Sie mit Autogas einen flüssigen Kraftstoff. Die Abkürzung für Autogas ist meist LPG (Liquefied Petroleum Gas) oder auch NGL für Natural Gas Liquids.

Vor der Erdgas-Umrüstung wird das Auto einer Abgassonderuntersuchung unterzogen. Damit der Kraftstoff gelagert werden kann, werden ein oder mehrere Gastanks benötigt. Diese erhalten die nötigen Ventile und die Verbindung zum Motor.

Die Erdgastanks werden zumeist hinter der Rückbank im Kofferraum verbaut oder am Fahrzeugboden. Diese haben laut einiger Hersteller rund 20 Jahre Lebenszeit zu erwarten.

Wird die CNG-Umrüstung in einem Fachbetrieb durchgeführt, achten die Kfz-Mechaniker zumeist darauf, Bauteile zu verwenden, welche bereits ein ECE-Zeichen besitzen. Diese müssen vor der anschließenden Abnahme nicht gesondert genehmigt werden. Die Kollegen vom Technischen Überwachungsverein (TÜV) und der DEKRA führen die Abnahme durch. Im Anschluss folgt eine Gassystemeinbauprüfung (GSP) durch einen Sachverständigen. Die Erdgas-Umrüstung erfolgt also nach diesem Schema:

  • Abgassonderuntersuchung
  • Erdgasumbau des PKW
  • Abnahme
  • GSP
Gut zu wissen: In den allermeisten Fällen werden Autos bei einer Erdgas-Umrüstung bivalent ausgerüstet. Das heißt, dass Benziner nach dem Umbau sowohl mit CNG, als auch mit Benzin betrieben werden können.

Auto auf Erdgas umrüsten: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Ihr Auto soll auf Erdgas laufen? Die Umrüstung löst hohe Kosten aus, welche sich meist erst nach Jahren amortisieren.

Ihr Auto soll auf Erdgas laufen? Die Umrüstung löst hohe Kosten aus, welche sich meist erst nach Jahren amortisieren.

So eine Erdgas-Umrüstung ist kein kleiner „Eingriff“. Dieser sollte in einer Fachwerkstatt durchgeführt werden, da Sie unter Umständen Probleme bei der Betriebserlaubnis in Deutschland bekommen könnten, wenn Sie Ihr Fahrzeug beispielsweise im Ausland umrüsten lassen. Denn die Gasanlage, die in der jeweiligen Werkstatt verwendet wird, muss eine EU-Zulassung haben, welche sie in nicht in jedem Land erhält.

Beim Erdgas-Umbau am Auto hängen die Kosten von der Werkstatt ab, die Sie mit der Umrüstung beauftragen, daneben natürlich vom Modell des PKW und der Größe der Erdgastanks. Grob geschätzt kostet die Erdgas-Umrüstung zwischen 3.500 und 4.500 Euro. Dazu kommen die Gebühren für die GSP, die sich auf feste 100 Euro belaufen.

Um bei der Erdgas-Umrüstung auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie wenn möglich auf folgende Punkte achten:

  • Lassen Sie den Umbau in einer Werkstatt durchführen, in der Sie die Qualifizierung der Mechaniker an Hand von Zertifikaten erkennen können. Für die Erdgas-Umrüstung bietet sich eine GAP-Schulung (Gasanlagenprüfschulung) an.
  • Die verbaute Gasanlage sollte nach ECE-R-115 zugelassen sein
  • Achtung: Bei der Erdgas-Umrüstung erlischt in aller Regel die Herstellergarantie für Sachmängel! Eine Zusatzversicherung kann hier Abhilfe schaffen.
Nach dem Umbau sollten Sie außerdem unverzüglich die Kfz-Zulassungsbehörde darüber informieren, weil dann ein entsprechender Eintrag in die Fahrzeugpapiere erfolgen muss.

Erdgas-Umrüstung: Eine Förderung kann Sie finanziell unterstützen

Gasversorgungsunternehmen unterstützen die Erdgas-Umrüstung zum Teil mit hohen Beiträgen von mehreren Hundert Euro oder Tankgutscheinen. So soll ein Anreiz geschaffen werden, etwas für die Umwelt zu tun und auf den alternativen Kraftstoff umzusteigen. Voraussetzung für die Förderung ist meist lediglich die Neuzulassung eines Erdgas-Fahrzeuges oder die erstmalige Erdgas-Umrüstung. Einige Stromanbieter ermöglichen die Finanzspritze sogar für mehrere private Autos und Firmenfahrzeuge einer Person. Für genaue Informationen wenden Sie sich bitte an Ihren jeweiligen Stromanbieter.

Daneben ist die Kfz-Steuer für erdgasbetriebene Fahrzeuge deutlich niedriger. Die Preise für CNG an den Tankstellen unterscheiden sich zudem stark von denen für Diesel oder Benzin. Er liegt in Abhängigkeit von der Uhrzeit und dem Wochentag ungefähr zwischen 1,10 Euro und 1,20 Euro.

Lässt sich ein Diesel-Auto auf Erdgas umrüsten?

PKW: Die Umrüstung auf Erdgas ist bei Dieseln meist nicht möglich.

PKW: Die Umrüstung auf Erdgas ist bei Dieseln meist nicht möglich.

In der Theorie ist es durchaus möglich, den Erdgas-Umbau bei einem Diesel-Auto durchzuführen. In der Praxis jedoch ist das nicht nur mit sehr hohem Aufwand verbunden, sondern löst auch sehr viel höhere Kosten aus. Weil Benzin-Motoren in Autos, sich nicht wie die in Diesel-Fahrzeugen selbst entzünden, sondern dafür Zündkerzen besitzen, lassen sich Benziner leichter auf Erdgas umrüsten. Es muss schlicht eine weitere Zündkerze eingebaut werden.

Diesel-Motoren benötigen keine Zündkerzen. Über die Verdichtung angesaugter Luft, welche über Ventile zugeführt wird, entsteht ein Unterdruck. Dieser erzeugt eine starke Hitze von bis zu 900 Grad Celsius. Beim Einspritzen von Diesel entzündet sich das Gemisch und verbrennt. Der entstandene Druck versetzt die entsprechenden Kolben und damit das Auto in Bewegung.

Nach einer Erdgas-Umrüstung ist das Prinzip das gleiche, wie bei Autos mit Benzin-Motoren: Das Gemisch entsteht auf ähnliche Weise nur dass die Luft nicht so stark verdichtet wird. Hier ist ein Funke nötig, um das Benzin-Luft-Gemisch zu entzünden. Daher benötigt ein Auto nach einer Erdgas-Umrüstung eine oder mehrere Zündkerzen.

Die Suche nach einer Werkstatt für diese komplizierte Erdgas-Umrüstung könnte sich als sehr schwer, wenn nicht gar aussichtslos erweisen. Durchgeführt wird dieser Umbau meist nur bei öffentlichen Verkehrsmitteln, die voraussichtlich noch viele Jahre im Einsatz sind. Bei einigen motivierten Bastlern gäbe es vielleicht eine Chance, die Erdgas-Umrüstung an einem Diesel durchführen zu lassen.

Wie sauber ist das Auto nach der Erdgas-Umrüstung?

Damit Sie Ihr Auto auf umweltfreundlicheres Erdgas umrüsten können, bieten einige Stromversorger eine Förderung an.

Damit Sie Ihr Auto auf umweltfreundlicheres Erdgas umrüsten können, bieten einige Stromversorger eine Förderung an.

Die Erdgas-Umrüstung tut einiges für die Umwelt. Der Ausstoß an Kohlenstoffdioxid ist weitaus geringer als bei diesel- oder benzinbetriebenen Fahrzeugen, weil der Kraftstoff sehr viel weniger Kohlenstoffatome enthält. In Verbrennungsmotoren wird eine Vielzahl dieser freigesetzt, bei Erdgasfahrzeugen gelangt bis zu 25 Prozent weniger CO2 in die Luft. Dennoch ist das Gas nicht emissionsfrei, denn auch das im CNG enthaltene Methan fördert den Treibhauseffekt.

Davon abgesehen muss das Erdgas erst einmal gefördert werden. Die Vorgänge dabei können zum Teil als moralisch bedenklich eingestuft werden. CNG tritt meist in der Nähe von Erdöl auf, weshalb dieses direkt abtransportiert werden muss, um an das wertvolle Öl zu gelangen.

Häufig wird das austretende Gas allerdings einfach verbrannt, anstatt es als Energiequelle zu nutzen. Wird es hingegen sachgemäß gefördert, folgt der Transport des Gases. Deutschland erhält Erdgas vor allem aus den Niederlanden und über die Nord Stream-Pipeline aus Russland. Auch die Überführung von Erdgas auf dem Schiff ist möglich, welche wiederum Auswirkungen auf die Ökobilanz hat. Tatsächlich gibt es auch Erdgas-Vorkommen in der Nordsee.

Das Tanken nach der Erdgas-Umrüstung

Nach der Erdgas-Umrüstung benötigt Ihr PKW CNG an der Tankstelle.

Nach der Erdgas-Umrüstung benötigt Ihr PKW CNG an der Tankstelle.

Hat das Gas die Tankstelle erreicht und haben Sie Ihr Auto einer Erdgas-Umrüstung unterzogen, müssen Sie früher oder später CNG tanken, wenn Sie von dem neuen günstigen Kraftstoff profitieren wollen. Das Versorgungsnetz an Erdgastankstellen, die CNG anbieten, ist in Deutschland bisher nicht sehr groß, worin ein entscheidender Nachteil liegt. Derzeit gibt es rund 850 Tankstellen, die CNG hierzulande anbieten.

Wollen Sie nach der Erdgas-Umrüstung tanken, finden Sie – je nachdem wo Sie in Deutschland unterwegs sind – die Bezeichnung L oder H an der Zapfsäule. In aller Regel können beide Erdgasarten verwendet werden. Der Unterschied liegt in dem Heizwert, der bei H-Gas (High-Gas) höher liegt als bei L-Gas (Low-Gas). Dadurch hat H-Erdgas eine höhere Reichweite als L-Gas und ist dementsprechend etwas teurer.

Vor- und Nachteile der Erdgas-Umrüstung Ihres PKW – für wen lohnt sich der Umbau?

Vor­teileNach­teile
för­derungs­fähig: Strom­anbieter und ei­nige Ver­sicherer ge­währen Zu­schüsse und Ver­günsti­gungenrei­ne Erd­gas­autos ha­ben eine ge­ringe Reich­weite
ge­ringe Kos­ten beim Tan­ken, wenn haupt­sächlich Erd­gas zum Fahr­en ge­nutzt wirdkein flächen­decken­des Netz an Tank­stellen
Er­spar­nis bei der Kfz-Steu­erPlatz im Koffer­raum ver­ringert
Re­duzie­rung des Aus­stoßes von Koh­lenstoff­dioxid um bis zu 25 %
Übrigens besteht in der Regel kein Risiko einer Explosion des Wagens nach einer Erdgas-Umrüstung, nicht einmal bei einem Fahrzeugbrand. Die entsprechenden Ventile sorgen für ein kontrolliertes Entweichen und Verbrennen des Gases im Ernstfall.

Grundsätzlich lohnt sich die Erdgas-Umrüstung für Vielfahrer. Da die Kosten im mittleren dreistelligen Bereich liegen, müssen Sie das Auto oft nutzen, damit sich diese rentieren und sich der Umbau lohnt. Für Fahrzeuge, welche lediglich am Wochenende genutzt werden, empfiehlt sich die Erdgas-Umrüstung eher nicht.

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