Epidemie: Das vermehrte Auftreten von Krankheitsfällen

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 28. Mai 2020

Wann es sich um eine Epidemie handelt, ist wissenschaftlich bestimmt

Epidemie: Die Bedeutung des Krankheitsausbruchs bleibt örtlich begrenzt.
Epidemie: Die Bedeutung des Krankheitsausbruchs bleibt örtlich begrenzt.

Vor der derzeitigen Coronakrise haben sich wohl eher wenige mit den Themen „Epidemie“ oder „Pandemie“ beschäftigt. Die jährliche Grippewelle oder ein Ausbruch der Masern sind zwar immer wieder Mittelpunkt der Berichterstattung oder der öffentlichen Debatten. Dass es sich dabei unter Umständen auch um Epidemien handeln kann, hat aber kaum jemand auf dem Schirm. Was heißt „Epidemie“ eigentlichen und welche Bedeutung hat eine solche in Bezug auf das Alltagsgeschehen?

Der folgende Ratgeber geht näher darauf auf diese Fragen ein und betrachtet zudem auch, was bei einer Epidemie den Unterschied zu einer Pandemie ausmacht. Des Weiteren betrachtet er, welche rechtliche Grundlage für Maßnahmen bei einer Epidemie bestehen und ob es ein Epidemiegesetz gibt.

FAQ: Epidemie

Was sind Epidemien?

Unter eine Epidemie ist in der Regel ein regional begrenztes vermehrtes Auftreten einer Krankheit in einer bestimmten Anzahl der Bevölkerung zu verstehen. Ein solcher Ausbruch ist in Deutschland im Rahmen des Infektionsschutzes dem Gesundheitsamt zu melden.

Was ist der Unterschied zwischen Epidemie und Pandemie?

Während eine Epidemie regional begrenzt ist, betrifft eine Pandemie in der Regel mehrere Länder bzw. Kontinente. Üblicherweise ist eine Pandemie ein weltweites Geschehen, das eine große Anzahl an Menschen betrifft.

Wird eine Epidemie nur durch Infektionskrankheiten ausgelöst?

Eine Epidemie kann durch die verschiedensten Auslöser entstehen und ist nicht auf Infektionskrankheiten beschränkt. Welche Krankheiten beispielsweise oftmals eine Epidemie auslösen können, erfahren Sie hier.

Was ist eine Epidemie? Eine Definition

Epidemie: Eine Erklärung für einen Ausbruch können Viren darstellen.
Epidemie: Eine Erklärung für einen Ausbruch können Viren darstellen.

Das Wort Epidemie an sich entstammt dem Altgriechischen. „Epi“ heißt in etwas so viel wie „auf, bei, dazu“. „Demie“ leitet sich von „demos“ ab, was übersetzt „Volk“ bedeutet. Im Prinzip beschreibt es also etwas, dass im Volk geschieht und sich auf ein Krankheitsgeschehen bezieht. Angewendet wird der Begriff in der Regel dann, wenn viele Menschen an einem Ort oder einer Region zu einem bestimmten Zeitpunkt an derselben Krankheit erkranken.

Im Allgemeinen wenden Menschen die Bezeichnung für einen Ausbruch von Infektionskrankheiten an und umgangssprachlich hat sich für Epidemien diese Definition ebenfalls etabliert. So ganz richtig ist dies allerdings nicht. Denn alle Krankheiten haben das Potential zu einer Epidemie zu werden. So sind sowohl Bakterien als auch Viren möglich Auslöser, aber auch eine Lebensmittelvergiftung, die viele Personen betrifft, kann als Epidemie betrachtet werden.

Die Epidemiologie als wissenschaftliche Disziplin befasst sich sowohl mit den Ursachen als auch mit den Folgen eines Krankheitsausbruchs in der Bevölkerung. Im Allgemeinen betrachten Epidemiologen ein Krankheitsgeschehen in einer Region in einem bestimmten Zeitraum. Steigt in diesem die Zahl der Krankheitsfälle in einer bestimmten Geschwindigkeit, gehen sie von einer Epidemie aus. In Deutschland wird üblicherweise dann bereits von einer Epidemie gesprochen, wenn in einer Region zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung erkrankt sind.

Was bedeutete eine Epidemie rechtlich gesehen?

Um Epidemien oder Pandemien vorbeugen oder bekämpfen zu können, hat der Gesetzgeber verschiedene Möglichkeiten geschaffen. Die wichtigste rechtliche Grundlage für eine Vorsorge bzw. für notwendige Maßnahmen bildet das Infektionsschutzgesetz (IfSG). Ein bundeseinheitliches Epidemiegesetz gibt es in Deutschland nicht. Das Infektionsschutzgesetz bildet die Basis für das Vorgehen bei einem epidemiologischen Geschehen. Bereits in § 1 IfSG ist definiert, welche Aufgabe das Gesetz hat:

(1) Zweck des Gesetzes ist es, übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern.

(2) Die hierfür notwendige Mitwirkung und Zusammenarbeit von Behörden des Bundes, der Länder und der Kommunen, Ärzten, Tierärzten, Krankenhäusern, wissenschaftlichen Einrichtungen sowie sonstigen Beteiligten soll entsprechend dem jeweiligen Stand der medizinischen und epidemiologischen Wissenschaft und Technik gestaltet und unterstützt werden.

Bei einer Epidemie kann das Gesundheitsamt Maßnahmen wie eine Maskenpflicht anordnen.
Bei einer Epidemie kann das Gesundheitsamt Maßnahmen wie eine Maskenpflicht anordnen.

Im Rahmen der hier enthaltenen Vorschriften soll eine Epidemie durch Vorsorge verhindert oder durch entsprechende Maßnahmen eingedämmt werden. Gängige Schritte zur Vorsorge umfassen zum Beispiel die Meldepflicht von bestimmten Krankheiten bzw. Ausbrüchen, Impfungen, Hygienevorschriften für die unterschiedlichsten Berufsfelder oder auch Verhaltensempfehlungen in Zeiten, in denen eine Epidemie wahrscheinlich ist. Letzteres kann beispielsweise der Hinweis auf eine Nies-Etikette oder auf das häufigere Händewaschen während Influenzawellen beinhalten. Auch das Aufstellen eines Pandemieplans zählt zu diesen Schritten.

Drastischere Maßnahmen, die von den Behörden, wie dem Gesundheitsamt, oder durch Rechtsverordnungen der Bundesländer erfolgen können, können neben einer Quarantäneanordnung auch die Schließung von Einrichtungen oder das Verhängen eines Kontaktverbotes beinhalten.  Rechtlich geregelt sind solche Maßnahmen außerhalb der Rechtsverordnungen unter anderem in § 16 bzw. § 28 IfSG.

Eine Missachtung der Auflagen oder Verordnungen kann je nach Bundesland und Schwere des Verstoßes unterschiedliche hohe Bußgelder oder auch weitere Sanktionen mit sich bringen. Wer fahrlässige oder vorsätzlich zur Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit beiträgt bzw. die Eindämmung einer Epidemie verhindert, muss mit Geld- oder Freiheitsstrafen rechnen.

Epidemie oder Pandemie: Wo liegt der Unterschied?

Das Infektionsschutzgesetz unterscheidet nicht direkt zwischen einer Epidemie und einer Pandemie. Es geht in der Regel von einem epidemiologischen Geschehen aus, welches auf beide Ausbreitungsformen anwendbar ist. Ist ein Krankheitsausbruch regional begrenzt, handelt es sich um eine örtliche Epidemie. Damit ist auch schon der größte Unterschied zu einer Pandemie benannt. In diesem Fall tritt das Krankheitsgeschehen nicht mehr regional begrenzt auf, sondern ist weltweit zu beobachten.

Schutz vor einer Epidemie: Als Vorsorge können unter anderem Impfungen dienen.
Schutz vor einer Epidemie: Als Vorsorge können unter anderem Impfungen dienen.

Die Coronakrise ist das aktuellste Beispiel für eine solche Pandemie. Die durch einen Virus ausgelöste Infektion breitet sich in Schritten erst über Kontinente und dann weltweit aus. Ab wann genau von einer Pandemie ausgegangen wird, hängt unter anderem von der Geschwindigkeit der Verbreitung und der Anzahl der Betroffenen ab.

Von einer Pandemie sind gemäß der Definition sehr viele Menschen betroffen. Die weitere Ausbreitung eines gefährlichen Erregers oder Giftstoffes kann wie schon zuvor beschrieben auch hier durch besondere Maßnahmen verhindert oder eingedämmt werden.

Epidemie: Welche Krankheiten eine solche auslösen können?

Wie bereits erwähnt, ist eine Epidemie nicht allein auf Infektionskrankheiten beschränkt. In der Regel werden sie jedoch durch diese ausgelöst. Es ist eher selten, dass eine Vergiftung oder Umwelteinflüssen zu einem solchen Krankheitsgeschehen führen, allerdings ist dies nicht unwahrscheinlich.

Üblicherweise sind jedoch Erreger für den Ausbruch einer Epidemie verantwortlich. Durch Tröpfchenübertragung oder durch eine Übertragung per Luft können sich diese oftmals relativ schnell in der Bevölkerung verbreiten. Je nach Ansteckungsgrad geschieht dies in verschiedenen Geschwindigkeiten.

Zu den bekanntesten Krankheiten, die Epidemien auslösen, zählen unter anderem:

  • Ebola
  • Dengue
  • Cholera
  • Typhus
  • Pest
  • Polio
  • HIV/AIDS
  • verschiedenen Grippearten

Auch die Masern und Windpocken gehören zu den Krankheiten, die derzeit wieder häufiger in Form von epidemiologischen Geschehen auftreten.

Quellen und weiterführende Links

Bildnachweise: depositphotos,com/sdecoret (Header), depositphotos.com/sdecoret (Vorschaubild), istockphoto.com/mjbs, depositphotos.com/@ AntonDzyna, depositphotos.com/sky_dog, fotolia.com/© Cozyta

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