Das rote Kennzeichen für Händler im Detail

Alles über rote Nummernschilder

Ein Rotes Kennzeichen ist in der EU gültig.

Ein Rotes Kennzeichen ist in der EU gültig.

Beim Autoverkauf fällt öfter der Satz: „Der Transport ist kein Problem, ein Bekannter gibt mir sein rotes Kennzeichen“. Im Volksmund sind die roten Nummernschilder zum Synonym für Überführungkennzeichen geworden.

Viele private Autoverkäufer sind froh, das eigene Kfz endlich verkauft zu haben. Der anschließende Transport soll lediglich reibungslos über die Bühne laufen und liegt in der Verantwortung des Käufers. Doch wie sieht es aus, wenn Sie auf der anderen Seite des Kaufvertrages stehen?

Haben Sie ein neues Kfz erworben und wollen dieses nach Hause überführen, benötigen Sie eine passende Zulassung. Geschieht der Transport innerhalb Deutschlands ist dies ein Kurzzeitkennzeichen. Viele Privatpersonen gehen jedoch davon aus, eine rote Nummer könne diese Rolle übernehmen. Dies ist allerdings nicht legal. Das besondere Kennzeichen ist für gewerbliche Verkäufer reserviert. Privatpersonen dürfen mit einem solchen nicht alleine fahren. Auch bekommt nicht jeder gewerbliche Verkäufer ein rotes Nummernschild.

Dieser Artikel erklärt Ihnen die gesetzlichen Grundlagen für das rote Kfz-Kennzeichen. Welche Kosten auf Sie zukommen, wie Sie es richtig beantragen und weitere allgemeine Informationen, erfahren Sie ebenfalls im folgenden Ratgeber.


Die neue Fahrzeug-Zulassungsverordnung

Die Bestimmungen für die roten Kennzeichen sind seit 2007 in der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) festgehalten. Zuvor regelte die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung die Erteilung der begehrten Nummernschilder. Gemäß § 16 FZV gilt:

Ein Fahrzeug darf, wenn es nicht zugelassen ist, auch ohne eine EG-Typgenehmigung, nationale Typgenehmigung oder Einzelgenehmigung, zu Prüfungs-, Probe- oder Überführungsfahrten in Betrieb gesetzt werden, wenn eine dem Pflichtversicherungsgesetz entsprechende Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung besteht und das Fahrzeug unbeschadet des § 16a ein Kennzeichen mit roter Beschriftung auf weißem rot gerandetem Grund (rotes Kennzeichen) führt.

Das farbige Nummernschild ist also für jene Fahrzeuge nützlich, die nicht angemeldet, bzw. nicht zugelassen sind. Da die Mehrheit der privaten Autoverkäufer ihr ehemaliges Kfz abmeldet, bevor sie es dem neuen Besitzer überreicht, erscheinen die roten Nummern angemessen. Dies ist aber ein Trugschluss. Private Käufer und Verkäufer benötigen hierfür ein Kurzzeitkennzeichen.

Kraftfahrzeughändler hingegen haben es oft mit einer ganzen Flotte unangemeldeter Kfz zu tun. Müssten sie für jedes einzelne Kfz eine separate Kurzzeitzulassung beantragen, gingen viel Zeit und Geld verloren. Gewerblichen Verkäufern sparen diese Nummernschilder also Kosten.

Doch nicht jeder Autohändler bekommt die besonderen Schilder – er muss einige Voraussetzungen erfüllen.

So sieht ein rotes Nummernschild aus

Größe und Form der Händlerkennzeichen entsprechen der gewohnten Norm. Allerdings ist die Schrift darauf nicht wie gewöhnlich schwarz, sondern rot. Zudem befindet sich eine gleichfarbiger Rahmen am Rand des Kennzeichens. Auf diesem Weg sind sie auch im fließenden Verkehr für Ordnungsbeamte schon von weitem als „besondere Kennzeichen“ einzustufen.

Wie bei normalen Kennzeichen beginnt die Zahlen- und Buchstabenfolge mit der jeweiligen Stadt- oder Landkreiskennung. Die folgenden Nummern beginnen immer mit 06. Aus diesem Grund werden die roten Nummern auch als 06-Kennzeichen bezeichnet. Maximal drei weitere Zahlen folgen der 06.

Diese Kennzeichen können mitunter eine sehr lange Laufzeit haben. Deshalb gibt es die roten Nummern in verschiedenen Ausführungen, die entsprechend unterschiedlich aussehen. Neuere haben am linken Rand einen Streifen, auf welchem die Europasterne und das Länderzeichen (D) zu sehen ist. Auf älteren Schildern ist dieser Balken nicht zu sehen. Sie sind dennoch gültig.

Die Vorteile der roten Nummernschilder für Autohändler

Rote Kennzeichen rechnen sich für Händler.

Rote Kennzeichen rechnen sich für Händler.

Die roten Kennzeichen sind speziell für gewerbliche Verkäufer konfiguriert. Diese haben es mit einer großen Fluktuation verschiedener Kfz zu tun, die sie meist unangemeldet auf ihrem Gelände stehen haben.

Potenzielle Käufer möchten die Wagen selbstverständlich ausgiebig testen, bevor sie den Kaufvertrag unterschreiben. Dafür möchten sie auch im Straßenverkehr fahren, um ein realitätsnahes Gefühl für das neue Gefährt zu bekommen.

Es steht Händlern frei, für all ihre Fahrzeuge einzelne Zulassungen zu beantragen und zu bezahlen. Das farbige Kennzeichen punktet allerdings mit ein paar Vorteilen.

Die besonderen Schilder sind nicht fahrzeuggebunden. Das bedeutet, dass ein Verkäufer sie für all seine Verkaufswagen benutzen kann. Dadurch spart er viel Zeit, Nerven und Kosten.

Händlerkennzeichen sind speziell für folgende Verwendungen gedacht:

Probefahrten

Hierbei gilt es, eine feine Unterscheidung zu beachten. Probefahrten dienen dazu, einem Käufer die Funktionsfähigkeit des Autos zu beweisen. Diese Definition beinhaltet, dass eine Kaufabsicht auf Seiten des Probefahrers besteht.

Manche Hersteller oder gewerbliche Verkäufer bieten mitunter kostenlose Fahrproben in neuen Kfz an, um die Kauflust der Fahrer zu wecken. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung entschied 2007, dass diese Fahrten nicht als Probefahrten gelten.

Die gewerblichen Kennzeichen sind in diesem Fall also unzulässig!

Prüfungsfahrten

Dabei handelt es sich nicht um Fahrten von Fahrschülern, die ihre Führerscheinprüfung ablegen möchten. Gemeint sind in diesem Zusammenhang Fahrten, bei welchen amtlich anerkannte Sachverständige oder Prüfer die korrekte Funktionsweise des Kfz überprüfen. Dies ist zum Beispiel der Fall bei der Sicherheitsprüfung für Lkw. Die Hin- und Rückfahrt zum Prüfungsort – etwa zur Hauptuntersuchung – darf ebenfalls mit der roten Nummer erfolgen.

Überführungsfahrten

Nach dem Autokauf bieten viele Händler an, das Auto frei Haus zu liefern. Finden diese Auslieferungen innerhalb der Europäischen Union (EU) statt, dürfen sie mit rotem Kennzeichen erfolgen.

Fahrten gegen Vergütung sind mit roten Kennzeichen unzulässig! Dies gilt ebenfalls für Nutz- und Zweckfahrten mit Ausnahme der oben genannten Verwendungszwecke. Gewerbliche Verkäufer dürfen also in Autos mit Händlerkennzeichen nicht Einkaufen fahren oder diese auf dem Weg zur Arbeit benutzen.

Rote Nummernschilder beantragen: Voraussetzungen

Zuverlässigkeit ist eine Grundvoraussetzung für Rote Nummernschilder.

Zuverlässigkeit ist eine Grundvoraussetzung für Rote Nummernschilder.

Nicht jeder Händler kann ein rotes Nummernschild beantragen. Es besteht kein Rechtsanspruch auf die besonderen Schilder. Die Zuteilung eines solchen Nummernschildes liegt im Ermessen der jeweiligen Sachbearbeiter.

Grundsätzlich gilt: Nur zuverlässige Gewerbebetreibende bekommen die Kennzeichen. Doch wie lässt sich „Zuverlässigkeit“ nachweisen? Ihnen stehen unter anderem folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Auskunft aus dem Bundeszentralregister (Führungszeugnis)
  • Auszug aus dem Verkehrszentralregister des KBA
  • Auskunft aus dem zuständigen Gewerbezentralregister

Als Hinweise zur Unzuverlässigkeit gelten unter anderem folgende Tatbestände:

  • Rückständige Gebühren aus vorangegangenen Zulassungsvorgängen von über 20 Euro
  • Rückständige Steuerzahlungen von über 5 Euro

Sie führen zur Ablehnung des Antrags. Zusätzlich müssen Händler ihren Bedarf an Händlerkennzeichen für den Betrieb nachweisen und belegen, dass Sie einen Kfz-bezogenen Gewerbebetrieb besitzen.

Checkliste: Diese Unterlagen sind zur erfolgreichen Beantragung notwendig:

  • Zuverlässigkeitsnachweise
  • Nachweis der Gewerbeanmeldung
  • Formloser Antrag oder Formular (variiert je nach Behörde)
  • Bedarfsnachweis (formlos oder im Formular beinhaltet)
  • Gültiger Personalausweis oder Reisepass
  • Versicherungsnachweis
Rote Kennzeichen beantragen: Checkliste

Hier finden Sie die Checkliste zum kostenlosen Download

Gerne können Sie diese Checkliste zum eigenen Gebrauch herunterladen. Im Folgenden finden Sie die Vorlage im PDF-Format zum Download:

  • Kostenloser Download
  • Muster als PDF-Dokument
  • Ausdrucken & Mitnehmen
  • Stress beim Behördengang vermeiden!

Wenn Sie die Schilder im Auftrag beantragen, benötigen Sie zusätzlich zu diesen Unterlagen eine unterschriebene Vollmacht sowie den Personalausweis oder den Reisepass des Auftraggebers.

Rotes Nummernschild: Versicherung und Steuer

Fahrzeuge, die mit roten Kennzeichen bewegt werden, haben zwar keine anderweitige Zulassung, fahren dennoch im regulären Straßenverkehr. Aus diesem Grund müssen Sie versichert werden. Wie gewöhnliche Kfz können Händler das Kennzeichen lediglich über eine Haftpflichtversicherung oder über eine Teil- oder Vollkasko absichern.

Es empfiehlt sich, nicht voreilig zu agieren, sondern verschiedene Angebote einzuholen. Oft variieren die Kostenvorschläge der Versicherungsgesellschaften erheblich.

Erst wenn Sie auch entsprechende Steuern entrichten, bekommen Sie ein rotes Nummernschild. Die Kosten hierfür sind relativ überschaubar und passen sich den Fahrzeugtypen an. Für Motorradkennzeichen ist eine Summe von 46,02 Euro jährlich fällig – für alle anderen müssen 191,73 Euro pro Jahr bezahlt werden.

Bei roten Nummernschilder sind die Kosten für Autoverkäufer meist gering im Vergleich zu den möglichen Einsparungen.

Das spezielle Kennzeichen ist mit Auflagen verknüpft

Die Besitzer roter Kennzeichen sind verpflichtet, deren korrekten Gebrauch nachzuweisen. Aus diesem Grund gehört zum roten Kennzeichen immer ein Fahrtenbuch und besonderes Fahrzeugscheinheft. Diese gehören sozusagen zum Zubehör des Kennzeichens. Gemäß seiner Sorgfaltspflicht muss der Kennzeichenbesitzer dafür sorgen, dass alle Fahrten im Fahrtenbuch aufgeführt werden.

Gemäß § 16 Absatz 2 der FZV:

Für jedes Fahrzeug ist eine gesonderte Seite des Fahrzeugscheinheftes zu dessen Beschreibung zu verwenden; die Angaben zum Fahrzeug sind vollständig und in dauerhafter Schrift vor Antritt der ersten Fahrt einzutragen. Das Fahrzeugscheinheft ist bei jeder Fahrt mitzuführen und zuständigen Personen auf Verlangen auszuhändigen.

Folgende Daten sind dafür mindestens notwendig:

  • Benutztes Kennzeichen
  • Fahrzeugmarke
  • Fahrzeughersteller
  • Fahrzeugtyp
  • Fahrgestellnummer
  • Tag der Fahrt
  • Start- und Endzeitpunkt der Fahrt
  • Name und Anschrift des Fahrzeugführers

Diese Eintragungen müssen mindestens ein Jahr lang aufbewahrt und bei Anfrage den Behörden vorgelegt werden.

Die Laufzeit für Händlerkennzeichen

Rote Kennzeichen erleichtern den Autoverkauf.

Rote Kennzeichen erleichtern den Autoverkauf.

Beim ersten Antrag wird das Kennzeichen für ein Jahr lang zugeteilt. Nach Ablauf dieses Jahres besteht die Möglichkeit, eine Verlängerung zu beantragen. Dazu legen Sie die ordnungsgemäß geführten Bücher sowie einen aktuellen Versicherungsschutz vor.

Haben Sie sich in der Erstlaufzeit als zuverlässig erwiesen, bekommen Sie die Verlängerung in der Regel. Diese kann auch unbefristet sein.

Die Zulassungsbehörde kann den korrekten Gebrauch der roten Kennzeichen jederzeit überprüfen – etwa in dem sie unangemeldet beim Kennzeicheninhaber vorstellig wird.

Dabei kontrolliert sie sowohl das Kennzeichen als auch die entsprechenden Papiere. So kann Sie genau einsehen, ob die Schilder ordnungsgemäß gebraucht werden oder ob der Besitzer es mit den Bestimmungen nicht ganz so genau nimmt.

Stimmt mit den Informationen etwas nicht, kann die Erteilung der roten Nummernschilder von der Zulassungsbehörde sofort widerrufen werden. Zudem kann eine Neuzuteilung ebenfalls ausgeschlossen werden.

Diese Kennzeichen zu missbrauchen wird als Straftat geahndet! Sind lediglich die Eintragungen im Fahrzeugscheinheft/Fahrtennachweisheft falsch, stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar.

Rote Nummernschilder ausleihen: Ist das erlaubt?

Es ist verführerisch, sich beim befreundeten Händler rote Kennzeichen zu leihen, um eine kurze Überführungsfahrt zu tätigen. So sparen Sie als Privatperson den Aufwand der Beantragung eines Kurzzeitkennzeichens. Möchten Sie rote Kennzeichen ausleihen, ist dies allerdings nicht erlaubt. Denn der Versicherungsschutz gilt nur für die zugelassenen Fahrten.

Privatfahrten entsprechen nicht dem Verwendungszweck der roten Kennzeichen – die Fahrt ist also nicht versichert! Beim Fahren ohne Versicherung handelt es sich um eine Straftat!

Daraus ergibt sich: Rote Kennzeichen für privat sind nicht möglich!

Das besondere Kennzeichen richtig befestigen

Da sie häufiger das Fahrzeug wechseln, muss ein rotes Kennzeichen in der Regel nicht fest angebracht werden. Allerdings gehören sie gut sichtbar sowohl an die Vorder- als auch an die Rückseite des Kfz. Andere Schilder, die sich womöglich noch am Kfz befinden, müssen abgedeckt werden.

Kennzeichen, die für Krafträder zugeteilt wurden, dürfen auch nur an Krafträdern angebracht werden. Bei roten Nummernschildern für alle anderen Kfz dürfen Sie hingegen zwischen den Fahrzeugarten wechseln.

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