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Zoll für Geschenke: Sind kleine Aufmerksamkeiten von den Abgaben befreit?

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 2. Juli 2022

Wissenswertes zu Geschenksendungen

Absender oder Empfänger: Wer muss den Zoll für Geschenke bezahlen?
Absender oder Empfänger: Wer muss den Zoll für Geschenke bezahlen?

Wie allgemein bekannt ist, erhalten kleine Geschenke die Freundschaft und über ein Päckchen mit Aufmerksamkeiten freut sich sicherlich jeder. Sitzt der Absender allerdings außerhalb der Europäischen Union, können solche Sendungen per Post durchaus ein teures Vergnügen sein. Denn unter Umständen erhebt der Zoll für die Geschenke aufgrund der geltenden Einfuhrbestimmungen Abgaben und Gebühren. Diese sind in der Regel vom Empfänger in Deutschland zu bezahlen. 

Doch wann sind Geschenke zu verzollen? Bis zu welchem Warenwert fällt der Inhalt unter die geltenden Freimengen? Müssen weitere Einschränkungen beim Inhalt der Pakete beachtet werden? Und was kann ich tun, wenn ich den Zoll für Geschenke nicht zahlen will? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Zoll für Geschenke

Wann liegt laut Zoll eine Geschenksendung vor?

Wollen Sie ein Paket als Geschenk versenden, schreibt der Zoll dafür verschiedene Kriterien vor. Worauf es dabei zu achten gilt, erfahren Sie hier.

Bis zu welchem Wert ist ein Geschenk zollfrei?

Bis zu einem Warenwert von 45 Euro fallen bei einer Geschenksendung weder Zoll noch Einfuhrumsatzsteuer an.

Was passiert, wenn der Zoll ein Geschenk ohne Rechnung abfängt?

Fehlt außen am Paket eine Rechnung bzw. zollrechtliche Inhaltserklärung, kann der Zoll die Geschenke zurückhalten und den Empfänger zum Zollamt bestellen, um die Sendung dort zu öffnen. Ggf. muss der Empfänger auch Informationen zum Wert des Inhaltes vorlegen.

Wann handelt es sich um ein Geschenk?

Ob es sich um ein Geschenk gemäß Zoll handelt, hängt von zahlreichen Kriterien ab.
Ob es sich um ein Geschenk gemäß Zoll handelt, hängt von zahlreichen Kriterien ab.

Beim Postversand aus dem EU-Ausland unterscheidet der Zoll grundsätzlich zwischen privaten und gewerblichen Sendungen. Dabei handelt es sich bei den privaten Kleinsendungen in vielen Fällen um Geschenksendungen, bei denen besondere Vorschriften für die Zollbefreiung gelten. Welche Voraussetzungen eine Geschenksendung gemäß Zoll erfüllen muss, klären wir nachfolgend.

Geschenksendungen zeichnen sich grundsätzlich dadurch aus, dass es sich sowohl beim Absender als auch beim Empfänger um Privatpersonen handelt. Ist also ein Unternehmen involviert, können die Pakete gemäß Zoll nicht als Geschenke deklariert werden. Zudem dürfen die Sendungen nur gelegentlich und nicht regelmäßig erfolgen.

Zollrechtlich zeichnen sich Geschenke auch dadurch aus, dass der Absender für die Sendung keinerlei Bezahlung erhält. Auch jede Art von anderer Gegenleistung oder vergleichbarer Ersatzleistung ist untersagt, weshalb grundsätzlich auch sogenannte Tauschsendungen ausgeschlossen sind.

Darüber hinaus unterliegt auch der Inhalt des Paketes verschiedenen Beschränkungen. So darf der Wareninhalt ausschließlich dem persönlichen Gebrauch dienen. Die im Geschenk enthaltenden Mengen dürfen somit nicht den Eindruck erwecken, dass die Einfuhr aus geschäftlichen Gründen erfolgt.

Damit der Zoll Geschenke als solche erkennt und überprüfen kann, ob der Inhalt den gesetzlichen Vorgaben entspricht, sind außen am Paket Angaben zur Ware zu machen. Möglich ist dies mithilfe der Rechnung oder einer sogenannten Zollinhaltserklärung. Letztere enthält in der Regel auch den Hinweis auf eine Geschenksendung (oft engl. „gift“).

Übrigens! Erhebet der Zoll für Geschenke irgendwelche Abgaben, sind diese üblicherweise vom Empfänger zu zahlen. Möchte dieser die Kosten dafür nicht übernehmen, kann die Annahme verweigert werden.

Wann fallen (keine) Zollgebühren bei einem Geschenk an?

Zoll für Geschenke: Bei der Einfuhr spielt der Warenwert eine wichtige Rolle.
Zoll für Geschenke: Bei der Einfuhr spielt der Warenwert eine wichtige Rolle.

Ob bei einem Geschenk Zoll oder sonstigen Abgaben zu zahlen sind, hängt vom Gesamtwert der Sendung ab. So heißt es unter Artikel 26 Abs. 1 Zollbefreiungsverordnung (Verordnung (EG) Nr. 1186/2009):

Die Befreiung nach Artikel 25 Absatz 1 wird je Sendung bis zu einem Gesamtwert von 45 EUR, einschließlich des Wertes der in Artikel 27 genannten Waren, gewährt.

Somit sind Geschenke bis zu einem Wert von 45 Euro zollfrei. Der Freibetrag liegt also deutlich höher als bei regulären Sendungen wie zum Beispiel Internetbestellungen aus China oder den USA. Denn bei diesen erhebt der Zoll bereits ab einem Warenwert von etwa 5 Euro die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt).

Für die Zollbefreiung bei einem Warenwert von bis zu 45 Euro gilt es aber, Beschränkungen zu beachten. So schreibt der Gesetzgeber für verschiedene verbrauchsteuerpflichtige Waren Höchstmengen vor. Ein paar Beispiele haben wir nachfolgend aufgelistet:

  • 500 Gramm Kaffee
  • 50 Zigaretten
  • 50 Gramm Parfüm
  • 0,25 Liter Eau de Toilette
  • 2 Liter nicht schäumende Weine

Die EUSt verlangt der Zoll für Geschenke erst, wenn sich der Gesamtwert auf über 45 und unter 700 Euro beläuft. In diesem Fall findet in der Regel ein pauschalisierter Abgabensatz in Höhe von 17,5 Prozent Anwendung. Für ausgewählte Warengruppen sieht der Gesetzgeber allerdings Zollvergünstigungen – auch als Präferenzen bezeichnet – vor, bei denen sich der Abgabensatz auf 15 Prozent reduziert.

Liegt der Gesamtwert einer Sendung über 700 Euro, verlangt der Zoll sowohl die Einfuhrumsatzsteuer als auch Zollabgaben. Die fälligen Einfuhrabgaben werden dann nach den Abgabensätzen des Zolltarifs ermittelt.

Eine Übersicht, wann beim Zoll für Geschenke Einfuhrabgaben anfallen, haben wir nachfolgend für Sie zusammengestellt:

Gesamtwert der SendungEinfuhrumsatzsteuerZoll
bis 45 Euro
neinnein
zwischen 45 und 700 Euro
janein
über 700 Euro
jaja

Wichtig! Die zuvor genannten Warenwerte gelten grundsätzlich pro Sendung. Unter diesem Begriff versteht der Zoll bei Geschenken aber nicht jedes Päckchen separat. Vielmehr handelt es sich um die Summe aller Pakete, die am selben Tag von einer Privatperson versendet wurden und von derselben Zollstelle abgefertigt werden. Hierbei kann es sich also durchaus um mehrere Packstücke handeln, deren Warenwerte sich addieren.

Quellen und weiterführende Links

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Zoll für Geschenke: Sind kleine Aufmerksamkeiten von den Abgaben befreit?
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7 Kommentare

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  1. Klaus-Peter W sagt:

    Unter Sendungsnummer (entfernt von der Redaktion)
    wurde lt. Briefkasten Einwurf mitgeteilt, Zustellung war am 08.12.21 um 11:10 leider nicht möglich!? Sehr seltsam, warum wurde nicht geklingelt und die Gegensprechanlage benutzt??? Außerdem erwarten wir keine Sendung ! Wer ist Absender und wer gab ok für Zoll & Auslagenpauschale 19,94 € ???
    Mögliche Geschenksendung aus RU beinhaltet lediglich Weihnachtsgeschenk mit Obergrenze 45,00 €, (Freigrenze) !!!
    Ihrer Stellungnahme sehe ich mit Interesse entgegen.
    Mit freundlichen Grüßen

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Klaus-Peter W.,

      wir sind lediglich ein unabhängiger Informationsdienstleister. Wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen an die Zollbehörde.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  2. Eva J. sagt:

    Anscheinend sieht das der Zoll in Frankfurt anders. Geschenksendung 20 Dollar resultierte nicht nur in Steuer sondern auch noch 6 € Gebühr. Also knapp 10€. (entfernt von der Redaktion)

  3. Sylvia K sagt:

    Zunächst vielen Dank für die Zusammenstellung der Informationen.

    Wenn ich ein Paket von USA nach D schicke, Geschenk, Wert zwischen 45 und 700 Euro: Gibt es eine Möglichkeit, dass ich die Einfuhrumsatzsteuer übernehme? Ich möchte nicht, dass der Beschenkte das zahlen muss.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Sylvia K.

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Sylvia K.,

      wenden Sie sich am besten in diesem Fall direkt an die Zoll-Behörde um ein weiteres Vorgehen zu klären.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  4. Stephen P sagt:

    Habe ich das richtig verstanden, ein Geschenk von U.K. Wert unter 20€ hat überhaupt keine Steuer, keine Mehrwertsteuer oder Einfuhrsteuer?

    • Martin sagt:

      Meines Erachtens ist das korrekt, ja. Aber oft arbeiten Zoll und / oder DHL unsauber und “übersehen” dass es sich um ein Geschenk mit Warenwert unter 45€ handelt. Es wird dann EUSt erhoben, welche DHL vorlegt und deshalb nochmal 6€ Gebühr verlangt welche man bei Abholung am Postamt auch bezahlen muss um das Paket zu bekommen. Das kann man aber anfechten und bekommt von beiden alles zurück. Dauert leider nur alles.. Quelle: wir bekommen regelmäßig Geschenke der Schwiegereltern aus Japan

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