Einfuhrabgaben: Wann werden diese erhoben?

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 29. Juli 2020

Zusätzliche Kosten durch Zölle und Steuern

Mögliche Einfuhrabgaben erhebt in Deutschland der Zoll.
Mögliche Einfuhrabgaben erhebt in Deutschland der Zoll.

Spätestens durch das Internet ist die Welt für jedermann ein globaler Marktplatz geworden. Wer allerdings privat oder geschäftlich Waren aus Ländern außerhalb der Europäischen Union importiert, muss damit rechnen, dass zusätzlich zum Verkaufspreis und dem Porto noch weitere Kosten anfallen. Diese werden unter dem Oberbegriff „Einfuhrabgaben“ zusammengefasst.

Doch wie setzen sich die Abgaben für den Warenimport zusammen? Sieht der Gesetzgeber Ausnahmen vor, bei denen keine zusätzlichen Gebühren vom Zoll erhoben werden? Und wie funktioniert die Berechnung der Einfuhrabgaben? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Einfuhrabgaben

Was sind Einfuhrabgaben?

Hierbei handelt es sich um einen Sammelbegriff für alle Abgaben, die bei der Einfuhr von Waren zu entrichten sind. In Deutschland fallen diese in den Zuständigkeitsbereich des Zolls.

Welche Einfuhrabgaben gibt es?

Üblicherweise können sich diese aus Zollgebühren, Einfuhrumsatzsteuer sowie Verbrauchsteuern zusammensetzen.

Wie lassen sich die Einfuhrabgaben berechnen?

Bei der Berechnung von Einfuhrabgaben spielen vor allem der Warenwert und die Art der Sendung eine entscheidende Rolle. Eine Beispielrechnung finden Sie hier.

Was zählt zu den Einfuhrabgaben?

Ohne Einfuhrabgaben erfolgt der Handel innerhalb der Europäischen Union.
Ohne Einfuhrabgaben erfolgt der Handel innerhalb der Europäischen Union.

Werden Waren aus einem anderen Land eingeführt, muss der Importeur üblicherweise die Einfuhrbestimmungen beachten und Abgaben entrichten. Diese dienen in erster Linie dem Schutz der heimischen Wirtschaft und sollen zum Beispiel Produkte zu Dumpingpreisen aus dem Ausland etwas Einhalt gebieten.

Gleichzeitig können sich Zölle und Einfuhrabgaben aber auch negativ auf den Export von Waren auswirken, denn dadurch werden die Waren im Ausland teurer. Aus diesem Grund wird mithilfe von verschiedenen Handelsabkommen versucht, diese zusätzlichen Kosten einzudämmen. So ist die EU beispielsweise Zollunion, weshalb der Warenhandel in dieser ohne Einfuhrabgaben möglich ist.

Doch was ist nun konkret unter dem Begriff „Einfuhrabgaben“ zu verstehen? Hierbei handelt es sich um einen Sammelbegriff für alle Abgaben, die im Zusammenhang mit der Wareneinfuhr anfallen. Dabei handelt es sich vor allem um die nachfolgenden drei Posten gemeint:

  • Zoll
  • Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)
  • Verbrauchsteuern (VSt)

Bei Zöllen handelt es sich um Abgaben, die für den Import von Waren in einen anderen Staat bezahlt werden müssen. Dabei können sich die Zollsätze je nach Warenart unterscheiden. Die Grundlage für die Bemessung bildet dabei der Zolltarif.

Die EUSt wird auf importierte Waren erhoben und entspricht üblicherweise der im jeweiligen Land erhobenen Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer für Verbrauchswaren und Dienstleistungen. Durch dieses Vorgehen soll eine steuerliche Lücke geschlossen werden, da der Exporteur für seine Waren in der Regel keine Mehrwertsteuer bezahlen muss. Dies würde im Vergleich zu heimischen Produkten für einen finanziellen Vorteil sorgen.

Als Verbrauchsteuern werden Steuern bezeichnet, welche auf bestimmte Waren erhoben werden, die für den Verbrauch bzw. Gebrauch gedacht sind. Entrichtet werde müssen diese beim Zoll unter anderem für alkoholische Erzeugnisse, Tabakwaren und Kaffee.

Die anfallenden Einfuhrabgaben können dazu beitragen, dass sich die Kosten für ein Produkt deutlich erhöhen. Aus diesem Grund sollten Sie vor Internetbestellungen aus dem Ausland gründlich recherchieren, ob sich eine Bestellung überhaupt noch lohnt oder Sie den Artikel unter Berücksichtigung von Zöllen und Steuern nicht doch innerhalb der EU günstiger erwerben können. 

Wann erhebt der Zoll Einfuhrabgaben?

Ob Zölle und Einfuhrabgaben anfallen, hängt meist vom Warenwert der Sendung ab.
Ob Zölle und Einfuhrabgaben anfallen, hängt meist vom Warenwert der Sendung ab.

Die zuvor aufgeführten Einfuhrabgaben müssen allerdings nicht zwangsläufig bei einer Warensendung vom Zoll erhoben werden. So erfolgt eine Differenzierung je nach Gesamtwert der Sendung. Ausschlaggebend ist dabei der Betrag, der gezahlt wurde, um die Waren zu erhalten und dies beinhaltet häufig auch die Portokosten.

Ist der Gesamtwert eine Sendung nicht höher als 22 Euro, erlaubt der Gesetzgeber die Einfuhr ohne die Erhebung von Einfuhrabgaben. Ausgenommen von diesem Freibetrag sind allerdings Kaffee, Tabak, alkoholische Erzeugnisse und Parfums, da bei diesen die Verbrauchsteuer anfällt.

Liegt der Gesamtwert zwischen 22 und 150 Euro, ist die Sendung ebenfalls zollfrei. Allerdings erbebt die Zollverwaltung die Einfuhrumsatzsteuer und die Verbrauchsteuer. Belaufen sich die Abgaben auf weniger als 5 Euro, verzichtet die Behörde aber auf Entrichtung, weil sich in diesem Fall der Verwaltungsaufwand in der Regel nicht lohnt.

Bei einem Warenwert von mehr als 150 Euro erfolgt die Ermittlung der Einfuhrabgaben anhand des Zolltarifs. Dabei werden neben dem Zollwert auch die Art und Beschaffenheit der Ware berücksichtigt. Die Grundlage dafür bilden der Gemeinsame Zolltarif der EU sowie Abgabensätze aus den nationalen Steuergesetzen.

Wichtig! Die Freigrenze für den Warenimport bis zu einem Wert von 22 Euro soll zum 01. Juli 2021 entfallen. Somit wird die Einfuhrumsatzsteuer bereits bei einem Warenwert von 1 Cent erhoben. Dies hat zur Folge, dass für jede Sendung eine Zollanmeldung mit Abgabenerhebung erfolgen muss. Wie dies logistisch geregelt werden soll, ist bislang noch nicht bekannt.  

Einfuhrabgaben beim Zoll berechnen – ein Beispiel

Die Berechnung der Einfuhrabgaben bei einem Gesamtwert von mehr als 150 Euro ist ein recht komplexes Unterfangen, welches aus verschiedenen Einzelrechnungen besteht. Dabei erscheint die Formel für die Einfuhrabgaben noch simpel:

Einfuhrabgaben = Zoll + Verbrauchsteuer + Einfuhrumsatzsteuer

Allerdings ist es notwendig, die Werte für diese Rechnung alle separat ermitteln. Um die anfallenden Zollgebühren herauszufinden, wird der sogenannte Zollwert benötigt. Dieser ergibt sich aus dem Wert der Ware und den Transportkosten bis an die Außengrenze der Europäischen Union. Zudem benötigen Sie für die Berechnung des Zolls auch den entsprechenden Zollsatz für die Waren.

Zoll = Zollwert x Zollsatz gemäß Zolltarif

Um die Verbrauchsteuer zu berechnen, findet folgende Formel Anwendung:

Verbrauchsteuer = Warenmenge x Verbrauchsteuersatz

Zuletzt wird die Einfuhrumsatzsteuer benötigt, allerdings muss dafür im Vorfeld die Bemessungsgrundlage der Einfuhrumsatzsteuer ermittelt werden:

Bemessungsgrundlage für die EUSt = Zollwert + Zoll + Verbrauchsteuer + innergemeinschaftliche Beförderungskosten

Der ermittelte Wert bildet dann die Grundlage für die Berechnung der Einfuhrumsatzsteuer:

Einfuhrumsatzsteuer = Bemessungsgrundlage für die EUSt x Einfuhrumsatzsteuersatz

Zur Veranschaulichungen wollen wir die Berechnung der Einfuhrabgaben an einem konkreten Beispiel zeigen. Frau Müller bestellt sich eine Hose im Wert von 200 Euro aus den USA. Die Transportkosten zur EU-Außengrenze sind auf der Rechnung mit 30 Euro angegeben und innergemeinschaftliche Beförderungskosten fallen nicht an. Der Zollsatz für diese Art von Textilien liegt bei 12 Prozent.

 Aufgrund dieser Angaben lassen sich folgende Werte ermitteln:

  • Zollwert: 230 Euro
  • Zoll: 27,60 Euro
  • Verbrauchsteuer: entfällt (keine verbrauchsteuerpflichtige Ware)
  • Bemessungsgrundlage der EUSt: 257,60 Euro
  • Einfuhrumsatzsteuer (19 %): 48,94 Euro

In unserem Beispiel muss Frau Müller somit für ihre Hose aus den USA Einfuhrabgaben in Höhe von 76,54 Euro bezahlen.

Quellen und weiterführende Links

Bildnachweise: depositphotos.com/pixpack (Vorschaubild), depositphotos.com/pixpack, istockphoto.com/yuri4u80, depositphotos.com/franky242

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