Tunnelbrand: Was zu tun ist, wenn ein Feuer im Tunnel ausbricht

Horrorszenario: Tunnelbrand

Tunnelbrand: Das Risiko fährt mit.

Tunnelbrand: Das Risiko fährt mit.

Es hinterlässt schon ein mulmiges Gefühl, in einen Tunnel einzufahren. Ab diesem Moment steht fest, dass es nur noch eine Richtung gibt, die eingeschlagene Route zu verlassen. Es bedeutet stets ein Risiko, in einen Tunnel zu fahren – umgeben von Tonnen massiven Gesteins – hinterlässt es ein Gefühl von Gefangensein. Doch der Nutzen überwiegt. Die Durchgänge durch das Gebirge und das Erdreich sparen enorm viel Zeit. Wer nicht den Durchführung nutzt, muss häufig kilometerlange Umwege in Kauf nehmen.

Meist ist so eine Durchfahrt auch unkompliziert. Die Tunnel in unseren Breitengraden gelten als sicher. Dennoch besteht stets auch das Risiko eines Unfalls. In der Röhre kann dies zu einer Ausnahmesituation führen. Noch gefährlicher wird es, wenn es zu einem Tunnelbrand kommt. Dann besteht größte Gefahr für Leib und Leben.

Kommt es zu einem Brand in einem Tunnel, sind weniger die Flammen das Problem. Unheilbringender sind die starke Rauchentwicklung und der Sauerstoffmangel. In einer solch brenzligen Situation kommt es auf das korrekte Verhalten an. Jeder Fehler kann tödlich enden. In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen daher, was Sie tun müssen, wenn es zu einem Tunnelbrand gekommen ist.


Ursächlich für Feuer im Tunnel sind häufig überhöhte Geschwindigkeiten.

Ursächlich für Feuer im Tunnel sind häufig überhöhte Geschwindigkeiten.

Brand im Tunnel: Wie kommt es dazu?

Zunächst sollte erwähnt werden, dass Tunnel in Deutschland und unseren Nachbarländern vergleichsweise sicher sind. Dennoch lassen sich nicht alle Risiken vollständig vermeiden.

Nach Angaben der Schweizer International Fire Academy (ifa), welche spezialisiert auf Tunnelbrände ist, kommt es in der DACH-Region (Deutschland-Österreich-Schweiz) monatlich zu 2,4 Bränden in Straßen- und Bahntunneln. Zu beklagen sind häufig Tote und Schwerverletzte.

Die Ursachen für einen Tunnelbrand sind vielfältig. Bei Bahntunneln liegt häufig technisches Versagen vor. Regelmäßig stören Kabel- oder Schaltschrankbrände den flüssigen Betrieb. Auf der Straße sitz die Gefahrenquelle oftmals hinterm Steuer. Die besonderen Regeln für die Tunneldurchfahrt werden missachtet, es kommt zum Unfall und mit viel Pech auch zum Brand.

Haben sich die verunfallten Fahrzeuge entzündet, breitet sich der Tunnelbrand gleichmäßig in beide Fahrtrichtungen aus. Wird das Feuer nicht rechtzeitig gelöscht, ernährt es sich vom im Tunnel befindlichen Sauerstoff.

Das Atmen fällt schwerer. Im heißen Bereich in der Nähe der Flammen steigt der Rauch unter die Decke – im kälteren Bereich bildet er dann eine dicke Wand aus giftigen Dämpfen. Hier besteht Lebensgefahr durch Rauchvergiftung und Sauerstoffmangel.

Korrektes Verhalten im Tunnel hilft den Brand zu vermeiden

Damit es nicht zu einem Tunnelbrand kommt, kann jeder Kraftfahrer, der in die Röhre einfährt, etwas beitragen. Insbesondere riskante Fahrmanöver sollten vermieden werden. Es trägt aber auch schon zur allgemeinen Verkehrssicherheit bei, wenn sich jeder Fahrzeugführer an die Verkehrsregeln halten würde. Gerade im Tunnel können Verkehrsverstöße verheerende Auswirkungen haben.

Folgende Regeln sollten unbedingt beherzigt werden:

  • Halten Sie sich an die Höchstgeschwindigkeit.
  • Halten Sie den Sicherheitsabstand ein. (Zwei-Sekunden-Regel)
  • Tragen Sie im Tunnel keine Sonnenbrille.
  • Schalten Sie den Verkehrsfunk ein. Bei der Tunneleinfahrt steht häufig auf einem Verkehrsschild die Frequenz für einen Radiosender.
  • Achten Sie auf die Verkehrszeichen.
  • Fahren Sie nur mit Ablendlicht.
  • Sorgen Sie für genug Treibstoff im Tank.
Niemals wenden - selbst wenn ein Brand im Tunnel wütet. Verlassen Sie das Fahrzeug und nutzen Sie den Notausgang.

Niemals wenden – selbst wenn ein Brand im Tunnel wütet. Verlassen Sie das Fahrzeug und nutzen Sie den Notausgang.

Wie sollten Sie sich verhalten bei einem Brand im Tunnel?

Sollte es tatsächlich zu einem Tunnelbrand gekommen sein, gibt es einige Verhaltensweisen, die Sie unbedingt beachten müssen, um schwere Schäden zu vermeiden. Zunächst sollten alle Kraftfahrer, die einen Unfall beobachten, eine Rettungsgasse bilden. Nach einem Verkehrsunfall kommt es immer zu einer Stauung. Dies ist das Zeichen für jeden Fahrzeugführer, eine Gasse in der Tunnelmitte zu bilden. Zum Vordermann sollte ein Abstand von fünf Metern eingehalten werden. Dadurch wird es der Feuerwehr und anderen Einsatzkräften ermöglicht, schnell zur Unfallstelle zu gelangen.

Im Grunde gelten beim Tunnelunfall dieselben Regeln wie bei einem Unfall auf der Autobahn. Kraftfahrer sollten Ruhe bewahren, um besonnen handeln zu können. Nachdem die Rettungsgasse gebildet wurde, gilt es, die Rettungskräfte zu alarmieren. Bevor das Fahrzeug aber verlassen wird, ist stets die Warnweste überzuziehen. Dies verbessert die Sichtbarkeit und dient somit dem Selbstschutz.

Tunnelbrand: Nutzen Sie die Notrufsäule!

Statt mit dem Handy den Notruf zu tätigen, sollten besser die Notrufsäulen verwendet werden. Dadurch wissen die Einsatzkräfte direkt, wo und auf welcher Fahrbahn es zum Tunnelbrand gekommen ist. Außerdem sind die Notrufsäulen häufig mit Kameras vernetzt, welche sich im Bedarfsfall einschalten lassen. Gleichzeitig kann der nachfolgende Verkehr durch die tunneleigene Signaltechnik auf die Gefahr hingewiesen werden, was in der Regel eine Geschwindigkeitsreduktion oder Sperrung zur Folge hat.

Ist Rauch aufgrund von einem Tunnelbrand zu erkennen, sollten Sie den Motor vom Fahrzeug abstellen und das Auto in Richtung Notausgang verlassen. Gehen Sie dabei immer weg vom Rauch, selbst wenn der Notausgang näher erscheint. Den Zündschlüssel Ihres Wagens sollten Sie aber stecken lassen und das Fahrzeug nicht abschließen. Auf diese Weise hat die Feuerwehr die Möglichkeit, das Fahrzeug, falls erforderlich, zu verschieben.

Wenn möglich das Feuer löschen

Viele Kraftfahrer führen im Fahrzeug einen Feuerlöscher mit. Dieser ist zwar in der DACH-Region nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber er kann einen größeren Tunnelbrand verhindern. Auch in der Röhrer gibt es markierte Stellen, an denen ein Feuerlöscher gefunden werden kann. Bei einem kleineren Brand an einem Fahrzeug sollte versucht werden, den Brand zu löschen. Steht ein LKW in Flammen oder gar mehrere Fahrzeuge, sollte darauf verzichtet und direkt der nächste Notausgang aufgesucht werden.

Kein Brand im Tunnel? Sichern Sie die Unfallstelle und leisten Sie Erste Hilfe!

Gibt es keinen Rauch bzw. folgt einem Unfall kein Tunnelbrand, können Sie im Auto sitzen bleiben. Verfolgen Sie aber den Verkehrsfunk und beachten Sie die Anweisungen. Die Unfallstelle muss in diesem Fall gesichert werden. Um Folgeunfälle zu vermeiden, sollte unbedingt das Warndreieck aufgestellt werden. Anschließend ist Erste Hilfe zu leisten, sollte es zu lebensbedrohlichen Verletzungen gekommen sein. Sind die Verletzten bei Bewusstsein bzw. stabil, ist es aufgrund des Selbstschutzes besser, auf die Einsatzkräfte zu warten.

Präventive Tunnelbrandbekämpfung: Welche Vorsichtsmaßnahmen gibt es?

Damit ein größeres Unglück im Tunnel vermieden werden kann, gibt es eine Vielzahl von Sicherheitstechniken, welche es im Notfall ermöglicht, Menschenleben zu retten. Dazu gehören zum einen die Notausgänge, aber auch die Tunnelbeleuchtung, Tunnellüftung, die Mess- und Sicherheitstechnik sowie die Video- und Durchsageanlagen.

Wichtig sind auch die technischen Anlagen, durch welche der Verkehrsfluss beeinflusst werden kann. Maßgeblich für die Koordinierung der Einsatzkräfte im Ernstfall ist die Leitstelle. Bei ihr laufen die Informationen zusammen, was Feuerwehr und Co. dazu befähigt, den Tunnelbrand schnellstmöglich zu löschen. Zur Vorbereitung der Tunnelrettung finden auch regelmäßig Einsatzübungen statt, in denen die Rettungskräfte die Tunnelbrandbekämpfung trainieren.

Zum Thema „Tunnelbrand“ hat der Südwestrundfunk (SWR) in seinem Wissenschaftsmagazin Odysso im März 2015 eine spannende Reportage ausgestrahlt, in der Feuerwehr und Co. begleitet worden sind.

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2 Kommentare

  1. Schmidt sagt:

    Auch wenn der Bericht hier viele Interessante Informationen aufweist, so weist er einen krass-gravierenden Mangel auf:

    bei einem Tunnelbrand sind nach bisherigen Kenntnissen nach 3 Minuten die Überlebenschancen der noch im Tunnel verbleibenden Personen gegen Null. Dies geschieht aufgrund der extremen Rauch und Hitzeentwicklung, die teilweise bis zu 1000°C betragen kann. Wenn ich also erst den ganzen Katalog hier abarbeite:
    – Rettungsgasse bilden
    – Warnweste suchen
    – Rettungskräfte alamieren
    dann bin ich schon lange tot, bevor ich auch nur bei Punkt 3 angekommen bin.

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Schmidt,

      die Hinweise richten sich generell an das Verhalten bei einem Unfall im Tunnel. Unserem Text ist jedoch auch zu entnehmen, dass, wenn Rauch zu erkennen ist, das Auto sofort in Richtung Notausgang verlassen werden sollte.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

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