Wann dürfen Sie laut StVO den Gehweg befahren?

Von bussgeldkatalog.org, letzte Aktualisierung am: 27. April 2020

Vorgaben zur Nutzung der Bürgersteige

Vorschriften der StVO: Den Gehweg befahren dürfen Kraftfahrzeuge in der Regel nicht.
Vorschriften der StVO: Den Gehweg befahren dürfen Kraftfahrzeuge in der Regel nicht.

Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) regelt die verschiedensten Aspekte des Verkehrsrechts. Neben den gesetzlichen Vorgaben zum Halten und Parken, der Höchstgeschwindigkeit sowie des Mindestabstands zählen dazu auch die gemeinsame Nutzung der vorhandenen Verkehrsflächen durch Fußgänger, Radfahrer und Kraftfahrzeuge.

So existieren klare Regeln, wann jemand gemäß StVO einen Gehweg befahren bzw. nutzen darf. Denn dort, wo es in der Praxis möglich ist, sollen Passanten und Kfz voneinander getrennt werden, um Unfälle zu vermeiden und die allgemeine Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Doch dürfen Sie laut StVO den Gehweg mit Autos befahren? Wie sieht die Verwendung der Bürgersteige mit anderen Fahrzeugen aus? Und was droht ggf. für das Fahren auf dem Gehweg als Strafe? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der nachfolgende Ratgeber.

FAQ: Gehweg befahren

Ist das Fahren auf dem Gehweg verboten?

Laut Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) müssen Fahrzeuge die Fahrbahnen benutzen. Daraus ergibt sich, dass es unzulässig ist, einen Gehweg zu befahren.

Darf der Gehweg demnach nur von Fußgängern benutzt werden?

Nein. Es gibt Sonderregelungen, die es auch anderen Verkehrsteilnehmern erlauben, einen Gehweg zu befahren. Möglich ist das etwa für Rollstuhlfahrer, Personen mit Kinderwagen, Inline-Skate-Fahrer und Kinder mit Fahrrädern.

Welche Sanktionen drohen mir, wenn ich einen Gehweg befahre?

In der Regel folgt ein Bußgeld, dessen Höhe seit dem 28. April 2020 (Einführung der StVO-Novelle) bei mindestens 55 Euro liegt. Die Geldbuße kann sich auf bis zu 100 Euro erhöhen. Das ist der Fall, wenn Sie durch Ihr Verhalten einen Unfall verursachen.

Auszug aus dem Bußgeldkatalog zum Fahren auf dem Gehweg

Tat­be­stand Buß­geld (aktu­ell)*Buß­geld (alt)
Geh­weg vor­schrifts­wid­rig be­fah­ren
55 €10 €
... mit Be­hin­de­rung70 €15 €
... mit Ge­fähr­dung80 €20 €
... mit Sach­be­schä­di­gung100 €25 €
*Mit In­kraft­treten der StVO-No­velle am 28. April 2020 haben sich zahl­reiche Buß­gelder er­höht.

Wer darf laut StVO den Gehweg nutzen/befahren und wer nicht?

Die StVO schreibt konkret vor, welcher Verkehrsteilnehmer welche Verkehrsfläche zu nutzen hat. Demnach müssen gemäß § 25 Abs. 1 StVO Personen, die zu Fuß unterwegs sind, die Gehwege verwenden. Sind keine Bürgersteige vorhanden, sind die Seitenstreifen zu gebrauchen. Die Straße sollte für Passanten grundsätzlich immer die letzte Option sein, denn diese ist für andere Verkehrsteilnehmer reserviert. So heißt es in § 2 Abs. 1 StVO zur Straßenbenutzung:

Fahrzeuge müssen die Fahrbahnen benutzen, von zwei Fahrbahnen die rechte.

Anhand dieses Auszuges zeigt sich, dass das Fahren auf dem Gehweg mit dem Auto untersagt ist. Hält sich ein Fahrzeugführer nicht an diese Vorschrift, begeht er eine Ordnungswidrigkeit, die Sanktionen gemäß Bußgeldkatalog nach sich ziehen kann. Das Gleiche gilt für Radfahrer oder Fahrer von E-Scootern.

Wichtig: Am 28. April 2020 trat eine Reform der StVO in Kraft, die mitunter eine Erhöhung der Bußgelder für das verbotswidrige Befahren des Gehweges beinhaltet. Eine Zusammenfassung der alten sowie der aktuellen Bußgelder finden Sie in der obenstehenden Tabelle.

Allerdings gibt es Gefährte, mit denen es zulässig ist, den Gehweg zu nutzen. So sieht der Gesetzgeber eine Sonderregelung für Rollstühle, Kinderwagen, Tretroller, Kinderfahrräder, Inline-Skates und ähnliche nicht motorbetriebene Fortbewegungsmittel vor. Denn diese dürfen gemäß § 24 StVO den Gehweg befahren, da sie im Sinne der Verordnung nicht zu den Fahrzeugen zählen.

Unerlaubt den Gehweg befahren: Welche Strafe droht?

Das Fahren auf dem Gehweg ist bislang vor allem für nicht motorbetriebene Gefährte erlaubt.
Das Fahren auf dem Gehweg ist bislang vor allem für nicht motorbetriebene Gefährte erlaubt.

Wenn Fahrzeugführer entgegen der StVO den Gehweg befahren, droht seit dem 28. April 2020 nicht mehr nur ein Verwarnungsgeld. Die Sanktionen beginnen bei mindestens 55 Euro, können aber abhängig von den Umständen der Ordnungswidrigkeit auch höher ausfallen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn das Fehlverhalten mit einer Behinderung bzw. Gefährdung Dritter einhergeht oder zu einem Unfall führte.

Auch wenn E-Roller oder Motorrad auf dem Gehweg fahren, ist eine Strafe möglich. Dies gilt ebenso, wenn Sie die Kleinkrafträder auf dem Bürgersteig abstellen. Allerdings zeigen sich die zuständigen Behörden – vor allem wegen mangelnder alternativer Parkmöglichkeiten – in solchen Fällen meist kulant.

Sanktionen drohen auch, wenn Autofahrer unerlaubt auf dem Gehweg parken. Der Bußgeldkatalog sieht in einem solchen Fall seit der Einführung der StVO-Novelle mindestens ein Bußgeld in Höhe von 55 Euro vor. Dieses kann allerdings bei einer Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer oder einer Parkdauer von über einer Stunde auf 70 Euro steigen. Zusätzlich kommt in den beiden letzten Fällen seit dem 28.04.2020 ein Punkt in Flensburg hinzu.
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8 Kommentare

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  1. Fritz sagt:

    Dies regelt insbesondere die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung – eKFV

    § 10 eKFV Zulässige Verkehrsflächen

    (1) Innerhalb geschlossener Ortschaften dürfen Elektrokleinstfahrzeuge

    – nur baulich angelegte Radwege,

    – darunter auch gemeinsame Geh- und Radwege (Zeichen 240 der Anlage 2 zur Straßenverkehrs-Ordnung) und

    – die dem Radverkehr zugeteilte Verkehrsfläche getrennter Rad- und Gehwege (Zeichen 241 der Anlage 2 zur Straßenverkehrs-Ordnung),

    – sowie Radfahrstreifen (Zeichen 237 in Verbindung mit Zeichen 295 der Anlage 2 zur Straßenverkehrs-Ordnung) und

    – Fahrradstraßen (Zeichen 244.1 der Anlage 2 zur Straßenverkehrs-Ordnung) befahren.

    Wenn solche nicht vorhanden sind, darf auf Fahrbahnen oder in verkehrsberuhigten Bereichen (Zeichen 325.1 der Anlage 3 zur Straßenverkehrs-Ordnung) gefahren werden.

    (3) Für das Befahren von anderen Verkehrsflächen können die Straßenverkehrsbehörden abweichend von Absatz 1 und 2 Ausnahmen für bestimmte Einzelfälle oder allgemein für bestimmte Antragsteller zulassen. Eine allgemeine Zulassung von Elektrokleinstfahrzeugen auf solchen Verkehrsflächen kann durch Anordnung des Zusatzzeichens „Elektrokleinstfahrzeuge frei“ bekannt gegeben werden.

  2. Melissa sagt:

    Dürfen Fahrzeuge aller Art (PKW, LKW, landwirtschaftliche Fahrzeuge) den Gehweg befahren, wenn sie sonst nicht aneinander vorbei fahren können? Unsere Straße hat eine Breite von 5 m, der Bordstein ist so hoch wie die Straße. Die Fahrzeuge weichen dem Gegenverkehr aus indem sie selbstverständlich den Gehweg als Straße mitbenutzen. Ist das zulässig?

  3. Harry sagt:

    @ Melissa
    Die Fahrzeuge weichen dem Gegenverkehr aus indem sie selbstverständlich den Gehweg als Straße mitbenutzen. Ist das zulässig?
    Wenn keine Polizei in der Nähe ist gibt es auch keinen Richter und keinen Kläger. Und ich bin überzeugt,dass wegen der 10EUR potentieller Strafe kein vernünftiger Polizist den fließenden Verkehr anhält, um Strafzettel zu verteilen.Blöd wird es nur, wenn ein ´Hornochse´ entgegenkommt der meint unbedingt die Fahrbahnmitte einhalten zu müssen.Ich befürchte, wenn da auch nur der kleinste Kratzer passiert, bekommst du zumindest eine Teilschuld auch wenn meterbreit der Gehweg als Ausweichfläche zur Verfügung gestanden hätte. Just my 2 cents.

  4. Bibi sagt:

    Ein Motorroller hat mich und meinen Hund von hinten eben fast auf einem Gehweg von hinten angefahren.
    Der Gehweg mündete dann in (m)eine Wohnsiedlung. Ich selbst bin beim wegspringen vom Gehweg ins Straucheln geraten und mein Hund hat sich mit einem Bein in der Leine verheddert.
    Normal ist da eine Normale großspurige Straße zum Fahren.

    Als ich den älteren Rollerfahrer drauf ansprach dass das ein Gehweg ist und er als Fahrzeugnutzer da nicht fahren darf wollte er nur wissen wo ich wohne (er kennt scheinbar seit 20 Jahren die Kleine Siedlung nicht)

    Sollte man das dem gemeinsamen Vermieter melden? Oder war er tatsächlich im Recht?

  5. Stephan sagt:

    Wie sieht es aus, wenn der Nachbar beim Runterfahren von seinen Grundstück den gegenüberliegenden Gehweg voll und absichtlich benutzt? Ist das erlaubt oder nicht?

  6. Jo sagt:

    @Stephan:
    Keine anderen Sorgen?

  7. Christian sagt:

    Bei uns gibt’s folgende Situation. Am Ende der Siedlung hat die Stadt sozusagen eine Sackgasse geschaffen indem sie etwa 4 Meter einer Strasse als Fußweg deklariert hat. Vor und nach dem 4m Stück sind Strassenpfosten eingesetzt, damit die Autos da nicht mehr durchfahren können.
    Für mich mit dem Roller sind sie aber natürlich kein Hindernis, ich fahre einfach zwischen durch. Ich behaupte auch, dass ich nicht auf dem Fussweg fahre, sondern diesen nur “quere”, so wie man das auch macht, wenn man in eine Hofeinfahrt fährt.
    Was denkt ihr?

  8. Michael sagt:

    Hallo habe mal eine frage und zwar
    Habe zu Hause E Scooter meine Freundin hat eine Behinderung und sitzt auch im E Rollstuhl darf ich mein E scooter hinterher fahren auf den Gehweg fahren ich weiss ja das eigentlich nur auf den Radweg oder Strasse erlaubt ist
    Wenn ich hinterher fahre mit mein E scooter dann sind ja nur 7 bis 12 km pro Stunde ist sehr langsam.
    Wenn ich zur Arbeit fahre dann fahre ich logisch auf den Radweg oder Strasse

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