Warum Fundtiere oft nicht so behandelt werden, wie sie es verdienen

Hund oder Katze gefunden – Was kann ich tun?

Der zuständige Tierschutzverein muss Fundtiere wie Katzen und Hunde versorgen.

Der zuständige Tierschutzverein muss Fundtiere wie Katzen und Hunde versorgen.

Straßentiere sind in vielen Ländern Europas ein Problem. Tierheime sind oft überfüllt. Dazu kommt, dass beispielsweise Hunde in vielen Staaten in erster Linie als Nutztiere angesehen werden, nicht als Partner und Familienmitglied. Entsprechend sorgt ein hoher Ausschuss dafür, dass mehr und mehr Hunde auf der Straße landen und von artgerechter Tierhaltung oft nicht die Rede sein kann.

In Deutschland sehen die Verhältnisse anders aus. Doch auch hier werden Kleintiere gefunden, bei denen nicht ganz klar ist, ob diese ein Zuhause besitzen oder nicht. Oft werden diese dann als Fundtiere bezeichnet.

Doch was steckt eigentlich hinter diesem Begriff? Und was unterscheidet herrenlose Tiere von Fundtieren? Der vorliegende Ratgeber geht diesen Fragen auf den Grund. Außerdem hält er Handlungsempfehlungen bereit, denen Sie folgen sollten, wenn Sie ein Tier gefunden haben und Ihnen sein Wohl am Herzen liegt. Nicht zuletzt wird erklärt, welche besonderen Umstände bei verletzten Tieren zu beachten sind.

Herrenlose Tiere und Fundtiere – Der feine Unterschied

Viele Tierschutzvereine kritisieren den Umgang, den viele Gemeinden mit hilfsbedürftigen Haustieren pflegen. Dem geht voraus, dass bestimmte Faktoren maßgebend dafür sind, wie mit Tierfunden umgegangen wird. Die offizielle Unterscheidung zwischen Fundtier und herrenlosem Tier ist vor allem für Laien eher verwirrend, weshalb die Begriffe im Folgenden genauer betrachtet werden. So heißt es in einer rheinland-pfälzischen Regelung:

Bei der Unterscheidung, ob es sich um ein herrenloses oder um ein verlorenes Tier handelt, ist bei aufgefundenen Katzen anzunehmen, dass es sich in der Regel nicht um ein Fundtier handelt, es sei denn, äußere Merkmale […] deuten darauf hin, dass das aufgefundene Tier noch eine Eigentümerin oder einen Eigentümer hat und somit als Fundtier anzusehen ist.“

Die Formulierung „äußere Merkmale“ kann sich auf ein sichtbares Halsband, Tätowierungen und Mikrochips beziehen. Doch auch ein sehr vertrauliches Verhalten und ein guter Pflegezustand des Tieres fallen unter diesen Begriff.

Die einzelnen Kommunen schließen in der Regel mit einem Tierschutzverein einen sogenannten Fundtiervertrag ab. Daraus folgt: Als Vertragspartner verpflichtet sich der Tierschutzverein, sich um die Fundtiere der betreffenden Gemeinde zu kümmern. Um etwaige Kosten zu decken, entrichtet die Kommune dann einen Pauschalpreis an die Vereinskasse.
Katze gefunden: Eine Katze ist Ihnen zugelaufen? Stellen Sie zunächst fest, ob das Tier nicht bereits ein Zuhause hat.

Katze gefunden: Eine Katze ist Ihnen zugelaufen? Stellen Sie zunächst fest, ob das Tier nicht bereits ein Zuhause hat.

Durch dieses soziale Netz fallen herrenlose Haustiere jedoch komplett. Herrenlos bedeutet allgemein: Sie sind von vornherein freilebend oder wurden von ehemaligen Haltern ausgesetzt. Dabei kritisieren vor allem Tierschützer, dass sich die zuständigen Behörden in ihren eigenen Formulierungen widersprechen und eigene Kriterien entgegen der geltenden Gesetzeslage durchsetzen.

Das Hauptproblem dabei: Fundtiere werden sehr häufig als herrenlos bezeichnet, auch wenn es klare Anzeichen dafür gibt, dass dem nicht so ist. In diesem Fall müssen sie nicht aufgenommen werden, was wiederum Kosten einspart.

Ein Blick in die verworrene Gesetzeslage

Es bleibt fraglich, ob das Handeln vieler Behörden mit den Vorgaben des Gesetzgebers zu vereinbaren ist. So steht in Artikel 20a des Grundgesetzes (GG):

Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Tierschützer argumentieren, dass diese Verankerung im Grundgesetz den Tierschutz zur Staatszielbestimmung macht. Folglich sollte dieser auch in den Handlungen der Verwaltung besonders berücksichtigt werden. Grundsätzlich wird auch gefordert, dass Fundtiere nach §§ 960 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) von der zuständigen Behörde zu versorgen sind.

Dazu kommt, dass § 3 Tierschutzgesetz es verbietet, Tiere auszusetzen, um sich ihrer zu entledigen. Es ist also bei Tieren nicht möglich, auf das persönliche „Eigentum“ zu verzichten, wie es bei unbelebten Gegenständen nach § 959 BGB legitimiert wird. Am Ende des Paragraphendschung­els steht die Schlussfolgerung, dass eine Besitzaufgabe von Tieren – die dann oft als herrenlos angesehen werden – rechtlich nicht wirksam ist. Ein gefundenes Haustier ist demnach immer auch ein Fundtier, welches ein Recht auf Fürsorge durch die zuständige Behörde, beispielsweise durch Pflege im Tierheim, hat.

Gefundene Hunde, Katzen und mehr – So verhalten Sie sich richtig!

Haben Sie eine gefundene Katze oder einen Hund vor sich und Sie wissen nicht, wie sich Sie sich am besten verhalten sollen? Dann helfen Ihnen die folgenden Informationen weiter:

Über Fundtiere müssen in jedem Fall die zuständigen Behörden informiert werden.

Über Fundtiere müssen in jedem Fall die zuständigen Behörden informiert werden.

  • Fundtiere werden von den Gemeinden generell dem örtlichen Tierheim übertragen. Wenn Sie also dort vorstellig werden, haben Sie den ersten richtigen Schritt getan. Je nach Ort gibt es auch zentral zuständige Fundbüros und ähnliche Meldestellen.
  • Das Tierheim kümmert sich vorerst um gefundene Tiere. Taucht jedoch der ursprüngliche Besitzer auf, erhält er seinen tierischen Gefährten zurück.
  • Besitzansprüche an Fundtieren gehen erst nach einem halben Jahr an neue Halter über. Bis dahin behalten vorherige Besitzer ihren Anspruch.

Gefährlich wird es, wenn tierische Vierbeiner zu Unrecht als Fundtiere angesehen und adoptiert werden. Dadurch wird riskiert, dass ein verzweifelt suchender Tierhalter unglücklich wird und niemals erfährt, was aus seinem früheren Begleiter geworden ist.

Eine gefundene Katze ist nicht in jedem Fall ohne Besitzer. Besonders dann, wenn ihr Fell glänzt und sie eine wohlgenährte Erscheinung hat, ist sie wahrscheinlich einfach nur ein Freigänger. Es ist in jedem Fall davon abzuraten, ein solches Tier zu füttern. Sonst kommt es schnell zur Entfremdung vom alten Zuhause.

Hingegen kann ein eindeutig verwahrloster Vierbeiner, der auch noch am Verhungern ist, immer gefüttert werden. In einem solchen Fall ist das sogar empfehlenswert. Dabei muss nur darauf geachtet werden, nicht gleich zu viel Futter zu geben. Die leeren, kleinen Mägen verkraften das sonst nicht.

Ist ein Fundtier zutraulich genug, sollten Sie es auf folgende Merkmale hin untersuchen: Gibt es ein Halsband, eine Tätowierung oder einen Mikrochip unter der Haut? Bei Chips und Tätowierungen kann in jedem Fall ein Tierarzt oder ein Verantwortlicher im Tierheim bei der Identifikation helfen. Weiterhin gilt:

  • Ob ein Fundhund oder eine -katze nach der Meldung ins Tierheim gebracht oder im Eigenheim versorgt werden, steht dem Finder frei. Auf die offizielle Anzeige darf jedoch nicht verzichtet werden, sonst macht sich derjenige unter dem Aspekt der Fundunterschlagung strafbar.
  • Ist die Meldung nicht schon beim Tierarzt erfolgt, sollte dieser spätestens danach aufgesucht werden. Dann kann der Gesundheitszustand des Tieres genau untersucht werden. Die Kosten dafür übernimmt in der Regel die Stadt, welcher der Fund gemeldet wurde.
  • Unterstützen Sie nach Möglichkeit die Suche nach dem eigentlichen Tierhalter. Eine Möglichkeit: Aushänge mit Telefonnummer an Laternenmasten, schwarzen Brettern und Ähnlichem befestigen.
Besitzansprüche für gefundene Tiere bleiben mindestens für ein halbes Jahr beim ursprünglichen Halter.

Besitzansprüche für gefundene Tiere bleiben mindestens für ein halbes Jahr beim ursprünglichen Halter.

Die richtigen Maßnahmen bei verletzten Tieren

Neben verwahrlosten Tieren, die allein und ausgehungert sind, weisen manche Vierbeiner auch Verletzungen auf. In solchen Fällen sollten Sie schnell handeln, die verletzten Fundtiere behutsam auflesen und zu einem Tierarzt bringen.

Dabei kann neben der medizinischen Behandlung auch eine Identifikation erfolgen und falls möglich, der Halter kontaktiert werden.

Stoßen Sie auf verstorbene Fundtiere am Straßenrand, sollte ebenfalls eine Meldung beim Tierheim oder einer ähnlichen Institution erfolgen. Dadurch wird der Besitzer nicht länger im Ungewissen gelassen.

Der Ablauf bei verletzten Haustieren unterscheidet sich nicht viel von dem, der bei gesunden Fundtieren Anwendung findet. Der Arztbesuch ist in diesem Fall jedoch von höchster Dringlichkeit. Nach der Behandlung und der Meldung bei der zuständigen Fundstelle steht es Ihnen frei, ob Sie dabei helfen wollen, das Zuhause des mitgenommenen Geschöpfes ausfindig zu machen.

Sonderfall: Sie haben Haus- oder Wildtiere angefahren

Bei einem Autounfall, bei dem ein tierisches Wesen zu Schaden gekommen ist, sollten Sie zunächst Ruhe bewahren. Sind Sie nicht zu verletzt für die Aufgabe, müssen Sie in jedem Fall die Unfallstelle absichern und anschließend die Polizei anrufen. Berühren Sie vorerst auf keinen Fall das verletzte Tier. Gerade bei Wildtieren besteht hier die Gefahr, dass das verängstigte und verwirrte Geschöpf Sie oder sich selbst verletzt. Je nach Tierart unterscheidet sich das weitere Vorgehen:

  • Wildtiere: Hier informiert die Polizei in der Regel auch einen Jagdausübungsberechtigten oder Rettungsdienst. Als Betroffener sollte solange an der Unfallstelle gewartet werden, bis alle verantwortlichen Stellen eingetroffen sind. Ist nach 30 Minuten noch keine Hilfe eingetroffen, sollte mit einem wiederholenden Anruf noch einmal auf die Dringlichkeit hingewiesen werden – lebt das Wildtier nach dem Unfall noch, sollte dies schon bei der ersten Meldung passieren.
  • Haustiere: Kontaktiert die Polizei keinen Tierrettungsdienst, wird dem Unfallfahrer oft der Weg zum nächsten Tierarzt oder zur Tierklinik mitgeteilt. Dann kann der Krankentransport selbst übernommen werden, was oft der schnellste Weg ist. Auch wenn Fundtiere angefahren wurden, sollte in jedem Fall auf die zuständigen Beamten gewartet werden. So kann sich vergewissert werden, dass das hilfsbedürftige Wesen auch versorgt wird.
Sollten verwundete Wildtiere wie Wildschweine generell nicht angefasst werden, können zutrauliche Fundtiere durch Berührung Trost erhalten. Doch auch hier sollten zur Sicherheit Handschuhe getragen werden. So ist es möglich, ein auf der Fahrbahn liegendes Tier vorsichtig an den Fahrbahnrand zu befördern. Jeder, der sich auskennt, kann auch Erste Hilfe am Tier anwenden. Das Verbinden von stark blutenden Wunden oder eine Herzmassage kann Tierleben retten. Eine Tierarztbehandlung muss aber in jedem Fall erfolgen, selbst wenn die Verletzungen gering erscheinen.

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2 Kommentare

  1. ursula n. sagt:

    über weitere Infos zum Thema Tierschutz und Pflichten der Gemeinden würde ich mich freuen…
    Ursula N.

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