Nutztierhaltung nach Gesetz: Damit es auch Tiere in der Landwirtschaft gut haben

Artgerechte Pflege für Tiere mit speziellem Nutzen

Die Nutztierhaltung unterliegt in Deutschland strikten Vorschriften.

Die Nutztierhaltung unterliegt in Deutschland strikten Vorschriften.

Der Begriff artgerechte Tierhaltung gewinnt in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Vielen Menschen ist es nicht länger gleich, wie es den Tieren ergeht, bevor sie unter anderem den Weg in die Fleischverarbeitung finden.

Auch der Gesetzgeber hat schon vor einiger Zeit erkannt, dass die Schaffung einer Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (kurz: Nutztierhaltungs-VO) der richtige Weg ist, um ein angemessenes Haltungsniveau für die betroffenen Tiere zu schaffen.

Dieser Ratgeber bietet einen Überblick zu grundlegenden Themen der Nutztierhaltung und betrachtet dazu auch die betreffende Nutztierhaltungsverordnung einmal genauer. Hier erfahren Sie weiterhin, was Sie bei der Tierhaltung in Wohngebieten beachten müssen und warum der Einsatz von Hormonen in der Landwirtschaft mehr und mehr umstritten ist.

Allgemeine Anforderungen an die artgerechte Nutztierhaltung in Deutschland

Egal, ob eine Nutztierhaltung im Wohngebiet oder in einem Landwirtschaftsbetrieb erfolgen soll: Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung macht genaue Vorgaben dazu, wie Haltungseinrichtungen in Deutschland gestaltet sein müssen. Bei der Ausstattung dieser gelten folgende Vorgaben:

  • In Bezug auf Bauweise, Zustand und genutzte Materialien muss die Einrichtung so geschaffen sein, dass sich kein Tier bei deren Nutzung verletzen kann.
  • Es sind entsprechende Futter- und Trinkvorrichtungen vorhanden, welche den Tieren einen leichten Zugang zu Nahrung und Wasser gewähren sowie eine Verschmutzung dieser Quellen weitestgehend ausschließen.
  • Ein gewisser Gesundheitsschutz durch Abschirmung vor Witterung und natürlichen Feinden hat Bestand. Eine Möglichkeit zum Unterstellen ist bei auslaufenden Nutztieren angemessen.

Geht es um Ställe, schreibt der Gesetzgeber weiterhin vor, dass es bestimmte technische Beleuchtungseinrichtungen geben muss, welche eine Untersuchung der gehaltenen Lebewesen zu jeder Zeit ermöglichen. Luftzirkulation, Staubgehalt, Temperatur und Feuchte müssen in einem Maß vorhanden sein, welches nicht gesundheitsschädlich ist. Wird ein elektrisches Lüftungssystem genutzt, ist eine Ersatzvorrichtung zu installieren, die sich bei Ausfall aktiviert.

Besteht eine Haltung von Nutztieren, verpflichten sich die Eigentümer außerdem dazu, tägliche Überprüfungen und medizinische Behandlungen zu dokumentieren. Ab dem Zeitpunkt der Aufzeichnung besteht eine Aufbewahrungspflicht von drei Jahren. Auf Verlangen müssen die Daten der zuständigen Behörde vorgelegt werden.


Auch die Viehhaltung in Deutschland unterliegt der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.

Auch die Viehhaltung in Deutschland unterliegt der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.

Überwachung und Pflege

Nicht nur zu den spezifischen Haltungseinrichtungen macht die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung genaue Vorschriften. Auch die Aspekte der Fütterung und der Pflege werden nicht außer Acht gelassen. So darf eine Nutztierhaltung nur dann bestehen, wenn auch ausreichend Personen vorhanden sind, welche die notwendigen Kenntnisse besitzen und sich entsprechend kümmern können.

Bei der täglichen Fütterung muss folglich der Zustand alle Nutztiere erfasst werden. Kranke Exemplare bedürfen einer unverzüglichen tierärztlichen Behandlung. Kommt es zu Todesfällen, sind die sterblichen Überreste zu entfernen.

Werden elektrische Geräte oder Anlagen genutzt, muss mindestens einmal am Tag eine Kontrolle auf Funktionalität erfolgen. Bei Notstromaggregaten und Alarmanlagen richten sich die Kontrollen nach den Herstellerangaben. Offenbaren sich Mängel, müssen die entsprechenden Geräte unverzüglich abgestellt oder nach Möglichkeit durch alternative Schutzmaßnahmen ersetzt werden.

In keinem Fall darf eine konstante Versorgung mit Frischluft, Wasser, Futter und Licht ausfallen, auch nicht bei einer Betriebsstörung. Weiterhin ist darauf zu achten, dass die Tiere in einer Nutztierhaltung einer nicht zu dauerhaften oder plötzlichen Lärmkulisse ausgesetzt sind. Werden Maschinen im Betriebsablauf eingesetzt, die einen hohen Geräuschpegel besitzen, ist für entsprechende Abschirmung zu sorgen. Weitere wichtige Faktoren sind:

Hormone in der Nutztierhaltung: Vor allem bei Schweinen werden diese eingesetzt.

Hormone in der Nutztierhaltung: Vor allem bei Schweinen werden diese eingesetzt.

  • Sauberkeit: Ausscheidungen von Rindern, Legehennen, Masthühnern, Schweinen, Kaninchen und anderen Nutztieren sind so oft zu entfernen wie nur möglich.
  • Beleuchtungsdauer und -intensität: Lichtanlagen müssen den Bedürfnissen der gehaltenen Tierarten angepasst sein. Speziell bei Geflügel ist es von besonderer Bedeutung, dass der Lichteinfall flackerfrei erfolgt.

Hormone in der Nutztierhaltung

Immer häufiger werden Hormone bei Nutztieren eingesetzt, speziell bei Schweinen. Denn Sexualhormone sorgen bei den Paarhufern dafür, dass sich die Sexualzyklen angleichen. Daraus folgt das erwünschte Resultat, dass bedeutend mehr Ferkel geboren werden, als es bei natürlichem Paarungsverhalten der Fall wäre.

Doch die Kritiker verschaffen sich immer lauter Gehör. So argumentieren sie, dass Schlachthöfe sich immer mehr in Hochleistungsfabriken verwandeln und die Hormone dafür sorgen, dass die Schweine Erbgutschäden und ein höheres Krebsrisiko davontragen.

Gerade Handelsabkommen, die in Zukunft verabschiedet werden könnten, lassen Tierschützer bangen. Denn der Einsatz von Hormonen ist beispielsweise in der Landwirtschaft der USA gang und gäbe. Kommt es zu Freihandelsabkommen, könnten auch in Deutschland immer mehr Verbote abhandenkommen und die Intransparenz in der Verarbeitung zunehmen.

Bisher gibt es hierzulande keine Verbote gegen den Hormoneinsatz bei Schweinen. Verbraucher, die sich dem widersetzen wollen, können bisher nur selbst aktiv werden: Tierschutz fördern, weniger Fleisch essen und sich nach Standards der Herstellung erkundigen – so können auch Einzelne etwas bewirken und womöglich die Gesellschaft irgendwann zum Umdenken bewegen.

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