Beschlagnahme vom Führerschein durch die Polizei: Wann wird sie durchgeführt?

Von Sarah, letzte Aktualisierung am: 26. Juli 2019

Eine Führerscheinbeschlagnahme ist keine Seltenheit

Darf die Polizei eine Beschlagnahme vom Führerschein durchführen?

Darf die Polizei eine Beschlagnahme vom Führerschein durchführen?

Wird im Rahmen einer Verkehrskontrolle eine Straftat, wie beispielsweise das Fahren unter starkem Alkoholeinfluss festgestellt, kann es vorkommen, dass die Beamten noch vor Ort eine Beschlagnahmung vom Führerschein vollziehen.

Handelt es sich lediglich um eine geringfügige Ordnungswidrigkeit, ist nicht zu befürchten, dass eine Führerschein-Beschlagnahme durch die Polizei durchgeführt wird. Doch ab wann dürfen die Beamten das Dokument eigentlich einkassieren?

Welche konkreten Auswirkungen hat die Beschlagnahme vom Führerschein auf die Fahrerlaubnis des Betroffenen? Was droht, wenn Sie trotz der Führerscheinbeschlagnahme am Straßenverkehr teilnehmen? Diesen Fragen geht der nachfolgende Ratgeber auf den Grund und informiert Sie umfassend.

Beschlagnahme vom Führerschein gemäß Paragraph 111a Strafprozessordnung (StPO)

Nicht bei jeder Ordnungswidrigkeit kann eine Beschlagnahme vom Führerschein gemäß StPO angeordnet bzw. durchgeführt werden. § 111a Absatz 1 StPO definiert diesbezüglich Folgendes:

Sind dringende Gründe für die Annahme vorhanden, daß die Fahrerlaubnis entzogen werden wird (§ 69 des Strafgesetzbuches), so kann der Richter dem Beschuldigten durch Beschluß die Fahrerlaubnis vorläufig entziehen. Von der vorläufigen Entziehung können bestimmte Arten von Kraftfahrzeugen ausgenommen werden, wenn besondere Umstände die Annahme rechtfertigen, daß der Zweck der Maßnahme dadurch nicht gefährdet wird.

Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass für die Beschlagnahme vom Führerschein eine richterliche Entscheidung vonnöten ist. Allerdings kann die Polizei das Dokument auch vorläufig entziehen, wenn Gefahr im Verzug ist. Das ist beispielsweise bei Drogen oder Alkohol am Steuer der Fall.

Gut zu wissen: Bei den nachfolgenden Straftaten wird häufig eine Beschlagnahme vom Führerschein angeordnet: Teilnahme an illegalen Autorennen, Gefährdung des Straßenverkehr, Alkohol am Steuer oder Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (Fahrerflucht).

Führerschein beschlagnahmt und trotzdem fahren: Keine gute Idee

Wurde eine Führerscheinbeschlagnahme durchgeführt, dürfen Sie vorerst nicht am Straßenverkehr teilnehmen.

Wurde eine Führerscheinbeschlagnahme durchgeführt, dürfen Sie vorerst nicht am Straßenverkehr teilnehmen.

Wurde eine Beschlagnahme vom Führerschein durchgeführt, kommt dies quasi einem Fahrverbot gleich. Nehmen Sie dann trotzdem mit einem Kraftfahrzeug am Straßenverkehr teil, handelt es sich um eine Straftat.

Das Fahren ohne Fahrerlaubnis während der Führerschein in Gewahrsam genommen wurde, wird gemäß § 21 Strafgesetzbuch (StGB) mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder einer Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen sanktioniert.

Wichtig: Lassen Sie als Fahrzeughalter zu, dass jemand, dessen Führerschein beschlagnahmt wurde, mit Ihrem Kfz am Straßenverkehr teilnimmt, so erwartet auch Sie eine einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder eine Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen

Führerschein beschlagnahmt: Wie lange bleibt das Dokument in Verwahrung?

Wie lange eine Beschlagnahme vom Führerschein Bestand hat, kann nicht pauschal angegeben werden. Dies hängt immer von den individuellen Umständen des Einzelfalls ab. Die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis muss allerdings aufgehoben werden, wenn der Grund für selbige wegfällt oder das Gericht in seinem Urteil keine Entziehung der Fahrerlaubnis anordnet.

Führerschein beschlagnahmt: Findet eine Anrechnung aufs Fahrverbot statt?

Wurde der Führerschein beschlagnahmt, weil Fahrerflucht oder andere Straftaten dazu geführt, haben. dass Zweifel an der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen beim Betroffenen bestehen, ist diese Situation erst einmal mit einem Fahrverbot auf unbestimmte Zeit zu vergleichen.

Bis die Ermittlungen abgeschlossen und das Gericht zu einem Urteil gekommen sind, ist grundsätzlich erst einmal die Teilnahme am Straßenverkehr ausgeschlossen. Wird allerdings im Rahmen der Hauptverhandlung kein Entzug der Fahrerlaubnis und lediglich ein Fahrverbot ausgesprochen, fragen sich Betroffene, ob die Beschlagnahme des Führerscheins auf selbiges angerechnet wird.

Grundsätzlich muss der Zeitraum, in dem der Führerschein beschlagnahmt war, nicht automatisch auf ein nachträglich verhängtes Fahrverbot angerechnet werden. Allerdings empfiehlt es sich, im Einzelfall einen Anwalt für Verkehrsrecht zu konsultieren. Dieser kann durch einen Widerspruch eventuell doch noch die Anrechnung der Beschlagnahme vom Führerschein erwirken.

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