TÜV überziehen – Keinesfalls erlaubt oder völlig in Ordnung?

Von Sandra, letzte Aktualisierung am: 2. Mai 2019

Den TÜV gibt es nicht ohne Grund

Mit dem Pkw den TÜV überziehen: Ohne „Strafe“ kommen Sie einen Monat lang davon, aber sie sollten aus Sicherheitsgründen davon absehen.

Mit dem Pkw den TÜV überziehen: Ohne „Strafe“ kommen Sie einen Monat lang davon, aber sie sollten aus Sicherheitsgründen davon absehen.

Ein Defekt am Fahrzeug muss nicht immer sofort zu einer Gefahr werden. Ein oberflächlicher Blechschaden wird in den seltensten Fällen die Verkehrssicherheit gefährden. Ist aber etwa ein Teil der Beleuchtung kaputt, kann das schnell ganz anders aussehen – auch wenn der Defekt auf den ersten Blick recht unbedeutend wirkt. Bei anderen Punkten, die bei der Hauptuntersuchung (HU) geprüft werden, erschließt sich dem Fahrer das Gefahrenpotenzial möglicherweise schneller: Steht das Lenkrad in der richtigen Stellung? Ist die Bremsanlage dicht? Sind die Felgen unbeschädigt und gut befestigt? Sind tragende Teile durchgerostet?

All diese Punkte werden bei der Hauptuntersuchung geprüft – neben einigen anderen. Da ein defektes Kfz nicht nur für Sie selbst, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer eine Gefahr darstellen kann, ist eine umfassende Untersuchung im Zweijahrestakt vorgeschrieben. Da diese mit Kosten verbunden ist, fragen sich viele Autofahrer, ob sie die Untersuchung zumindest einige Zeit später durchführen lassen können. Die HU zu überziehen, stellt allerdings ein Risiko dar. Erfahren Sie hier, welche Konsequenzen es hat, den TÜV zu überziehen, und ob Kosten damit einhergehen.

Auszug aus dem Bußgeldkatalog zum Überziehen der Hauptuntersuchung

TatbestandBußgeldPunkte in FlensburgFahr­verbot
Sie fahren einen Pkw und haben die Haupt­untersuchung überzogen
... um 2 bis 4 Monate15 €--
... um 4 bis 8 Monate25 €--
... um mehr als 8 Monate60 €1-
Sie fahren ein Kfz, für das eine Sicherheits­prüfung vorgeschrieben ist, und haben die Haupt­untersuchung überzogen
... um bis zu 2 Monate15 €--
... um 2 bis 4 Monate25 €--
... um 4 bis 8 Monate60 €1-
... um mehr als 8 Monate75 €1-

Wann muss das Fahrzeug zum TÜV?

Das TÜV-Überziehen mit einem Anhänger, für den eine Sicherheitsprüfung nötig ist, bringt bereits ab dem ersten Monat ein Bußgeld mit sich.

Das TÜV-Überziehen mit einem Anhänger, für den eine Sicherheitsprüfung nötig ist, bringt bereits ab dem ersten Monat ein Bußgeld mit sich.

Den TÜV überziehen – wie lange ist das möglich? Stellen Sie sich so eine Frage, müssen Sie zunächst einmal wissen, wann der nächste Termin für Ihr Fahrzeug fällig ist. Das erfahren Sie anhand der Plakette, die bei der letzten bestandenen HU am hinteren Kennzeichenschild Ihres Fahrzeugs angebracht wurde. Sie sollten hin und wieder, wenn Sie die Hauptuntersuchung nicht aus Versehen überziehen wollen, einen Blick auf diese Plakette werfen oder sich gleich notieren, wann Sie wieder zum TÜV müssen.

Die TÜV-Plakette ist einfach zu lesen, wenn Sie das Grundprinzip einmal verstanden haben. In der Mitte befindet sich eine Zahl, die das Jahr angibt, in dem Sie zur nächsten Untersuchung müssen, also beispielsweise 20 für das Jahr 2020. Um das Zentrum der Plakette sind die Zahlen 1 bis 12 gegen den Uhrzeigersinn angeordnet. In welchem Monat die nächste HU stattfinden soll, finden Sie anhand der Zahl heraus, die ganz oben steht, beispielsweise steht 6 für Juni.

Die Plakette weist zudem jedes Jahr eine andere Farbe auf. Das macht es für die Polizei leichter, schnell herauszufinden, ob Sie den TÜV bereits überziehen. Ihr Auto würde in so einem Fall beispielsweise in einer mobilen Kontrolle auf den nächsten Parkplatz ausgeleitet werden. Haben Sie nämlich die Hauptuntersuchung überzogen, kann das Kosten in Form eines Bußgeldes mit sich bringen.

Den gleichen Zweck wie die unterschiedlichen Farben haben auch die Striche auf der Plakette. Diese markieren immer die Ziffern 1, 12 und 11. Anhand ihrer Stellung können Beamte, die mit ihrem Fahrzeug hinter Ihnen fahren, leicht erkennen, dass Sie beispielsweise 2 Monate den TÜV überziehen. Anhand der folgenden Grafik können Sie dieses System noch einmal nachvollziehen:

TÜV überziehen: Infografik zum besseren Verständnis, wie Sie die TÜV-Plakette lesen

TÜV überziehen: Infografik zum besseren Verständnis, wie Sie die TÜV-Plakette lesen

TÜV überziehen: Bußgeld und Punkte können folgen

Die Hauptuntersuchung mit dem Pkw zu überziehen, muss nicht immer absichtlich passieren. Dennoch drohen Sanktionen gemäß Bußgeldkatalog, wenn Ihre Plakette abgelaufen ist. Diese sind in ihrer Höhe davon abhängig, mit welchen Fahrzeug Sie unterwegs sind: Den TÜV zu überziehen, wird bei Lkw, Bussen und bestimmten Anhängern härter geahndet als bei Pkw.

Das TÜV-Überziehen kann Mehrkosten durch eine Erhöhung der HU-Gebühren mit sich bringen.

Das TÜV-Überziehen kann Mehrkosten durch eine Erhöhung der HU-Gebühren mit sich bringen.

Das liegt daran, dass für diese Fahrzeuge eine zusätzliche Sicherheitsprüfung vorgeschrieben ist. Diese ist verpflichtend für Kfz, die als Nutzfahrzeuge betrieben werden, sowie für deren Anhänger. Geprüft werden besonders sicherheitsrelevante Fahrzeugteile, etwa die Brems- und Lenkanlagen und die Verbindungseinrichtungen.

Den TÜV zu überziehen, ist 1 Monat für Pkw-Fahrer möglich. Werden Sie in so einem Fall von der Polizei angehalten, erhalten Sie in der Regel eine Verwarnung, müssen allerdings noch kein Bußgeld zahlen. Anders verhält es sich, wenn Sie den TÜV mit einem Anhänger überziehen, für den eine Sicherheitsprüfung nötig ist bzw. mit einem Lkw oder Kraftomnibus unterwegs sind: Dann müssen Sie im gleichen Zeitraum bereits ein Bußgeld von 15 Euro zahlen.

3 Monate den TÜV zu überziehen, kostet entweder 15 oder 25 Euro – abhängig ist das wiederum von der Notwendigkeit einer Sicherheitsprüfung. Das Bußgeld wird höher, je länger Sie den TÜV überziehen. 2 Monate sind vielleicht noch nicht allzu teuer, aber bei mehr als 8 Monaten kommt zusätzlich noch ein Punkt in Flensburg hinzu. Das gilt allerdings nur für Pkw-Fahrer – benötigt Ihr Fahrzeug eine Sicherheitsprüfung, bekommen Sie den Punkt schon bei einer Überziehung um mehr als 4 Monate.

Beim TÜV-Überziehen können Gebühren anfallen: Verspäten Sie sich um mehr als 2 Monate, wird in der Regel eine vertiefte HU durchgeführt. Ihr Fahrzeug wird dabei noch genauer geprüft, weil Sie den TÜV überzogen haben. Zusätzliche Gebühren in Höhe von 20 Prozent der HU-Gebühren werden im Zuge dessen üblicherweise erhoben.

Was kann passieren, wenn Sie den TÜV überziehen?

Ein Unfall ist sicherlich nie eine angenehme Erfahrung. Die Hauptuntersuchung, die regelmäßig stattfinden sollte, dient dazu, zumindest zu verhindern, dass ein Verkehrsunfall wegen grober Sicherheitsmängel am Fahrzeug verursacht wird. Wenn Sie den TÜV überziehen, kann Ihre Versicherung Sie in Regress nehmen, wenn der Unfall durch technische Mängel verursacht wurde. Dazu muss sie allerdings nachweisen, dass die rechtzeitige HU diesen Unfall verhindert hätte.

Können Sie den TÜV überziehen, wenn ein Saisonkennzeichen an Ihrem Fahrzeug angebracht ist? Gewissermaßen ja. Liegt der Termin zur Hauptuntersuchung außerhalb des Betriebszeitraums, müssen Sie den TÜV nicht in diesem Monat aufsuchen, sondern im ersten Monat des Betriebszeitraums.

Den TÜV zu überziehen, kann die Probezeit beeinflussen: Gehen Sie länger als 8 Monate nach dem festgesetzten Monat nicht zur HU, handeln Sie sich einen B-Verstoß ein.
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