Toll Collect: Wie funktioniert das Mautsystem in Deutschland?

System zur Einnahme von Mautgebühren

In Deutschland gibt es über 3600 Toll-Collect-Stationen, an denen manuell gebucht werden kann.

In Deutschland gibt es über 3600 Toll-Collect-Stationen, an denen manuell gebucht werden kann.

Die Firma „Toll Collect“ wurde im Jahr 2002 gegründet und gilt seitdem als Gemeinschaftsunternehmen von Daimler, der Deutschen Telekom sowie der Vinci-Gruppe aus Frankreich.

Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Berlin sowie weitere Stellen in Hannover, Nürnberg, Pforzheim und Potsdam und beschäftigt zurzeit rund 600 Mitarbeiter.

Toll Collect war eine der Firmen, die sich im Vergabeverfahren rund um die LKW-Maut in Deutschland bemühte und im Zuge dessen 2002 den Zuschlag bekam.

Seit dem 1. Januar 2005 betreibt Toll Collect nun das Mautsystem, durch das von LKW-Fahrern in Deutschland eine Straßenbenutzungsgebühr eingefordert wird.

Aber wie funktioniert die Buchung der LKW-Maut durch Toll Collect genau? Welche Terminals sind zur vereinfachten Abbuchung zu verwenden? Und welche Strecken sind eigentlich genau mautpflichtig? Lesen Sie mehr in unserem Ratgeber zum Thema!

Einführung des deutschen Mautsystems

Wie bereits erwähnt, fand die Einführung der von Toll Collect organisierten Maut bzw. des Systems am 1. Januar 2005 statt. Zu diesem Zeitpunkt war die Erfassung und Zahlung von Mautbeiträgen noch durch viele technische Defekte geprägt, die vollends erst ein Jahr später – am 1. Januar 2006 – behoben wurden.

Durch die Zahlung von Mautbeiträgen soll dem Verursacherprinzip Rechnung getragen werden. Das bedeutet: Die Fahrzeuge, die den Verschleiß der Straßen mitunter beeinflussen, sollen auch an deren Instandhaltung beteiligt sein. Das gilt nicht nur für deutsche LKW-Fahrer, sondern auch für alle ausländischen, die auf deutschen Straßen unterwegs sind.

Was wird durch die Maut finanziert?

Die von Toll Collect eingezogene Maut wird im Direktverfahren an den Bund weitergeleitet. Aber was macht der Bund genau mit dem eingenommenen Geld? Da Mauteinnahmen der Instandsetzung der deutschen Straßen dienen sollen, wird ein Großteil des Geldes seit 2011 in die Finanzierung der Bundesfernstraßen gesteckt. Bis zum Jahr 2010 wurden damit noch Straßen, Schienen sowie Binnenwasserstraßen finanziert.

Wer muss die Maut zahlen und wie legt Toll Collect die Preise fest?

Die Maut wird durch das System von Toll Collect gebucht und abgerechnet.

Die Maut wird durch das System von Toll Collect gebucht und abgerechnet.

Grundsätzlich muss nicht jedes Fahrzeug im Straßenverkehr eine Maut zahlen. Ist die Frage einer PKW-Maut noch größtenteils ungeklärt, so wird schon über zehn Jahre die Maut für LKW gezahlt.

Die durch Toll Collect eingezogene Maut müssen Fahrer buchen, wenn das Kraftfahrzeug gewerblich genutzt oder eingesetzt wird und es mehr als 7,5 Tonnen schwer ist.

Bis Ende September 2015 war noch ein Gewicht von mindestens 12 Tonnen entscheidend. Von dieser Regelung ausgenommen sind Busse, da sie keiner Mautpflicht unterliegen.

Aber wie sind durch Toll Collect die Tarife festgelegt? Nicht für jedes Kraftfahrzeug müssen die gleichen Preise gezahlt werden.

Sie sind von folgenden Parametern abhängig:


Seit dem 1. Oktober 2015 liegen die Mautsätze pro gefahrenem Kilometer je nach Ausstattung des LKW zwischen 8,1 und 21,8 Cent. Die Toll-Collect-Tarife lauten demnach wie folgt:
Schadstoffklasse KategorieAchszahlMautsatz gesamt (Kosten für Luftverschmutzung und Infrastruktur) in Cent
Kategorie A28,1
311,3
411,7
ab 513,5
Kategorie B210,2
313,4
413,8
ab 515,6
Kategorie C211,3
314,5
414,9
ab 516,7
Kategorie D214,4
317,6
418,0
ab 519,8
Kategorie E215,4
318,6
419,0
ab 520,8
Kategorie F216,4
319,6
420,0
ab 521,8

Je nach Schadstoffklasse, Achszahl und Länge der zu fahrenden Strecke sind also abweichende Mauttarife möglich. Anhand der obigen Tabelle können Sie errechnen, wie Toll Collect die Kosten errechnet, die für Ihre Fahrt anfallen.

Welche Strecken in Deutschland sind mautpflichtig?

Ab 2018 müssen Sie kein von Toll Collect zur Verfügung gestelltes Maut-Terminal mehr anfahren, wenn Sie eine App haben.

Ab 2018 müssen Sie kein von Toll Collect zur Verfügung gestelltes Maut-Terminal mehr anfahren, wenn Sie eine App haben.

Nicht auf jeder Straßenstrecke in Deutschland müssen allerdings Mautbeiträge gezahlt werden. Es gibt durchaus auch Abschnitte, auf denen keine Zahlung geleistet werden muss.

Aber wo gilt die Mautpflicht genau? Grundsätzlich müssen auf vielen Bundesautobahnabschnitten sowie Bundesstraßen Mautgebühren entrichtet werden.

Allerdings ist dies nicht auf allen Strecken nötig. Besonders die Abschnitte auf Bundesstraßen wurden mit der Mautstreckenausdehnungsverordnung (MautStrAusdehnV) vom 1. Januar 2007 eingeführt, da vorher nur auf Bundesautobahnen eine Mautpflicht bestand.

Weil viele LKW-Fahrer deshalb allerdings auf Bundesstraßen auswichen, um der Mautpflicht zu entgehen, wurden auch viele dieser bemautet. Dazu gehören nach dem Bundesfernstraßenmautgesetz (BFStrMG) seit 2012 zudem Abschnitte, die

  • zwei oder mehr Fahrstreifen je Richtung vorweisen,
  • durch Mittelstreifen oder sonstige bauliche Einrichtungen getrennt sind und so getrennte Fahrbahnen in eine Richtung aufweisen,
  • unmittelbar an eine Bundesautobahn angrenzen,
  • eine Länge von mindestens vier Kilometern aufweisen,
  • keine Ortsdurchfahrten sind (laut Bundesfernstraßengesetz).

Technik von Toll Collect: Wie die Maut der Berechnung unterzogen wird

Aber auf welchen Wegen können LKW-Fahrer ihre Maut bezahlen? Und wie funktioniert die automatische Erfassung der Daten durch das Toll-Collect-System? Zu unterscheiden sind hier zunächst zwei grundlegende Arten, wie Betroffene ihre Maut bezahlen können: durch ein Toll-Collect-Gerät im LKW, das direkt eingebaut wird oder manuell durch einen Toll-Collect-Automaten bzw. über einen Online-Zugang im Kundenportal. Wie sich die beiden Varianten unterscheiden, soll im Folgenden beschrieben werden.

Automatische Erfassung von Daten durch Toll Collect

Zur automatischen Erfassung und Abrechnung der Maut können Sie bei Toll Collect ein entsprechendes Mautgerät beantragen. Dieses „On-Board-Unit“ genannte Gerät wird dann von einer ausgesuchten Werkstatt, die mit Toll Collect kooperiert, in Ihren LKW integriert. Das Gerät kann entweder direkt eingebaut oder auf dem Armaturenbrett installiert werden und wird direkt zu Beginn richtig eingestellt.

Das bedeutet: Es wird festgelegt, welche Schadstoffklasse Ihr LKW besitzt oder welches Kennzeichen dieser aufweist. Die On-Board-Unit wird Ihnen kostenlos durch die Toll Collect GmbH zur Verfügung gestellt, lediglich den Einbau müssen Sie selbst zahlen. Somit bleibt das Unternehmen auch Besitzer des Geräts, Sie erhalten allerdings die Nutzungsrechte.

Durch ein GPS-Signal, das satellitengestützt ist, kann die automatische Erfassung der Route und somit auch der Mautpflicht erfolgen. Die Routendaten werden dann an den Rechner des Betreibers gesendet, sodass eine Abrechnung erfolgen kann. Für diese Vorgehensweise müssen die LKW natürlich bei Toll Collect registriert sein.

Wurde Ihnen Ihr LKW gestohlen, in dem Sie eine On-Board-Unit installiert haben, so kann bei Toll Collect eine Erfassung der Streckendaten angefordert werden. Diese kann dabei hilfreich sein, den Dieb zu fassen bzw. nachzuverfolgen, wohin er mit dem LKW gefahren ist. Das ist allerdings nur möglich, wenn der Dieb auch mautpflichtige Straßen befahren hat, nachdem er den LKW entwendete.

Toll Collect: Wie die manuelle Einbuchung funktioniert

Bei Toll Collect können Sie manuell einbuchen - oder eine On-Board-Unit im Fahrerhaus installieren lassen.

Bei Toll Collect können Sie manuell einbuchen – oder eine On-Board-Unit im Fahrerhaus installieren lassen.

Besitzt eine Spedition bzw. der entsprechende LKW kein Gerät, das von Toll Collect als On-Board-Unit installiert wird, so kann die von Toll Collect registrierte Maut am Terminal oder auch online gebucht werden.

Erfolgt die Buchung über ein Terminal, so stehen hierzu in Deutschland rund 3.600 Automaten zur Verfügung, an denen bis zu vier Tage vor Antritt der entsprechenden Fahrt gebucht werden kann. Sollten Sie diese Option wählen, benötigen Sie keine Registrierung bei Toll Collect.

Dazu müssen folgende Daten vorliegen und an Toll-Collect-Stationen eingegeben werden:

  • LKW-Daten wie Schadstoffklasse oder Kennzeichen,
  • Beginn der Fahrt,
  • Fahrtziel.

Der Toll-Collect-Automat errechnet die kürzeste Route und gibt auch den Mautpreis an. Die Route kann vom Bediener allerdings individuell verändert werden.

Zahlbar ist der Mautbetrag dann per Tank- oder Kreditkarte. Im Anschluss an den Buchungsvorgang wird eine Quittung ausgegeben, die der LKW-Fahrer während der Fahrt vorzeigebereit mitführen muss.

Haben Sie sich registriert, stellt Ihnen Toll Collect eine sogenannte Fahrzeugkarte aus. Diese speichert nicht nur alle Daten über Ihr Fahrzeug, sondern auch die Zahlungsweise. Die Fahrzeugkarte können Sie am Terminal einfach einstecken, um eine erneute Eingabe Ihrer Daten zu vermeiden.

Allerdings können Sie bei Toll Collect die Maut auch online buchen und sind somit nicht darauf angewiesen, die von Toll Collect festgelegten Terminal-Standorte anzufahren. Dazu müssen Sie sich ebenfalls registrieren. Weiterhin gilt im Prinzip das Gleiche wie für die Einbuchung am Terminal. Nach dem Login müssen Sie die Startzeit der Fahrt, Ihre LKW-Daten sowie den Start- und Zielort eingeben.

Die kürzeste Route wird Ihnen angezeigt, Sie können diese aber bei Bedarf ändern. Im Anschluss an die Buchung erhalten Sie eine entsprechende Nummer, die der Fahrzeugführer auf der Fahrt parat haben sollte. Bei Bedarf – also beispielsweise bei einer Mautkontrolle – sollte die Buchungsnummer vorgezeigt werden. Auch dann, wenn Sie eine Fahrt doch nicht mehr gänzlich antreten oder ändern wollen, benötigen Sie die Buchungsnummer beispielsweise an Toll-Collect-Mautstellen, um Ihre Route ändern zu können.

Einmal monatlich wird an alle Kunden eine Mautaufstellung von Toll Collect verschickt. Das bedeutet, dass alle gefahrenen mautpflichtigen Strecken aufgelistet werden, zusätzlich die Kennzeichen der betreffenden LKW, ob ein automatisches oder manuelles Verfahren genutzt, wie viele Kilometer gefahren wurden und welcher Geldbetrag in Euro dafür zu zahlen ist. Je nachdem, welche Zahlungsart mit dem Unternehmen vereinbart wurde, kann entweder per Lastschrift, Kreditkarte, Guthaben oder Tankkarte gezahlt werden.

Können Sie bei Toll Collect eine Maut auch nachzahlen?

Normalerweise gilt, dass die Mautbuchung vor Antritt der entsprechenden Fahrt erfolgen muss. Unterlässt der LKW-Fahrer bzw. der zuständige Spediteur die Buchung und stellt sich durch eine Überprüfung heraus, dass die Zahlung fehlt, so muss die Maut auch nachträglich noch gezahlt werden.

Zusätzlich wird ein Bußgeld fällig, das je nach Ordnungswidrigkeit unterschiedlich hoch ausfallen kann – sowohl für den Fahrer als auch für den Halter des Fahrzeugs. Gemäß § 8 des BFStrMG kann eine nachträgliche Mauterhebung erfolgen, wenn diese noch nicht entrichtet und auch nicht nachträglich im Zuge einer Kontrolle eingefordert wurde. Dabei gilt laut § 8 Absatz 2:

Kann bei der nachträglichen Mauterhebung die tatsächliche Wegstrecke der Benutzung mautpflichtiger Straßen im Sinne des § 1 nicht festgestellt werden, wird eine Maut erhoben, die einer Wegstrecke von 500 Kilometern auf mautpflichtigen Straßen im Sinne des § 1 entspricht. Eine nachträgliche Mauterhebung entfällt, soweit der Mautschuldner nachweislich die ihm obliegenden Pflichten bei der Mautentrichtung erfüllt hat.

Das bedeutet also, dass die Maut für eine Strecke bis zu 500 km berechnet werden kann und zwar auch dann, wenn diese gar nicht gefahren wurden.

Bußgeld bei Nichtzahlung der Maut

Entrichten Sie die Maut bei Toll Collect nicht vor Antritt der Fahrt, kann ein Bußgeld fällig werden.

Entrichten Sie die Maut bei Toll Collect nicht vor Antritt der Fahrt, kann ein Bußgeld fällig werden.

Entrichten Sie Ihre Maut bei Toll Collect nicht, müssen Sie – neben der Nachzahlung der Maut – ebenfalls ein Bußgeld zahlen, wenn Sie erwischt werden. Wie hoch dieses ausfällt, kommt darauf an, gegen welche Regel Sie dabei verstoßen haben. Zahlen Sie die Maut nicht, kostet dies für den Fahrer 200 Euro, für den Unternehmer 400 Euro.

Wird die falsche Achszahl eingetragen, wird gegen den Fahrer und den Unternehmer nur ein Verwarngeld in Höhe von 35 Euro verhängt, wenn die Mautdifferenz nicht allzu hoch ist. Ist diese allerdings beträchtlich, werden für den Fahrzeugführer 100 Euro, für den Unternehmer das Doppelte – also 200 Euro – fällig.

Zusätzlich kann auch bei der falschen Angabe der Schadstoffklasse ein Bußgeld entstehen. Geschieht dies bei der automatischen Einbuchung, müssen 200 Euro vom Unternehmer gezahlt werden, manuell ist zusätzlich für den Fahrer mit einem Verwarn- oder Bußgeld zwischen 35 und 100 Euro zu rechnen.

Gleiche Bußgelder für Fahrzeugführer und Unternehmer bzw. Disponent gelten auch, wenn beispielsweise von der gebuchten Mautstrecke abgewichen wurde.

Kontrolle der Mautbuchung: Was passiert, wenn Sie Toll-Collect-Tarife nicht buchen?

Sollte ein LKW-Fahrer oder Spediteur einmal vergessen, die Maut zu zahlen, kann wie bereits erwähnt ein Bußgeld gegen ihn verhängt werden. Die Kontrolle der korrekten Buchung erfolgt bei Toll Collect auf unterschiedliche Arten: automatisch, stationär, mobil oder durch die Überprüfung einzelner Betriebe. Aber wie unterscheiden sich diese Kontrollarten genau? Eine kleine Übersicht soll zeigen, auf welchen Wegen die Mautkontrolle funktioniert.

Automatische Kontrolle

Eine automatische Überprüfung der Mautentrichtung erfolgt durch Kontrollgeräte, die über der Fahrbahn von Bundesautobahnen oder mautpflichtigen Bundesstraßen angebracht sind. Um den Datenschutz zu gewährleisten, beschränkt sich die stichprobenartige Überprüfung auf 10 Millionen Fahrzeuge im Jahr. Davon müssen 7 Millionen LKW auf Mautzahlungen überprüft werden.

Zu diesem Zweck wurde die Firma Vitronic, die auch Blitzer wie den Poliscan Speed herstellt, beauftragt, ein entsprechendes System zu entwickeln, das die Kontrollen inklusive der Aufzeichnung der Kennzeichen, des Fahrers und der Herstellung einer Infrarot-Datenverbindung mit der On-Board-Unit durchführt.

Anhand des aufgezeichneten Kennzeichens oder der On-Board-Unit kann dann abgeglichen werden, ob das Fahrzeug für die befahrene Strecke eine gültige Mautbuchung besitzt. Wenn ja, werden die aufgezeichneten Daten aus dem Computer gelöscht. Wenn nicht, wird manuell durch Toll Collect weiterermittelt.

Stationäre Kontrolle

Eine stationäre Kontrolle findet quasi hinter einer automatischen Kontrolle statt. Denn hierbei können Mitarbeiter des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) direkt die Bilder der Mautkontrolle empfangen und die verdächtigen LKW direkt herauswinken, sollten beispielsweise Daten zur Buchung fehlen oder Fahrzeugangaben nicht mit denen in der On-Board-Unit übereinstimmen.

Mobile Kontrolle

Bei der mobilen Kontrolle wird aus dem fahrenden Auto heraus kontrolliert, ob gültige Mautbuchungen bei Toll Collect vorliegen. Hierbei werden Mitarbeiter des BAG eingesetzt, die in Echtzeit die Daten des LKW (wie etwa das Kennzeichen) oder die On-Board-Unit kontrollieren und somit herausfinden können, ob eine gültige Buchung im System gespeichert ist.

Überprüfung von Betrieben durch Mitarbeiter des BAG

Zusätzlich zu den genannten Möglichkeiten sollen ebenfalls gezielt bestimmte Betriebe kontrolliert werden, die besonders oft mit fehlenden Mautzahlungen und -buchungen erwischt wurden beziehungsweise unterwegs sind. Hierbei können jedoch nur Unternehmen kontrolliert werden, die Ihren Firmensitz in Deutschland haben.

Datenschutz bei Toll Collect: Wo liegen die Probleme?

Der Datenschutz bei Toll Collect soll durch Löschung von aufgezeichneten Daten 'unschuldiger' Autofahrer gewährleistet werden.

Der Datenschutz bei Toll Collect soll durch Löschung von aufgezeichneten Daten ‚unschuldiger‘ Autofahrer gewährleistet werden.


Besonders im Zuge der automatischen Kontrolle der Mautbuchungen kommt es seitens Datenschützern oft zu Vorwürfen gegenüber Toll Collect bzw. deren Kontrolle durch Mautbrücken. Denn: Auch andere Fahrzeuge wie PKW werden im Zuge der Mautkontrolle abgelichtet, zudem werden auch LKW in dem System erfasst, wenn kein Verstoß gegen die Mautpflicht vorliegt.

Diese und andere Bedenken haben Datenschützer, die unter anderem durch Mautbrücken entstehen. Besonders in der Diskussion ist beispielsweise eine sich in der Entwicklung befindende automatische Personen- bzw. Gesichtserkennung durch die Technik der Kontrolle.

Gegen diese Art der Verwendung von Mautdaten sprach sich allerdings beispielsweise der damalige Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Peter Schaar aus.

Gibt es Ausnahmen von der Mautpflicht?

Wollen Sie mit Toll Collect eine Strecke buchen, auf der Sie eine Maut entrichten müssen, so sollten Sie sich vorher unbedingt fragen, ob diese Buchung überhaupt nötig ist. Denn: Nicht jedes Gefährt muss auf mautpflichtigen Straßen auch eine entsprechende Buchung vorweisen.

Wie bereits erwähnt, ist dies beispielsweise bei Bussen der Fall. Aber welche LKW fallen noch unter die Mautbefreiung? Laut § 1 Absatz 2 des BFStrMG sind folgende Fahrzeuge – neben Bussen – von der Pflicht zur Zahlung ausgenommen:

  • Fahrzeuge von Streitkräften, der Polizei, der Feuerwehr, Notdiensten, des Bundes oder des Zivil- und Katastrophenschutzes,
  • Fahrzeuge zur Straßeninstandhaltung (z. B. Streufahrzeuge),
  • Schausteller- und Zirkusfahrzeuge, wenn sie gewerblich dazu genutzt werden,
  • Fahrzeuge gemeinnütziger Organisationen, die Güter zur Minderung von Notlagen transportieren.

Zusätzlich zu diesen Ausnahmen gibt es auch auf einigen Straßenabschnitten keine Mautpflicht. Das gilt für folgende Strecken:

  • A6 zwischen deutsch-französischer Grenze und Anschlussstelle Saarbrücken-Fechingen,
  • A5 zwischen deutsch-schweizerischer bzw. –französischer Grenze bis zur Anschlussstelle Müllheim/Neuenburg,
  • Abschnitte auf Bundesfernstraßen, für die eine Maut nach § 2 des Fernstraßenbauprivatisierungsgesetzes erhoben wird,
  • Abschnitte auf Autobahnen, bei denen jeweils nur ein Fahrstreifen je Fahrtrichtung ausgebaut ist und die nicht unmittelbar an das Autobahnnetz angebunden sind.

Was ist Toll2Go?

Als Toll2Go wird ein gemeinsamer Service der deutschen Toll Collect GmbH und dem österreichischen Betreiber ASFINAG angeboten. Denn: Sind Sie öfter mit dem LKW auch über deutsche Grenzen hinaus unterwegs, kann die Mautabrechnung und –buchung auch für das Nachbarland Österreich über Toll Collect erfolgen.

In Österreich kann dann ebenfalls die entsprechende mautpflichtige Strecke befahren werden, ohne diese extra über das Portal der ASFINAG zu buchen. Berufskraftfahrer oder Speditionen, die dieses Angebot in Anspruch nehmen wollen, müssen allerdings bei beiden Unternehmen registriert sein. Für Neukunden stellt der österreichische Anbieter dann einen Betrag von 5 Euro in Rechnung.

Beachten Sie: Die Buchung der Mautstrecke erfolgt zwar über die von Toll Collect zur Verfügung gestellte On-Board-Unit, allerdings rechnen beide Firmen separat voneinander ab. Das bedeutet: Einmal im Monat erhalten Sie trotzdem zwei Rechnungen – eine von Toll Collect und eine der ASFINAG.

Toll Collect: Ist eine Abmeldung möglich?

Liegt ein Grund für eine Beendigung der Mautzahlungen vor, also beispielsweise ein Verkauf des Fahrzeugs oder eine Verschrottung, so kann der LKW ganz leicht wieder bei Toll Collect abgemeldet werden. Besitzen Sie einen LKW mit On-Board-Unit, so muss diese von einem Experten zunächst ausgebaut werden, da sie sich noch im Eigentum von Toll Collect befindet und demnach wieder zurückgegeben werden muss.

Besitzen Sie bzw. Ihr Fahrzeug kein solches Gerät, so kann einfach die Abmeldung bei Toll Collect beantragt werden. Das geschieht durch einen einfachen Anruf, schriftlich über den Kundenservice von Toll Collect oder online über das Kundenportal.

Toll Collect und das Schiedsverfahren

Die von Toll Collect erhobene Maut soll im Jahr 2018 auf weitere Straßen ausgeweitet werden.

Die von Toll Collect erhobene Maut soll im Jahr 2018 auf weitere Straßen ausgeweitet werden.

Der geplante Starttermin für das von Toll Collect entwickelte Mautsystem war der 31. August 2003. Doch erst am 1. Januar 2005 konnte Toll Collect ein erstes – in seiner Funktionalität eingeschränktes – System an den Start bringen. Durch diese Verzögerung kam es zu Einnahmeausfällen, die das Bundesverkehrsministerium nicht auf sich sitzen lassen wollte.

Aus diesem Grund reichte es im Jahr 2005 vor dem Schiedsgericht eine Klage ein, die unter anderem auf dem Argument basierte, dass durch den verspäteten Beginn des Mautsystems rund dreieinhalb Millionen Euro an Mauteinnahmen fehlten. Zudem seien Vertragsstrafen fällig. Allerdings bestanden im Gegenzug auch die Vertreter von Toll Collect auf Ausgleichszahlungen vom Bund.

Die Forderungen beliefen sich hierbei auf etwa eine Milliarde Euro. Beide Schiedsverfahren sind bislang noch nicht zu einer endgültigen Klärung gekommen (Stand: 2016). Laut dem SPIEGEL seien bis 2016 für beide Schiedsverfahren zusammen insgesamt bereits 168 Millionen Euro ausgegeben worden. Ein Ende ist bislang nicht in Sicht.

Ausblick: Was bringt die Zukunft?

Im Jahr 2018 soll es eine Mauterweiterung geben, die bereits vom Bundestag abgenickt wurde. Demnach sollen alle Bundesstraßen im Bundesgebiet mautpflichtig werden. Rund 40.000 Kilometer, auf denen die Maut gezahlt werden soll, sollen im kommenden Jahr also hinzukommen – und es sollen somit Mehreinnahmen in Höhe von zwei Milliarden Euro entstehen. Dieses Geld soll dann wieder in die Straßeninfrastruktur gesteckt werden.

Auch bei dieser Ausweitung wird wieder Toll Collect dazu beauftragt, die Mautbuchungen zu betreuen. Zusätzlich will Toll Collect ab 2018 eine App auf den Markt bringen, die es den LKW-Fahrern und Unternehmern vereinfacht, Mautzahlungen zu leisten. Die App soll dabei diejenigen unterstützen, die bislang eine manuelle Buchung von mautpflichtigen Strecken vornehmen. Denn: Das Verfahren basiert auf den gleichen Möglichkeiten wie bei der Buchung per Internet oder Terminal.

Somit können per App auch Fahrten storniert oder geändert werden, die zuvor online oder am Automaten manuell gebucht wurden. Außerdem wird es eine Möglichkeit geben, auch ohne Registrierung bei Toll Collect eine Buchung vorzunehmen.

Durch die Unterstützung des Buchungsvorgangs durch eine App, die sowohl für Android-, iOS- sowie Windows-Phone-Nutzer zur Verfügung gestellt werden soll, wird das Verfahren laut Toll Collect vereinfacht. Musste früher für die Änderung oder Stornierung einer Buchung ein Toll-Collect-Automat angefahren werden, kann dies in Zukunft auch bequem per Smartphone erledigt werden.

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