Nachtangeln in Deutschland: Wo ist es erlaubt?

Von Gitte, letzte Aktualisierung am: 24. September 2019

Der besondere Reiz des Nachtangelns

Ist Nachtangeln überall erlaubt?
Ist Nachtangeln überall erlaubt?

Der frühe Vogel mag den Wurm fangen, aber häufig fängt der späte Angler den Karpfen. Viele Fischarten wie Hecht, Zander oder Aal werden nämlich erst nach Sonnenuntergang aktiv und beißen dann um einiges bereitwilliger auf den Köder als am Tag. Auch sind die meisten Gewässer nach Einbruch der Dunkelheit wesentlich ruhiger, wenn Spaziergänger, Badegäste und Kanufahrer längst die Heimreise angetreten haben. Es ist also nicht verwunderlich, dass so mancher Angler lieber erst am Abend Stellung bezieht und unter klarem Sternenzelt auf den großen Fang wartet.

Gehören Sie auch dazu, sollten Sie jedoch wissen, dass das Nachtangeln nicht überall erlaubt ist. Es ist deshalb angebracht, sich vorab gut zu informieren, ob Sie in Ihren ausgewählten Fischgründen auch zu später Stunde noch den Köder auswerfen dürfen. Andernfalls begehen Sie eine Ordnungswidrigkeit und müssen teilweise mit empfindlichen Bußgeldern rechnen. Wir verraten Ihnen, was die Gesetze in puncto Nachtangeln besagen.

FAQ: Nachtangeln

In welchen Bundesländern ist Nachtangeln verboten?

Jedes Bundesland kann eigene Fischereigesetze aufstellen. Das Nachtangeln ist nur in Baden-Württemberg und Brandenburg verboten.

Ist in den anderen Bundesländern Nachtangeln also überall erlaubt?

Nein, denn auch der Eigentümer oder Pächter eines Gewässers kann eigene Regeln zum Angeln aufstellen.

Warum wird Nachtangeln mancherorts verboten?

Ein solches Verbot dient üblicherweise dem Naturschutz und soll vor allem die ungestörte Nachtruhe der am Gewässer lebenden Tiere gewährleisten.

Bußgelder für verbotswidriges Nachtangeln

Bundesland mit NachtangelverbotBußgeld
Baden-Württembergbis zu 5.000 Euro
Brandenburgbis zu 50.000 Euro

Fischereigesetze sind Ländersache

Viele Dinge werden in Deutschland durch bundesweite Gesetze geregelt, die Fischerei gehört jedoch nicht dazu. Stattdessen hat jedes Bundesland sein eigenes Fischereigesetz und kann darin eigene Vorschriften aufstellen, z. B. in Bezug auf den Angelschein oder eben auf die Frage, ob das Angeln nachts erlaubt ist. Darf man also in Bayern nachtangeln? Wie sieht es in Mecklenburg-Vorpommern aus oder in Hessen? Ist das Nachtangeln in Baden-Württemberg, Brandenburg etc. erlaubt?

Diese Fragen lassen sich mit einem Blick in das jeweilige Fischereigesetz beantworten. Die folgende Tabelle verrät Ihnen, wo das Nachtangeln im gesamten Bundesland grundsätzlich verboten ist:

Bundes­landNacht­angeln per Lan­des­recht ver­bo­ten?Buß­geld bei Ver­stoß
Ba­den-Wür­ttem­bergJa, ge­mäß § 3 Abs. 1 der Lan­des­fische­rei­ver­ord­nung Ba­den-Wür­ttem­berg
  • ab einer Stun­de nach Sonnen­unter­gang bis eine Stun­de vor Sonnen­auf­gang

  • beim An­geln von Aalen, Welsen oder Kreb­sen: bis 24 Uhr bzw. bis 1 Uhr wäh­rend der Sommer­zeit

bis zu 5.000 Euro
Bayernnein-
Berlinnein-
Bran­den­burgJa, ge­mäß § 7 Abs. 4 des Fische­rei­geset­zes Bran­den­burg (BbgFischG)
  • ab einer Stun­de nach Sonnen­unter­gang bis eine Stun­de vor Sonnen­auf­gang

  • gilt nur, wenn Koppel­fische­rei vor­liegt (meh­rere Fische­rei­rechte an der­sel­ben Ge­wässer­stre­cke bzw. am sel­ben Ge­wässer­grund­stück)

bis zu 50.000 Euro
Bremennein-
Ham­burgnein-
Hessennein-
Meck­len­burg-Vor­pom­mernnein-
Nie­der­sach­sennein-
Nord­rhein-West­falennein-
Rhein­land-Pfalznein-
Saar­landnein-
Sach­sennein-
Sach­sen-An­haltnein-
Schles­wig-Hol­steinnein-
Thü­ringennein-

Nicht nur die Länder können das Nachtangeln verbieten

Ob Nachtangeln erlaubt ist, hängt immer vom jeweiligen Gewässer ab.
Ob Nachtangeln erlaubt ist, hängt immer vom jeweiligen Gewässer ab.

Anhand der obigen Tabelle lässt sich erkennen, dass lediglich in zwei Bundesländern das Nachtangeln grundsätzlich untersagt ist: Baden-Württemberg und Brandenburg. In letzterem Fall gilt das Verbot sogar nur unter der Voraussetzung, dass an dem entsprechenden Gewässer Koppelfischerei vorliegt. Ist dem nicht so, dürfen Sie gemäß Landesrecht auch in Brandenburg nachts angeln.

Doch Vorsicht! Nur weil das Nachtangeln beispielsweise in Bayern nicht per Gesetz oder Verordnung verboten wird, bedeutet das nicht automatisch, dass es im ganzen Freistaat erlaubt ist. Denn auch der Eigentümer oder der Pächter eines Gewässers kann Regeln aufstellen, wann und wie dort gefischt werden darf. An manchen Seen wird z. B. das Nachtangeln im Winter und im Frühjahr verboten, an anderen ist es ganzjährig erlaubt, aber dafür darf kein Zelt ausgestellt werden.

Da es uns nicht möglich ist, sämtliche Fischgründe Deutschlands und ihre Regelungen zum Nachtangeln aufzulisten, sollten Sie sich diesbezüglich selbst informieren. Wenden Sie sich dazu am besten an die Behörde, die Ihnen den Erlaubnisschein für das betreffende Gewässer aufgestellt hat.

Warum wird Nachtangeln verboten?

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Bundesland, ein Gewässerbesitzer oder ein Pächter das Nachtangeln verbietet. Häufig wird als Argument vorgebracht, dass die Nachtruhe der im und am Wasser lebenden Tiere nicht gestört werden soll, insbesondere der Vögel. Zudem wird befürchtet, dass durch die nächtliche Fischerei die Pflanzenwelt an den Gewässerrandstreifen in Mitleidenschaft gezogen würde.

Des Weiteren kann beim nächtlichen Fischen schwerer kontrolliert werden, ob die Angler die gesetzlichen Bestimmungen zum Angeln einhalten. Ein Verstoß gegen Tier- und Naturschutz lässt sich damit kaum nachweisen oder ahnden, darum wird das Nachtangeln generell verboten.
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