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Gehören Euro-6-Diesel ohne AdBlue der Vergangenheit an?

Von Thomas R.

Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ein Skandal sorgte für den Erfolg der „blauen“ Flüssigkeit

Steht der Euro-6-Diesel ohne AdBlue vor dem Aus?
Steht der Euro-6-Diesel ohne AdBlue vor dem Aus?

In Zeiten von “Fridays for Future” und lange nach dem Diesel-Skandal werden umweltfreundliche Fortbewegungsmittel immer wichtiger. Einige Städte haben sich sogar vorgenommen, in Zukunft völlig frei von Autos zu werden. Andere Kommunen wie beispielsweise Stuttgart halten am Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge fest, sodass Autos mit schlechten Abgaswerten nicht in die Innenstadt fahren dürfen. Daneben ist die Einführung einer blauen Euro-6-Plakette denkbar, die saubere Diesel kennzeichnet.

In diesem Zuge wurde AdBlue eingeführt. Doch was ist das genau? Ist die Flüssigkeit nun Vorschrift in allen Fahrzeugen? Was bewirkt sie? Und gibt es noch Euro-6-Diesel ohne AdBlue? Das und mehr erfahren Sie im folgenden Text.

FAQ: Euro-6-Diesel ohne AdBlue

Gibt es noch Diesel der Euro-Norm 6 ohne Harnstoff?

Aktuell gibt es Diesel-Fahrzeuge der Euro-6-Norm, die ohne AdBlue auskommen. Da in den nächsten Jahren aber strengere Abgasgrenzwerte vor allem für Diesel eingeführt werden, müssen immer mehr Autos mit der Technik ausgestattet sein.

Sind Euro-6-Diesel ohne AdBlue vom Fahrverbot betroffen?

Das entscheidet jede Kommune selbst. Fakt ist: Diesel-Fahrzeuge mit AdBlue und entsprechendem SCR-Katalysator weisen weitaus bessere Schadstoffausstoßwerte auf. Da die Entscheidung bei den Kommunen liegt, ist es dennoch möglich, dass Sie mit einem Diesel der Euro-Norm 6 ohne AdBlue von Diesel-Fahrverboten betroffen sein können.

Wie giftig ist AdBlue?

Es handelt sich bei AdBlue um eine ungiftige und im Übrigen durchsichtige Flüssigkeit. Dennoch sollte sie zügig abgewaschen werden, wenn sie mit der Haut in Kontakt kommt.

Was ist AdBlue?

Einige Diesel der Euro-Norm 6, die noch ohne AdBlue laufen, können in der Werkstatt nachgerüstet werden.
Einige Diesel der Euro-Norm 6, die noch ohne AdBlue laufen, können in der Werkstatt nachgerüstet werden.

Seit der Diesel-Affäre gelten strenge Vorschriften für den Ausstoß von Schadstoffen und für die Einhaltung der entsprechenden Grenzwerte. Ein Diesel der Euro-Norm 6 ohne AdBlue kann in einigen Städten von Durchfahrtverboten betroffen sein. Doch wie funktioniert die Technik eigentlich und was genau passiert mit den Schadstoffen?

Ein SCR-Katalysator (selektive katalytische Reduktion), der in vielen neuen Fahrzeugen eingebaut wird, spritzt die AdBlue-Flüssigkeit in den Abgastrakt des Autos. Das Gemisch aus synthetischem Harnstoff und Wasser reagiert dann mit den Stickoxiden, die bei einem Euro-6-Diesel ohne AdBlue in die Umwelt gelangen würden. Dabei entstehen ungiftige Stick- und Wasserstoffe. Das reduziert den Schadstoffausstoß um bis zu 90 Prozent.

Jedoch muss die Flüssigkeit in regelmäßigen Abständen nachgefüllt werden, da das Auto sonst irgendwann einfach stehen bleibt oder nicht mehr anspringt. Moderne Fahrzeuge warnen den Fahrer aber rechtzeitig.

Übrigens können einige Diesel-Modelle mit Euro 5 und 6, die noch ohne SCR-Katalysator (auch SCR-Kat) auskommen, umgerüstet werden, damit sie nicht von Diesel-Fahrverboten betroffen sind. Die nötige Technik wird dann in einer Werkstatt eingebaut. Einige Hersteller übernehmen sogar die Kosten für die Umrüstung.

Diesel der Euro 6-Norm ohne AdBlue – Werden sie überhaupt noch hergestellt?

Es gibt einige Gründe, warum Autofahrer zum Teil lieber einen Euro-6-Diesel ohne AdBlue bzw. SCR-Kat fahren wollen:

Euro 6d-Temp: Ohne AdBlue geht es künftig voraussichtlich nicht mehr.
Euro 6d-Temp: Ohne AdBlue geht es künftig voraussichtlich nicht mehr.
  • Ein Pkw, der ohne AdBlue auskommt, spart Kosten: Die Flüssigkeit kostet zwischen 7 und 10 Euro für 10 Liter.
  • Ohne SCR-Katalysator müssen Sie den Füllstand von AdBlue nicht beachten.
  • In der Anschaffung sind Euro 6-Diesel ohne AdBlue in der Regel günstiger.

Doch werden solche Fahrzeuge überhaupt noch hergestellt? Künftig vermutlich nicht. Denn seit dem 1. September 2019 gelten strengere Vorschriften für die Grenzwerte, die Neufahrzeuge erfüllen müssen.

Zunächst gilt eine Übergangsregelung, die Euro-6d-Temp-Diesel erlaubt. Ohne AdBlue kommen diese aber nicht mehr aus. Das „Temp“ steht für „temporär“. Die Abgasnorm stellt eine Übergangslösung dar, damit die Autohersteller Zeit haben, sich auf die neue strenge Euro-6d-Norm einstellen können. Neue Fahrzeuge mit der Euro-Norm 6d-Temp dürfen nur bis Ende 2020 zugelassen werden. Danach müssen alle Neuwagen Euro 6d erfüllen.

Euro-6-Diesel ohne AdBlue liegen demnach künftig in weiter Ferne. Um das Klima weniger zu belasten und die Luft in Innenstädten sauberer zu halten, werden voraussichtlich noch viele Autos mit SCR-Katalysatoren und AdBlue-Speicher hergestellt. Die Flüssigkeit soll schrittweise an Tankstellen eingeführt werden, sodass sie direkt an der Zapfsäule nachgefüllt werden kann.

Über den Autor

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Thomas R.

Thomas hat einen Abschluss in Politikwissenschaften von der Universität Jena. Er gehört seit 2018 zum Team von bussgeldkatalog.org und verfasst News und Ratgeber zu verschiedenen Themen im Verkehrsrecht.

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8 Kommentare

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  1. Frank Geisler
    Am 23. Januar 2024 um 0:59

    Ich habe in absehbarer Zeit vor ein Ford Kuga Diesel mit adBlue zu kaufen das Fahrzeug ist neu und hat Euro6. Wenn ich das nun alles lese , zum Beispiel Sensoren nach geringer Zeit defekt oder AdBlue Tank muss getauscht werden, da muss ich doch überlegen ob ich vom Kauf abstand halten muss ! Möchte mir jemand ein Rat erteilen wie ich mich verhalten sollte ?!
    Mit freundlichen Gruß
    Frank

  2. Heidi B
    Am 20. Juli 2023 um 13:42

    wir haben uns 2019 einen Opel Combo Life gekauft, damals gab es kein Modell in dieser Größe als Benziner
    der Verkäufer sagt uns nichts von dem AdBlue und was das für hohe Reparatur Kosten verursacht
    Auto ist gerade in der -Werkstatt Anzeige Mororfehler/Abgasreinigung Vetil kostet 430,00E davor schon mal 94:00 E
    andere Dieselfahrer hatten nach ein paar Wochen das gleiche Problem wieder Pumpe tauschen 1400E Sensoren tauschen, Adblue Tank tauschen
    übernimmt Opel kulanz Zahlung da ja 5 Jahre Garantie?
    wo kann ich eine Antrag stellen?

  3. Rolf
    Am 9. September 2021 um 14:22

    Ich fahre einen Opel Insignia B von 2017 mit AdBlue und würde mir keinen mehr kaufen.
    Es gibt noch mehr Gründe ein Auto ohne AdBlue SCR Technik zu kaufen.
    Die NOX Sensoren haben nur eine begrenzte Lebensdauer und es kommt unweigerlich zu teuren Reparaturen.
    Was man am Dieselsprit spart gibt man ein vielfaches an teuren Reparaturen aus. Die Technik ist zu aufwendig, die Motoren die so gar nicht dafür entwickelt wurden verstopfen sozusagen mit der Zeit.
    Honda hat nach meiner Info seinen letzen Civic Diesel ohne SCR ohne AdBlue mit Euro 6d temp. gebaut und nun auch ganz den Diesel eingestellt.
    Ich benötige einen Kombi der auch einen WoWa ziehen kann, das wird in Zukunft schwierig bzw. teuer.
    Schade um die gute Technik.

    • Jeremy
      Am 13. Dezember 2023 um 14:02

      Hallo Rolf,
      vermutlich hast du noch nicht bemerkt, dass auch Benziner Stickoxid-Sensoren haben, oder fährst du nie zur ASU?

    • Stefan
      Am 9. August 2022 um 16:03

      Bin ganz Ihrer Meinung. Hatte auch eine sehr teure Reparatur für einen neuen AdBlue Tank. Und das nach drei Jahren mit wenig km! Suche auch eine starken PKW Diesel ohne AdBlue mit Allrad.

  4. Grabon
    Am 1. Juli 2020 um 21:49

    HALLO, es war alles sehr interessant zu lesen, allerdings ist mir eine Frage offen geblieben.
    Senkt sich die Kfz-Steuer wenn mein Diesel mit Adblue ausgestattet ist?
    Mfg Grabon

  5. Wilfried
    Am 7. Juni 2020 um 15:33

    Sehr gute Erklärung rund um den scr-Katalisator. Kaum ein Hersteller von Diesel PKW gibt bei den technischen Daten die Art der Abgasreinigung an!

    • Mickey
      Am 18. Oktober 2022 um 23:06

      Liebe Redaktion,

      Wo kann man in 2022 noch 10 Liter Ad Blue für 7-10 Euro kaufen? Ich denke 2,09 Euro pro Liter, also etwas über 20 Euro für 10 Liter ist das absolute Minimum.

      Ich habe gehört, dass aufgrund von Knappheit bestimmter Substanzen (Ammoniak), die für die Herstellung benötigt werden, einige Hersteller die Produktion von Ad Blue eingestellt haben bzw einstellen mussten.

      Was mache ich mit meinem Ad Blue Diesel, wenn ich kein Ad Blue mehr kaufen kann?

      Freundliche Grüße,

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