Anscheinswaffen an Karneval – erlaubt oder verboten?

Was Sie über das Mitführen von Waffenattrappen wissen sollten

Anscheinswaffen dürfen in der Öffentlichkeit nicht mitgeführt werden.

Anscheinswaffen dürfen in der Öffentlichkeit nicht mitgeführt werden.

Die Phase der Heiterkeit startet alljährlich am 11.11. An diesem jecken Datum beginnt Jahr für Jahr die langersehnte Karnevalssaison. Startschuss für den Straßenkarneval ist traditionsgemäß der Tag der Weiberfastnacht, welcher stets auf den Donnerstag vor Aschermittwoch fällt.

Sobald das feierwütige Volk auf die Straßen zieht, sind die buntesten, ausgefallensten und zum Teil schrägsten Kostüme zu sehen. Der Phantasie und Kreativität der Narren sind dabei so gut wie keine Grenzen gesetzt.

Allerdings gibt es Einschränkungen in Bezug auf das Führen von Anscheinswaffen. Zwar muss ein waschechter „Cowboy“ oder ein „Polizist“ an Karneval auch eine „Pistole“ tragen, doch hierbei müssen die einschlägigen Vorschriften des Waffenrechts berücksichtigt werden.

Bei Verstößen heißt es sonst schnell „Schluss mit lustig“ und der scheinbewaffnete Karnevalist muss tief in die Tasche greifen um ein entsprechendes Bußgeld zu bezahlen. Im folgenden Ratgeber klären wir Sie rund um das Thema Dekowaffen bzw. Anscheinswaffen auf.


Was ist eine Waffenattrappe?

Zunächst sind unter Anscheinswaffen all jene Gegenstände zu verstehen, die echten Waffen täuschend ähnlich sehen. Der Begriff ist in Anlage 1 zum Paragraph 42a Waffengesetz (kurz: WaffG) legal definiert. Die folgenden Punkte müssen vorliegen, damit die an Karneval mitgeführten Waffen als Anscheinswaffen zu qualifizieren und somit verboten sind:

Es muss sich um Schusswaffen handeln,

  • die ihrer äußeren Form nach im Gesamterscheinungsbild den Anschein von Feuerwaffen erwecken,
  • bei denen zum Antrieb der Geschosse keine heißen Gase verwendet werden,

oder um

  • Nachbildungen von Schusswaffen mit entsprechendem Aussehen bzw.
  • unbrauchbar gemachte Schusswaffen.

Sind derartige Merkmale erfüllt, gelten die mitgeführten Waffen als Anscheinswaffen.

Ausgenommen davon sind solche Gegenstände, die erkennbar nach ihrer Gesamterscheinung nur zum Spiel oder für Brauchtumsveranstaltungen bestimmt sind. Diese Nachbildungen enthalten typischerweise neonfarbene Materialien oder keine Kennzeichnung von Feuerwaffen.

Anscheinswaffen: Welche Handlungen sind verboten?

Anscheinswaffen: Bei einem Verstoß gegen das Mitführverbot droht ein Bußgeld bis zu 10.000 Euro.

Nicht nur an Karneval, sondern grundsätzlich ist das Führen von Anscheinswaffen, die den zuvorderst genannten Merkmalen entsprechen, in der Öffentlichkeit verboten.

Wer derartige Gegenstände, die einer echten Waffe ähneln bzw. den oben genannten Kriterien entsprechen, dennoch transportieren möchte, der muss diese in einem verschlossenen Behältnis und zudem nicht zugriffs- und/oder schussbereit mitführen.

Wer gegen diese Vorgaben des WaffG verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld bis zu 10.000 Euro geahndet werden kann.

Das Verbot zum Führen von Anscheinswaffen ist in § 42a des Waffengesetzes geregelt. Gemäß Absatz 2 der Vorschrift gilt dieses neben dem Transport in einem verschlossenen Behältnis außerdem namentlich nicht für die Verwendung bei Foto-, Film- oder Fernsehaufnahmen oder Theateraufführungen.

Waffengesetz: Sinn und Zweck der Regelungen zum Thema Anscheinswaffen

Das Verbot des Mitführens von Anscheinswaffen in der Öffentlichkeit begründet sich darin, dass sich die Allgemeinheit keiner ernstzunehmenden Bedrohung ausgesetzt fühlen soll. Gerade in heutigen Zeiten, die geprägt sind von Gewalttaten und Terrorismus, ist mit Anscheinswaffen nicht zu spaßen. Für den Einzelnen sind die Imitate nicht ohne Weiteres von echten Kriegswaffen zu unterscheiden. Die Folge kann Panik sein.

Auch für Ordnungsbehörden und Polizei soll im Zweifelsfall klar erkennbar sein, ob von einem Gegenstand eine ernstzunehmende Gefahr ausgeht oder nicht.

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8 Kommentare

  1. N.B. sagt:

    Der Begriff der Anscheinswaffe kann also ausdrücklich NICHT angewendet werden auf
    (stumpfe) Degen, Schwerter (auch schaukampftaugliche) und Dolche?

  2. Gabriel sagt:

    Warum kennzeichnet man als Pflicht diese Anscheinswaffen nicht mit einen Roten Ring am Lauf.
    In anderen Ländern ist dieses Pflicht, da muss auch eine Wasserpistole oder Spielzeugpistole von Klein Fritzchen
    so gekennzeichnet sein. Und nicht mit einen Roten Bömmelchen, sondern mit Roter Farbe, die Schwer ab zu lösen ist.

  3. Dennis T. sagt:

    Google doch mal bitte „Pink“ oder „Neon Glock“, ein bekannter Waffenhersteller der Neon Pink/Blau und Grüne Waffen fabriziert. Aber gut das ich jetzt weiß, dass es keine „echten“ Waffen sind, solange sie in Neonfarben sind. Werde meinem kleinen Bruder eine zum spielen schenken…

  4. Paul sagt:

    Das heißt, dass wenn ich meine softair Nebenfarben anmale, dass sie dann keine Anscheinswaffe mehr ist?

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Paul,

      könnte man so sehen, für eine definitive Aussage fragen Sie bitte bei der Waffenbehörde nach.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

  5. Klaus sagt:

    Komisch ,eine Anscheinwaffe darf nicht geführt werden .
    Eine Gas Pistole mit kleinem Waffenschein schon?
    Warum darf eine Anscheinwaffe wie eine Tierabwehrpistole mit dem kleinen waffenschein nicht geführt werden,ist doch nix anderes
    Da soll einer draus schlau werden :))

  6. Jörg sagt:

    Das ist ein interessantes Thema voller offener Fragen.
    Aktuelle Uniformen (Polizei etc.) sind tabu. Das leuchtet wohl ein.
    Aber ist ein Pistolengriff (ohne den Rest) in einem Holster eine „Anscheinswaffe“?
    Was ist, wenn man das Holster überdies gar nicht öffnen kann?
    Eine gebackene Waffel (ohne Sahne) kann aussehen wie eine Handgranate.
    Und ein grauer Klumpen Knetgummi mit 2 Ohren ist keineswegs eine echte Maus.
    Meine Mutter war trotzdem entsetzt…
    Terror-Gefahr ist real, aber längst kein Grund, völlig paranoid zu werden.
    Und wenn doch, sollte man den Karneval per Gesetz gleich ganz abschaffen.
    Mit besten Grüßen aus der Karnevals-Hochburg Köln
    Jörg

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