Warum Tiere zu verschenken wohl überlegt sein muss

Hunde, Katzen und andere Haustiere sind oft eine Freude: Gilt diese jedoch auf Dauer?

Niemand sollte Tiere verschenken, ohne vorher die Verpflichtungen abzuklären.

Niemand sollte Tiere verschenken, ohne vorher die Verpflichtungen abzuklären.

Es ist das typische Bild in vielen Wohnzimmern, zur Weihnachtszeit oder zum Anlass eines Kindergeburtstages: Neben den Spielzeugen und Süßigkeiten entdeckt das beschenkte Kind plötzlich noch ein Präsent in Form eines zunächst kleinen Haustieres. Zunächst ist die Freude groß, doch schnell kann es passieren, dass das Tier uninteressant und lästig wird – sind mit ihm doch jede Menge Pflichten verbunden.

Sie wollen dieses, vor allem für das Tier, unangenehme Szenario vermeiden? Dieser Ratgeber befasst sich umfangreich mit dem Thema Tiere als Geschenk. Wir erklären Ihnen, was Sie vor der Anschaffung beachten müssen.

Hierzu gehören unter anderem die Antworten auf die folgenden Fragen: Was ist vorher abzuklären? Welche Kosten kommen auf Tierbesitzer zu? Welches Haustier passt zu Ihnen? Welche Alternativen gibt es zum Kauf?

Das sollten Sie tun, bevor Sie Tiere verschenken

Gerade Tiere zu Weihnachten zu verschenken, kommt nie ganz aus der Mode. Dabei machen die Käufer häufig den Fehler, sich nicht genug zu informieren, bevor Sie das neue Familienmitglied in ihr Zuhause holen. Im Folgenden erfahren Sie genau, was sie beachten müssen, bevor Sie die Suche beginnen oder einen Kauf abschließen, damit es am Ende nicht im Fiasko endet.

Pflichten der Familienmitglieder benennen

Bevor Sie Tiere verschenken, sollten Sie sich mit allen Familienmitgliedern darüber beraten. Tiere müssen gefüttert werden, ihr Geschäft verrichten können, gepflegt und erzogen werden. Die Aufgaben müssen diesbezüglich klar verteilt werden. Wer ist wofür zuständig? Wer übernimmt die jeweilige Pflicht, wenn Person A oder Person B nicht zugegen ist? Antworten auf diese sollten vorliegen, bevor es an die eigentliche Anschaffung geht.

Als Eltern wollen Sie Ihrem Kind nicht die Überraschung durch solche Vorabgespräche verderben? Trotzdem sollten Sie in jedem Fall abschätzen, ob Ihr Sprössling genug Verantwortungsbewusstsein besitzt oder entwickeln kann, um sich um ein Tier zu kümmern. Durch „Was wäre, wenn?“-Fragen können Sie auch in dieser Situation die Grenzen ausloten.

Lebenserwartungen der Haustiere kennen

Auch ein Hund als Geschenk muss wohlüberlegt sein. Diese Tierart braucht viel Auslauf.

Auch ein Hund als Geschenk muss wohlüberlegt sein. Diese Tierart braucht viel Auslauf.

Bevor Sie Tiere verschenken, ist es durchaus empfehlenswert, sich mit deren Lebenserwartung auseinander zu setzen. So können einige Papageien- und Schildkrötenarten zwischen 70 und 150 Jahre alt werden. Hunde und Katzen bieten da überschaulichere Lebensspannen. In jedem Fall sollte überlegt werden, ob für die Lebenszeit eines Tieres auch in jedem Fall dafür gesorgt werden kann.

Wissen einholen und Kompatibilität überprüfen

Auf der Suche nach dem richtigen Tier für ihr Zuhause sollten Sie sich am besten notwendiges Wissen anlesen. Neben Informationsflyern und Fachbüchern ist auch das Internet eine gute Anlaufstelle, um sich über verschiedene Tierarten zu informieren. Dort kann sich auch mit Gleichgesinnten in speziell dafür geschaffenen Foren ausgetauscht werden.

Auch der Umgang der Kinder mit Tieren kann und sollte im Vorhinein erprobt werden. Haben die Nachbarn ein kinderfreundliches Haustier? Fragen Sie doch einmal, ob Ihr Kind für einen festgelegten Zeitraum gewisse Pflegeaufgaben übernehmen kann. Auf diese Weise können Sie das Verantwortungsgefühl Ihres Sprösslings genau unter die Lupe nehmen.

Weitere Faktoren, die Sie überprüfen sollten, bevor Sie Tiere verschenken, sind:

  • Gibt es Tier-Allergiker im Haus bzw. in der Wohnung?
  • Sind alle Familienmitglieder mit einem Haustier einverstanden?
  • Gestattet der Vermieter (wenn vorhanden) die Tierhaltung?
  • Könnte es zu Konflikten mit Nachbarn oder deren Haustieren kommen?
  • Passt die Lebenssituation zu den Gewohnheiten des Tieres (manche sind nachtaktiv)?
  • Kann dem Lebensbegleiter auch die Zuwendung gegeben werden, die er benötigt?

Sind alle wichtigen Fragen geklärt und zeigt sich die zu beschenkende Person bereit, steht der Beschaffung nicht mehr viel im Weg. Es bleibt zu klären, welche Kosten entstehen und durch welche Bezugsquellen es möglich ist, Tiere zu verschenken.

Eine Frage des Geldes: Der Kostenfaktor

Tiere zu verschenken setzt nicht nur bei der eigentlichen Beschaffung ein gewisses Grundbudget voraus (welches je nach Tierart stark variieren kann). Wie alle Lebewesen müssen sie dauerhaft versorgt werden. Gewisse Kosten sind dabei unvermeidbar. Dazu zählen unter anderem:

    • Futterkosten: Diese variieren je nach Tiergröße. Besonders große Hunde können je nach Rasse viel Futter benötigen. Nahrung für Tiere kann dabei Summen von 200 bis 800 Euro im Jahr verschlingen.
Tiere als Weihnachtsgeschenk sind besonders beliebt.

Tiere als Weihnachtsgeschenk sind besonders beliebt.

  • Steuern: Auch hier sind Hunde mit am teuersten. In weiten Teilen Deutschlands sind Hunde die einzige Tierart, für die Steuern gezahlt werden müssen. Etwa 100 Euro pro Jahr können dabei eingerechnet werden.
  • Tierarztkosten: Hunde und Katzen sind besonders beliebt, schaffen es aber selten durch ihr Leben, ohne zwischendurch veterinäre Hilfe zu benötigen. Und das kann schnell sehr kostspielig werden. Zwar regelt die Gebührenordnung für Tierärzte den generellen Kostenrahmen, Ärzte können jedoch das Zwei- bis Dreifache davon verlangen. Vor allem für Sozialgeldempfänger kann es dadurch zu finanziellen Engpässen kommen.
  • Sonstige Ausstattung: Zwar braucht eine Katzen keinen sündhaft teuren, riesigen Kratzbaum und ein Hund nicht mehrere Kuscheldecken. Jedoch sollen die Tiere sich ja auch selbst beschäftigen können und nicht immer auf den guten Möbeln liegen (und diese möglicherweise vollhaaren). Entsprechend müssen Kosten für Spielzeug und Liegeflächen einkalkuliert werden.
Es zeigt sich: Tiere zu verschenken ist auf lange Sicht oft kostenintensiver, als zunächst vermutet wird. Dabei kann, gemessen an der durchschnittlichen Lebenserwartung, ein Hund in seinem Leben 15.000 Euro oder mehr an Kosten aufwerfen. Katzen liegen im Vergleich bei etwa 9000, Kaninchen bei über 3000 Euro.

Den tierischen Weggefährten am richtigen Ort erwerben

Jeder, der Tiere verschenken will, scheint auf den ersten Blick eine Menge Anlaufstellen dafür zu haben. Die Suche kann über Kleinanzeigen, in Zoofachgeschäften, bei Züchtern, im Tierheim und auch direkt beim eigenen Nachbarn von Erfolg gekrönt sein, wenn dort gerade junge Tierbabys geworfen wurden. Der Tierschutzverein PETA warnt jedoch davor, in Geschäften oder bei Züchtern Tiere zum Verschenken zu kaufen.

Der Verein weist daraufhin, dass Haltungs- und Zuchtbedingungen bei Vereinen dieser Art unwürdig und sogar tierschutzwidrig sind. Verbraucher erfahren nur selten etwas über die genauen Hintergründe. Auch die Umstände des Tiertransports bleiben in der Regel ein Geheimnis der Betreiber.

Stimmen Sie mit der Ansicht von PETA überein, bleiben Ihnen noch Tierheime und Kleinanzeigen (von privaten Besitzern, die ihre Tiere abgeben müssen) als Anlaufstellen, wenn Sie Tiere verschenken wollen. Dabei steht der Profit nicht im Vordergrund, sondern der Fakt, dass herrenlosen Tieren ein Zuhause geboten werden soll. Ein solcher Tiererwerb setzt auch ein Zeichen gegen den gewinnorientierten Großhandel. Im Endeffekt bleibt Ihnen diese Entscheidung aber selbst überlassen.
Tiere als Geschenk können große Freude bringen.

Tiere als Geschenk können große Freude bringen.

Die Alternative zum Kauf: Die Patenschaft

Gerade, wenn die Erkenntnis erlangt wird, dass ein Tier mehr Zeit und Aufwendung kostet, als aufgebracht werden kann, bietet sich eine Patenschaft als alternative Lösung für Tierliebhaber an. So ist es möglich, im Tierheim ein Pate zu werden. Dadurch besteht dann die Möglichkeit, sich um ein Heimtier zu kümmern, mit ihm zu spielen und es spazieren zu führen.

Auch die schon angesprochenen Nachbarstiere können eine solche Perspektive eröffnen. Sollten Sie einen Bauernhof in Ihrer Nähe haben, kann es sich auch lohnen, diesbezüglich dort einmal nachzufragen. Natürlich können Sie auch selbst Kleinanzeigen schalten, um Ihre Suche auszuweiten.

Ungewollte Haustiere werden oft verstoßen und erleiden schlimme Schicksale. Ausgesetzte Säugetiere kommen häufig durch Umweltbedingungen zu Schaden, leiden an Krankheiten oder geraten unter ein Auto. Nehmen Sie sich die Tipps in diesem Ratgeber zu Herzen, damit es erst gar nicht dazu kommt. Sollte jedoch wirklich nicht mehr für ein Tier gesorgt werden können, sind Tierheime die richtige Alternative.

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