Rückenschmerzen nach einem Autounfall: Anspruch auf Schmerzensgeld?

Von Thomas R.

Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Schmerzensgeldtabelle: Rückenschmerzen nach einem Autounfall

Ver­letzungSchmerzens­geld bei Rücken­schmer­zenGericht / Jahr
Schwe­res HWS-Syndrom150.000 €BGH Karlsruhe / 2003
(Az. VI ZR 139/02)
Wirbel­säulen­verletz­ung und Brust­korb­prell­ung5.100 €LG Kempten / 1997
(Az. 2 O 2773/96)
Wirbel­säulen- und Knie­verletz­ung sowie Schulter- und Brust­korb­prellung2.000 €OLG Frankfurt / 1981 (Az. 17 U 91/81)
HWS-Syndrom und Rücken­verletz­ung150 €AG Frankfurt am Main /1995
(Az. 3 C 5078/95)
Schwe­res HWS-Syndrom mit schwe­ren Rücken­prell­ungen und Stauch­ungenca. 12.800 €OLG Hamm / 1995
(Az. 13 U 267/91)

Schmerzen im Rücken: Von Verspannungen bis hin zu Bandscheibenverletzungen

Grundlage für das Schmerzensgeld bei Rückenschmerzen nach einem Autounfall bildet §253 BGB.
Grundlage für das Schmerzensgeld bei Rückenschmerzen nach einem Autounfall bildet §253 BGB.

Wenn nach langem Sitzen das Aufstehen Schmerzen verursacht oder schwere Gegenstände nicht mehr problemlos angehoben werden können, sind oft Nacken- oder Rückenschmerzen die Ursache. Bei einer deutschen Rückenschmerzstudie, auf die sich das Robert-Koch-Institut in einer Publikation zu Rückenschmerzen bezieht, wurde festgestellt, dass nur 20 Prozent der Befragten noch nie unter derartigen Beschwerden gelitten haben.

Es bestätigt sich so faktisch, was spekulativ viele Menschen subjektiv wahrnehmen: Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule sind ein Massenphänomen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und können auf Haltungsprobleme ebenso zurückgeführt werden wie auf Verschleißprozesse oder eine Verletzung der Halswirbelsäule. Ebenso sind Rückenschmerzen nach einem Autounfall ein übliches Symptom.

Löst ein solches fremdverschuldetes Schadensereignis ein Leiden im Rücken aus, kann unter Umständen eine Entschädigung, in Form des sogenannten Schmerzensgeldes, dafür gefordert werden. Der folgende Ratgeber klärt unter anderem, wann sich Rückenschmerzen nach einem Unfall anspruchsbegründend auswirken und wie viel Schmerzensgeld dann in Frage kommt.

FAQ: Rückenschmerzen nach einem Unfall

Steht mir für Rückenschmerzen nach einem Unfall Schadensersatz zu?

Ja, haben Sie nach einem fremdverschuldeten Unfall körperliche Schäden davon getragen, kann Ihnen Schmerzensgeld zustehen.

Woran bemisst sich die Höhe des Schmerzensgelds bei Rückenschmerzen?

Unter anderem werden hier die Dauer und Intensität der Schmerzen, die Dauer des Heilungsprozesses und die Auswirkungen auf andere Lebensbereiche des Geschädigten berücksichtigt.

Wie hoch ist das Schmerzensgeld bei Rückenschmerzen nach einem Unfall?

Die Höhe wird je nach Einzelfall von einem Richter festgelegt. Einen Überblick über frühere Entscheidungen bietet die Schmerzensgeldtabelle.

Schmerzensgeld: Entschädigung für körperliches oder psychisches Leid

Egal ob nach einem Autounfall Rückenschmerzen zutage treten oder der Verunfallte in anderer Weise verletzt wurde – sobald durch Fremdverschulden eine Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit erfolgt, kommt § 253 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) zum Tragen. Dieser Paragraph des Zivilrechts regelt die immaterielle Entschädigung, welche eine Ergänzung zum materiellen Schadensersatz darstellt und sich auf die subjektive Seite von Schadensereignissen bezieht, nämlich auf empfundene Schmerzen.

Gemäß § 253 BGB besteht Anspruch auf eine billige Entschädigung in Geld, wenn Körper, Gesundheit, Freiheit oder sexuelle Selbstbestimmtheit durch das Verschulden eines anderen verletzt werden und so Beschwerden entstehen und die Gesundheit negativ beeinflussen.
Rückenschmerzen nach einem Autounfall sollten immer ärztlich untersucht werden.
Rückenschmerzen nach einem Autounfall sollten immer ärztlich untersucht werden.

Demzufolge sind auch Rückenschmerzen nach einem Auffahrunfall schmerzensgeldbegründend, da sie eine körperliche Beeinträchtigung und zudem eine Einbuße an Lebensqualität darstellen.

Neben rein physischen Wunden oder Knochenbrüchen werden auch psychische Symtpome, zum Beispiel Depressionen oder Ängste, erfasst, die durch einen Unfall oder eine Körperverletzung ausgelöst werden können und der Hilfe durch einen Arzt bedürfen. Die Höhe des Schmerzensgeldes wird individuell bestimmt und bemisst sich unter anderem nach Art und Intensität der Verletzung sowie anhand der Dauer des Heilprozesses sowie der Behandlung durch den Arzt.

Orientierungshilfe bieten Schmerzensgeldtabellen, die vergangene Urteile mit zugesprochener Entschädigung auflisten. Wichtig bei der Benutzung ist jedoch, dass es sich nicht um verbindliche, sondern um Richtwerte handelt.

Schmerzensgeld nach einem Autounfall: Rückenschmerzen als Anspruchsgrundlage

Rückenschmerzen nach einem Unfall sollten aus zweierlei Gründen stets ärztlich untersucht werden. Erstens können schmerzhafte Symptome verschieden schwerwiegende Ursachen haben, die von Verspannungen, bis hin zu Verletzungen der Wirbelsäule, Wirbelbrüchen oder Bandscheibenvorfällen reichen können. Es ist also unerlässlich, einen Fachmann Rücken und Wirbelsäule begutachten zu lassen, wenn Rückenschmerzen nach einem Unfall schwere Beschwerden auslösen, damit die entsprechende Behandlung angeordnet werden kann.

Zweitens ist ein Arztgutachten erforderlich, um beim Unfallgegner bzw. dessen Versicherung erfolgreich Schmerzensgeld zu beantragen, denn der Geschädigte ist stets in der Beweispflicht. Während offene Wunden, Narben oder Knochenbrüche recht offensichtlich sind, stellen sich Rückenschmerzen nach einem Unfall weniger augenscheinlich dar. Manch eine Versicherung stellt sich daher ohne fundierten Bericht von einem Arzt quer, wenn der Verunfallte den Anspruch für seine Schmerzen geltend macht.

Gut zu wissen: Sie können Schmerzensgeld wegen Rückenschmerzen nach einem Autounfall mit und ohne Anwalt, außergerichtlich oder im Rahmen eines Prozesses einfordern. Gerade bei einer schwierigen Beweislage oder nicht deutlich nachweisbaren Schmerzen durch einen Arzt empfiehlt es sich jedoch, einen Anwalt zu Rate zu ziehen.

Über den Autor

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Thomas R.

Thomas hat einen Abschluss in Politikwissenschaften von der Universität Jena. Er gehört seit 2018 zum Team von bussgeldkatalog.org und verfasst News und Ratgeber zu verschiedenen Themen im Verkehrsrecht.

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