ADR-Schein: Welche Kosten fallen für diesen Nachweis an?

Wie viel Geld Sie in eine Schulung zum Gefahrguttransport investieren müssen

Können Sie für einen ADR-Schein die Kosten begleichen, dürfen Sie gefährliche Schütt- und Stückgüter transportieren.

Können Sie für einen ADR-Schein die Kosten begleichen, dürfen Sie gefährliche Schütt- und Stückgüter transportieren.

Nicht alle Güter, die mit Lastkraftwagen über Deutschlands Straßen gefahren werden, sind so harmlos wie Kies oder Käse: Manche Ladung kann das Grundwasser verseuchen, in Brand geraten oder gar explodieren. Gehen Lkw-Fahrer damit nicht vorsichtig genug um, drohen schwere Schäden für Mensch und Umwelt. Vor allem dann, wenn es zu einem Lkw-Unfall kommt.

Von daher müssen Lkw-Fahrer an speziellen Schulungen teilnehmen, bevor sie solche Gefahrgüter auf der Straße transportieren dürfen. Dies schreibt das „Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße“ (ADR) zwingend für alle Staaten der Europäischen Union, aber auch für andere europäische Länder vor.

Doch was kostet der ADR-Schein für Lkw-Fahrer, die auch Gefahrgut transportieren möchten? Und wer muss für diesen Gefahrgutführerschein die Kosten tragen? Das lesen Sie in unserem Ratgeber.

Wie können Sie einen ADR-Schein erhalten?

Was kann ein ADR-Schein an Kosten verursachen?

Was kann ein ADR-Schein an Kosten verursachen?

Damit Sie als Lkw-Fahrer auch Gefahrengüter transportieren dürfen, müssen Sie an geeigneten Kursen teilnehmen. Für alle Gefahrengüter ist ein Basiskurs von drei Tagen Dauer verpflichtend, in dem Sie lernen, was Sie alles beachten müssen, wenn Sie gefährliche Stück- und Schüttgüter umherfahren. Unter anderem spielt die Ladungssicherung bei Lkw mit Gefahrengütern eine zentrale Rolle.

Die Schulung wird mit einer Prüfung der jeweiligen Industrie- und Handelskammer (IHK) abgeschlossen, in der Sie nur eine bestimmte Zahl von Fragen falsch beantworten dürfen. Erst dann erhalten Sie eine ADR-Bescheinigung, welche seit 2013 in Form einer handlichen Scheckkarte aus Plastik ausgegeben wird und fünf Jahre lang gültig ist. In Deutschland bieten mehrere Institutionen Kurse für den ADR-Schein zu unterschiedlichen Kosten an, die im folgenden Kapitel einzeln aufgeführt werden.

Möchten Sie explosive (Klasse 1) oder radioaktive Stoffe (Klasse 7) transportieren? Oder ist es in Ihrem Job notwendig, Gefahrgut in flüssigem beziehungsweise gasförmigem Zustand in Tanklastern zu fahren? Für den Transport solcher Stoffe reicht der ADR-Basiskurs nicht aus, weshalb Sie einen speziellen Aufbaukurs absolvieren müssen.

Was ein ADR-Schein kosten kann

Die Kosten für einen ADR-Schein können von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich sein, auch wenn sich die Preise innerhalb einer nicht sehr breiten Spanne bewegen. Sie setzen sich aus den Preisen für das Seminar selbst und Schulungsmaterialien zusammen, welche Sie dort erhalten. In dieser Tabelle sehen Sie die wichtigsten überregionalen Anbieter in Deutschland und was ein ADR-Schein bei ihnen kosten kann, sowohl für Basis- als auch Auffrischungskurse (Stand: November 2016):

AnbieterKosten BasiskursKosten Auffrischungskurs
Dekra273 Euro190 Euro
TÜV Rheinland265 Euro175 Euro
TÜV Nord260 Euro230 Euro
TÜV Süd282 Euro205 Euro

Der ADR-Schein hat höhere Kosten, wenn Sie zusätzlich ein Aufbauseminar für Tanklaster machen müssen.

Der ADR-Schein hat höhere Kosten, wenn Sie zusätzlich ein Aufbauseminar für Tanklaster machen müssen.

Alle Angaben sind ohne Gewähr. Neben diesen Institutionen, welche ihre Kurse in mehreren Bundesländern durchführen, können Sie einen der zahlreichen lokalen Anbieter auswählen. Auch manche Lkw-Fahrschulen bieten solche Gefahrgut-Kurse an, während größere Arbeitgeber Basis- und Auffrischungskurse zur Beförderung von Gefahrgütern auch betriebsintern durchführen.

Allerdings verursacht nicht nur die ADR-Schulung selber Kosten. Hinzu kommen auch noch die Prüfungsgebühren der örtlichen IHK, welche von Kammerbezirk zu Kammerbezirk variieren können und üblicherweise zwischen 45 und 75 Euro betragen.

Was kann bei einem ADR-Schein die Verlängerung kosten?

Da der Führerschein für Gefahrgut nur fünf Jahre lang gilt, müssen Sie ihn während des letzten Jahres seiner Gültigkeit verlängern lassen. Dazu müssen Sie nicht noch einmal die komplette Basisschulung durchlaufen, sondern Ihnen genügt dazu eine kürzere und günstigere Auffrischungsschulung. Diese dauert meist anderthalb Tage und wird ebenfalls mit einer Prüfung der IHK abgeschlossen.

Wollen Sie den ADR-Schein mittels Auffrischungskurs verlängern, fallen die Kosten niedriger aus, weil die Kurse generell kürzer dauern. Die aktuellen Preise für Auffrischungskurse finden Sie in obenstehender Tabelle.

Wenn Sie es versäumen, sich rechtzeitig um die Verlängerung Ihrer ADR-Bescheinigung zu kümmern und diese abläuft, dann müssen Sie wieder an einem Basiskurs teilnehmen, um erneut Gefahrengüter transportieren zu dürfen.

Wer muss bei einem Gefahrgutschein für die Kosten aufkommen?

Vielleicht denken Sie, dass Ihr Arbeitgeber für den ADR-Schein die Kosten tragen muss. Immerhin müsste es ja in seinem Interesse liegen, Sie für den Transport von Gütern ausbilden zu lassen, die Sie für ihn befördern sollen.

Allerdings ist ein Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, seinen Lkw-Fahrern für die benötigte ADR-Bescheinigung die anfallenden Kosten zu bezahlen, was auch für die Kosten einer Fahrerkarte gilt. Ein Gefahrgutführerschein ist rechtlich gesehen kein Arbeitsmaterial, sondern eine Voraussetzung zum Führen von Lkw, um die sich der Fahrer im Zweifelsfall selbst kümmern muss. Einige Arbeitgeber finanzieren dennoch solche Kurse, auch wenn Sie als Fahrer darauf keinen Anspruch haben.

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2 Kommentare

  1. Fernandez sagt:

    Mein jetziger Arbeitgeber hat mir mein ADR-Schein Verlängerung Bezahlt . Wie sieht es aus wenn ich mein Arbeitsplatz
    wechseln würde, darf mein jetziger Chef mich dafür zur Kasse bitten? Ich sage schon danke im voraus.

    MFG
    Fernandez

    • bussgeldkatalog.org sagt:

      Hallo Fernandez,

      grundsätzlich kann der Arbeitgeber im Falle einer Kündigung durch den Arbeitnehmer entstandene Kosten für Aus- oder Fortbildungen oder Arbeitsmaterial zurückverlangen. Allerdings muss dann im Vorfeld schon eine schriftliche Rückzahlungsvereinbarung geschlossen worden sein. Gibt es keine vorher festgelegte Rückzahlungspflicht, muss der Arbeitnehmer die Kosten auch nicht erstatten.

      Die Redaktion von bussgeldkatalog.org

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