Krawatte abschneiden an Karneval – Erlaubt oder nicht?

Was tun, wenn der Schlips dran glauben muss?

Männern an Weiberfasching die Krawatte abzuschneiden, ist eine alte Tradition.

Männern an Weiberfasching die Krawatte abzuschneiden, ist eine alte Tradition.

Kaum eine Zeit im Jahr verleitet die Menschen im Rheinland zu größerer Ausgelassenheit wie die Karnevalszeit. Jecken und Narren verschiedener Altersklassen rotten sich zusammen, um sich in die buntesten und ausgefallensten Kostüme zu schmeißen. Zu traditionellen Karnevalshymnen wird getanzt, gelacht und gefeiert, was das Zeug hält.

Dabei herrschen an Karneval bestimmte Traditionen, die mittlerweile kaum mehr wegzudenken sind. Neben dem Bützen oder dem Fangen von Kamelle und Strüßjer beim Rosenmontagsumzug wird den männlichen Jecken von den Damen seit eh und je zur Weiberfastnacht die Krawatte abgeschnitten.

Was für die einen ein spaßiger Brauch ist, verärgert andere zutiefst. Vor allem auf Nicht-Rheinländer, die mit den Gepflogenheiten zur Faschingszeit nicht vertraut sind, kann es durchaus eine verstörende Wirkung haben, sich plötzlich die Krawatte abschneiden zu lassen.

Doch wie steht es eigentlich rechtlich betrachtet um die abgeschnittene Krawatte? Können hierbei Ansprüche auf Schadensersatz entstehen oder gar der Vorwurf strafbaren Verhaltens gemacht werden? Im Folgenden erhalten Sie einen kurzen Überblick zum Thema „Krawatte abschneiden“.


Darf ich an Karneval die Krawatte abschneiden?

Ob das Zerschneiden eines Schlipses Ansprüche auf Schadensersatz auslöst, hängt maßgeblich davon ab, in welcher Region sich dieser Scherz erlaubt wurde. Im Rheinland ist es mittlerweile zur gängigen Rechtsprechung geworden, das Tragen einer Krawatte an Weiberfastnacht als konkludente, also stillschweigende Einwilligung zu qualifizieren.

Außerhalb der Karnevalshochburgen wie Köln, Düsseldorf oder Mainz hingegen muss ein Schlipsträger nicht damit rechnen, dass ihm Frauen die Krawatte abschneiden. In weniger karnevalistisch geprägten Regionen kam es indes auch schon zu Verurteilungen auf die Zahlung von Schadensersatz.

Das Krawatte-Abschneiden stellt insofern eine Eigentumsverletzung im Sinne des § 823 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (kurz: BGB) dar.

Strafrechtliche Konsequenzen

Ob die abgeschnittene Krawatte eine Sachbeschädigung ist, hängt vom Einzelfall ab.

Ob die abgeschnittene Krawatte eine Sachbeschädigung ist, hängt vom Einzelfall ab.

Auch unter strafrechtlichen Gesichtspunkten kann die Tradition des Krawatten-Abschneidens von Relevanz sein. Rein objektiv betrachtet, stellt das Kürzen des Schlipses eine Sachbeschädigung im Sinne des § 303 Strafgesetzbuch (kurz: StGB) dar. Immerhin wird hier eine sich in fremdem Eigentum befindliche Sache beschädigt bzw. zerstört.

Strafrechtliche Konsequenzen sind indes nur zu befürchten, wenn ein entsprechender Strafantrag vom Geschädigten gestellt wird. Das Erfordernis ergibt sich aus § 303c StGB. Ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung wird ansonsten regelmäßig zu verneinen sein.

Wenn ein betroffener Karnevalist es außerdem freiwillig über sich ergehen lässt, dass ihm die Damen an Fasching die Krawatte abschneiden, kann dies ferner auch als eine rechtfertigende Einwilligung qualifiziert werden.

Sofern er um den Brauch weiß und nicht zu erkennen gibt, dass er mit der Schlipsverkürzung nicht einverstanden ist, kann eine derartige Einwilligung durchaus angenommen werden. In dem Fall machen sich die Närrinnen nicht wegen Sachbeschädigung strafbar. Berücksichtigt werden muss allerdings stets der Einzelfall. Oft ist der Grat zwischen Spaß und Ernst ein schmaler.

Konnten wir Ihnen weiterhelfen? Dann bewerten Sie uns bitte:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (29 Bewertungen, Durchschnitt: 4,60 von 5)
Loading...

Verfasse einen neuen Kommentar


Bußgeldkatalog als PDF
Der aktualisierte Newsletter 2018 des VFBV e.V. zum Download und Ausdrucken.
Jetzt kostenlos per E-Mail anfordern:
Mit dem Absenden akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.