Was Datenschutz in sozialen Netzwerken bedeutet

Persönliche Daten im digitalen Urwald

Social Media und unzureichender Datenschutz - das ist nach wie vor ein großes Problem

Social Media und unzureichender Datenschutz – das ist nach wie vor ein großes Problem

Big Brother is watching you – was ursprünglich eine Allegorie des Überwachungsstaates war, wird heute auch gerne auf das Internet angewandt. Selbst technisch nicht-versierten Nutzern dürfte bewusst sein, dass der persönliche digitale Fußabdruck umfangreiche Rückschlüsse auf die eigene Person zulässt.

Der inzwischen sprichwörtliche Datenkraken hat sein Tentakel auch – oder vor allem – im privaten Bereich. Besonders der (mangelnde) Datenschutz in sozialen Netzwerken erscheint häufig wie ein Fass ohne Boden:

Es geht um grundsätzliche Fragen nach Rechten des Einzelnen und die Macht von umsatzschweren Konzernen, um digital policy und politische Einflussnahme. Nachfolgend finden Sie einen Abriss über dieses nach wie vor sehr komplexe Thema.

Spezielle Informationen zum Thema Datenschutz in sozialen Netzwerken


Welche Daten durch soziale Netzwerke erhoben werden können

Unter dem Begriff „Soziale Netzwerke“ wird eine Vielzahl von digitalen Angeboten zusammengefasst, durch welche soziale Beziehungen online gepflegt werden.

Je nach dem, um welche Art von Gemeinschaft es sich handelt, sind diese unterschiedlich aufgebaut. In der Regel ist der Benutzer durch ein persönliches Profil vertreten, kann durch Messaging-Funktionen mit anderen kommunizieren und Inhalte teilen. Die umsatzstärksten sozialen Netzwerke weltweit sind Facebook, YouTube und WhatsApp (Stand: 2018).

Inwiefern ein Datenschutz in sozialen Netzwerken umgesetzt wird, hängt von dessen eigener Politik, dem jeweiligen Land, dem Umfang der Datenerhebung und anderen Faktoren ab. Abgesehen davon kann durch die Nutzung solcher Dienste eine große Menge an auswertbaren Daten für die Seitenbetreiber anfallen. Dazu zählen:

  • Daten, die Benutzer selbst angeben: (Benutzer-)Name, Geburtsdatum, Adresse, Hobbys etc.
  • durch Setzen von Cookies: Wann, wie häufig und wie lange die eigene Seite von welchem Gerät aus besucht wird
  • welche Teile der Seite angesteuert und gespeichert werden
  • durch Setzen von Hyperlinks und Schalten von „Social Buttons“: welche anderen Seiten ein User benutzt, durch welchen Link er auf die eigene Seite gelangt ist
  • wer mit wem kommuniziert, mitunter sind auch konkrete Nachrichteninhalte einsehbar
  • wenn Profile miteinander gekoppelt werden, können auch Daten ausgelesen werden, die von der anderen Seite generiert wurden
  • je nach dem, von welchem Gerät auf eine Plattform zugegriffen wird: Fotogalerien, Kontaktbücher etc.

Dies ist nur eine oberflächliche Beschreibung, dürfte jedoch einen Eindruck über den Umfang hinterlassener Daten und vor allem Metadaten geben. Datenschutz in sozialen Netzwerken sollte nicht nur personenbezogene Daten vor Einsicht von außen und einer Weitergabe an Dritte schützen, sondern auch ein Ausspionieren seitens der Provider verhindern.

Grundrechte, Social Media und Datenschutz – warum ist das wichtig?

Die Welt wächst zusammen - Bestimmungen zum Datenschutz betreffen auch Social-Media-Unternehmen

Die Welt wächst zusammen – Bestimmungen zum Datenschutz betreffen auch Social-Media-Unternehmen

Der Begriff Globalisierung prägt seit etwa 50 Jahren die öffentlichen Diskurse; er beschreibt den Vorgang der zunehmenden internationalen Verflechtungen auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene. War der Begriff in der Anfangszeit noch eher positiv besetzt, werden der Prozess an sich und seine vielfältigen Folgen auch zunehmend kontrovers diskutiert. Fakt ist jedoch: Globalisierung lässt sich kaum noch aufhalten, sondern wird voraussichtlich auch weiterhin voranschreiten.

Dieser Vorgang und die massenhafte Nutzung des World Wide Web bedingen und beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb ist ein internationaler Datenschutz, in sozialen Netzwerken oder anderswo, im Grunde genommen unerlässlich. Denn: Internationale Beziehungen machen auch einen internationalen Regelkatalog notwendig. Grundrechte gelten dabei als höchstes Gut; sie sollen Bürger nicht nur vor Regierungen mit hoheitlichen Befugnissen schützen, sondern auch vor wirtschaftlichen Machtkonglomeraten.

Wenn ein Staat seinem Bürger die Grundrechte der Privatsphäre und Selbstbestimmung einräumt, dann sind diese konsequent zu schützen – auch im digitalen Bereich.

Hier steht die Arbeitsweise von verschiedene Plattformen, welche unter dem Oberbegriff „Social Media“ zusammengefasst werden, in starker Kritik. Denn: Momentan verhält es sich nämlich so, dass Datenschutz bei sozialen Netzwerken nur unzureichend oder kaum gewährleistet wird.

Warum der Schutz von Daten häufig erschwert ist

Es gibt mehrere Gründe, weshalb der Datenschutz in sozialen Netzwerken grundsätzlich problematisch ist – mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass digitale Informationen in Sekundenschnelle verbreitet werden können. Diese Ursachen sind zum einen strukturell, hängen aber auch mit politischen und/oder wirtschaftlichen Interessen zusammen.

  • Keine einheitlichen Regeln für das Internet
  • Es beginnt mit dem grundlegendem Problem, dass die Gesetzgebung, welche Online-Aktivitäten betrifft, nach wie vor Ländersache ist. Es gibt zwar unterschiedliche Bemühungen dahingehend, zumindest ein begrenztes, allgemeingültiges Recht für das Internet und somit auch den Datenschutz in sozialen Netzwerken zu etablieren – solange dies jedoch nicht der Fall ist, werden Daten weiterhin im großen Stile erhoben und auch gehandelt.

In Deutschland wird der Datenschutz für soziale Netzwerke und Internet-Aktivitäten allgemein durch das Bundesdatenschutzgesetz und das Telemediengesetz geregelt. Im Mai 2018 tritt außerdem die EU-Datenschutzverordnung in Kraft. Der vorliegende Beitrag wird aktualisiert, sobald es Neuerungen gibt.
Datenschutz: Fehlanzeige! Soziale Netzwerke standen in den letzten Jahren vermehrt in heftiger Kritik

Datenschutz: Fehlanzeige! Soziale Netzwerke standen in den letzten Jahren vermehrt in heftiger Kritik

  • Daten sind Kapital
  • Heutzutage gibt es wohl kaum einen Bereich des professionellen oder privaten Lebens, welcher nicht durch das Internet geregelt werden kann. Organisation, Bildung, Unterhaltung, Kommunikation und viel mehr sind möglich – und das weitestgehend unabhängig vom Ort. Das Netz bietet unbestritten großartige Möglichkeiten und vereinfacht vieles enorm.

    Viele Benutzer dürften das Internet als eine Art „black box“ wahrnehmen, dessen Funktion sie häufig nicht oder nur ansatzweise verstehen und in der Regel auch nicht hinterfragen. Die vielzähligen Dienste und deren meist freie Nutzung werden als selbstverständlich angesehen.

Aber: Alles hat einen Preis. Das Internet ist da bei weitem keine Ausnahme – Nutzer zahlen mit ihren Daten.

Der Datenschutz in sozialen Netzwerken ist deshalb nur begrenzt gegeben, da Anbieter über Nutzerdaten Gewinn erzielen. Deshalb werden im umfangreichen Stil Daten erhoben, abgespeichert, ausgewertet, bei Möglichkeit mit anderen Profilen verglichen und auch weitergegeben.

Durch die Verlinkung verschiedener Plattformen untereinander können und werden die an unterschiedlichen Stellen generierten Daten außerdem angebotsübergreifend zusammengeführt.

Statt dem Bild des transzendenten, ätherischen Mediums gleicht das freie Internet vielmehr einem digitalen Marktplatz – einem riesengroßen Raum, welcher zu großen Teilen unorganisiert ist, auf dem sich vielzählige Akteure jeder Art tummeln, die umfangreiche Spuren hinterlassen und wo Unmengen an Hintertüren und dunklen Ecken vorhanden sind.


Nutzer sollten davon ausgehen, dass die so erhobenen Daten nicht nur beim Datenerheber bleiben. Soziale Netzwerke sind in ihrem Umfang quasi ein Abbild der gesellschaftlicher Befindlichkeiten: Trends, Probleme, Meinungen können von dem gedeutet werden, der Daten besitzt und auswertet – Stichwort Marktforschung. Es gibt bereits jetzt vielzählige legale Möglichkeiten, wie Interessierte gegen Bezahlung auf Datensätze von Google und Co. zugreifen können – ein Beispiel ist etwa das Social-Media-Monitoring. Dies beschreibt einen Vorgang, bei welchem soziale Netzwerke nach bestimmten Schlagworten durchsucht werden.

Dienstleister können so ihr Angebot verbessern – Social-Media-Monitoring zeigt hinsichtlich Datenschutz in sozialen Netzwerken typische „Kinderkrankheiten“: verschwommene Grenzen bezüglich Datenerhebung, Möglichkeiten des Profilings und anderes.

Grundsätzlich wird bei solchen und ähnlichen Vorgehen zwar stets betont, dass entsprechende Daten personenunabhängig zur Verfügung gestellt werden – das gilt es jedoch anzuzweifeln. Was darüber hinaus an fragwürdigen bzw. illegalen Datenweitergaben stattfindet, kann nur spekuliert werden.

In welchem Umfang soziale Netzwerke Datenschutz verletzten, ist oft unbekannt

In welchem Umfang soziale Netzwerke Datenschutz verletzten, ist oft unbekannt

  • Zurückhaltung der Konzerne bei konkreten Fragen
  • Bezüglich Datenschutz und Social Media halten sich Unternehmen häufig bedeckt. Gravierende Imageschäden – etwa durch das Bekanntwerden von Programmen wie PRISM im Zuge des NSA-Skandales – haben zwar dazu geführt, dass der Datenschutz in vielen sozialen Netzwerken zumindest teilweise reformiert wurde und mehr Transparenz herrscht.

    Dennoch: Bei Auskünften über die Wirkweise eigener Algorithmen, den genauen Umfang der Datenerhebung und die konkrete Verwendung schweigen sich die Verantwortlichen von Facebook, Google und anderen Angeboten in der Regel beharrlich aus.

  • Zeigefreudigkeit der Benutzer
  • Abgesehen von den Portalen selbst ist auch das Nutzerverhalten der Grund, warum Datenschutz in sozialen Netzwerken nicht garantiert werden kann. Dies beginnt schon bei der Selbstkundgabe: Die Dokumentation des eigenen Lebens in sozialen Netzwerken durch Postings, Videos, Bilder etc. ist ein Trend, welcher in den letzten Jahren stetig angewachsen ist. Persönliche Profile können auf unterschiedlichen Seiten erstellt und miteinander gekoppelt werden. Durch diesen gewissermaßen modernen Exhibitionismus werden natürlich umfangreich digitale, höchstpersönliche Daten generiert.

    Abgesehen davon ist natürlich auch fraglich, wie mit den Daten fremder Profile umgegangen wird. Theoretisch kann eine Person, sofern diese darauf Zugriff besitzt, Daten anderer Benutzer herunterladen, kopieren, sammeln, weiterleiten.

Wie Nutzer auf ihre Sicherheit achten können

In Anbetracht der obigen Beschreibungen erscheint die Formulierung „Datenschutz in sozialen Netzwerken“ fast schon zynisch. Auch wenn diesbezüglich noch viel im Argen ist, sind Nutzer hierzulande dennoch nicht völlig ungeschützt.

Wird etwa ein persönliches Bild ohne Zustimmung des Urhebers auf einem sozialen Netzwerk verwendet, dann kann eine Löschung laut § 22 des Kunsturheberrechtgesetzes geltend gemacht werden. Im Falle von Diffamation, Verleumdung oder Rufmord in sozialen Netzwerken kann und sollte zudem Anzeige gestellt werden – solches Verhalten ist durch eine Verlagerung in den Online-Bereich nicht weniger strafbar. In der Regel hat der Seitenbetreiber solches Verhalten nicht zu akzeptieren und riskiert selbst Sanktionen, wenn er dies dennoch nachweislich zulässt.

Grundsätzlich gilt es, maßvoll und vorsichtig mit solchen Plattformen umzugehen – gemäß dem Credo: Nicht mehr preisgeben, als notwendig ist. Wenn Sie hingegen zeigefreudig sind und sich gerne vernetzen, müssen Sie damit rechnen, dass diese Daten entsprechend verwertet und weitergegeben werden.

Ein umfassender Datenschutz kann für soziale Netzwerke und das Internet allgemein nicht garantiert werden

Ein umfassender Datenschutz kann für soziale Netzwerke und das Internet allgemein nicht garantiert werden

Zum Datenschutz in sozialen Netzwerken gehört nicht nur der Aspekt von beschränkter und zweckgebundener Datenerhebung; er schreibt Providern außerdem eine Selbstauskunft vor. In Deutschland müssen Angebote in der Regel deshalb sowohl ein Impressum als auch eine valide und vollständige Datenschutzerklärung auf ihrer Seite featuren. In letzterer müssen Anbieter genau darüber informieren,

  • welche Daten sie wie und warum erheben
  • wie lange diese gespeichert werden
  • ob diese an Dritte weitergegeben werden
  • was die Rechte der Nutzer sind, respektive wie einer Datenerhebung widersprochen werden kann
  • wer verantwortlich für den Datentransfer ist und wie entsprechende Stellen kontaktiert werden können
Nutzer müssen sich zu allen Zeiten darüber im Klaren sein, dass Datenschutz in den meisten sozialen Netzwerken nur in begrenztem Maße gegeben ist.
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