TÜV übt Kritik an Automobilbranche: Datensicherheit würde vernachlässigt

News vom 03.11.2017 um 13:53 Uhr

Deutsche Autohersteller erhalten vom TÜV Kritik wegen mangelnder Datensicherheit

Deutsche Autohersteller erhalten vom TÜV Kritik wegen mangelnder Datensicherheit

Der Umgang mit digitalen Daten bestimmt seit einigen Jahren die öffentlichen Diskurse. Das Streitthema zieht sich wie ein roter Faden durch alle gesellschaftlichen Bereiche: Von sozialen Netzwerken über Polizeiarbeit bis hin zu internationaler Politik. Verfechter medialer Selbstbestimmung stehen dabei Konglomeraten wirtschaftlicher Interessen gegenüber. Auch die Autobranche ist davon nicht ausgenommen. So äußerte der TÜV kürzlich Kritik an der Datensicherheit einer hierzulande geplanten Speicherung.

Worum geht es in der Diskussion?

Moderne Technologien generieren eine Unmenge an digitalen Informationen – dies erfolgt großteils hintergründig und ist technisch teilweise sehr komplex. Während Nutzer sich in den meisten Fällen eher wenig Gedanken um ihren „digital footprint“ (digitalen Fingerabdruck) machen, sind gewinnorientierte Unternehmen natürlich umso mehr an „big data“ interessiert. Analysen von Verbrauchern und deren Nutzungsgewohnheiten bieten schließlich einen unschlagbaren wirtschaftlichen Vorteil.

Deshalb ist bei deutschen Autoherstellern die Speicherung von Fahrzeugdaten auf eigenen Servern im Gespräch. Diesbezüglich sprach der TÜV-Dachverband nun Kritik aus. Der Datenschutz würde enorm unter diesen Vorhaben leiden, die Gewinnoptimierung dürfe die Rechte des Einzelnen nicht derart übergehen.

Richard Goebelt, Teil der Geschäftsleitung des Verbandes neutraler technischer Dienstleister, gab gegenüber der dpa u.a. zu bedenken:

Das Auto ist ein Alltagsgegenstand und nicht mit einer Industrieanlage vergleichbar.

Die Speicherung auf unternehmenseigenen Servern würde ein „Datenmonopol“ erschaffen, außerdem wären entsprechende Informationen nicht vor Manipulation geschützt. Als Alternative wurde eine einheitliche Kommunikationsplattform einzelner Kfz vorgeschlagen, über dessen Zugriff einzig der Autobesitzer selbst entscheidet.

Vernetzte Autos sind anfällig für Datenklau

Nicht nur der TÜV übt Kritik: Datensicherheit ist bei vernetzten Autos allgemein problematisch

Nicht nur der TÜV übt Kritik: Datensicherheit ist bei vernetzten Autos allgemein problematisch

Der TÜV bezieht seine Kritik hinsichtlich Datensicherheit vor allem auf personenbezogene Daten: Jene Informationen also, welche einen Menschen eindeutig identifizierbar machen. Diese werden auch beim Autofahren erzeugt, schließlich ist in allen neueren Modellen satellitenbasierte Technik und Software verbaut.

Je nach Typ des Fahrzeuges werden so verschiedene Informationen erzeugt, z.B.:

  • Daten von Navigationsgeräten: welche Orte gesucht und besucht wurden
  • Konkrete Adressen, wie das persönliche Heim oder der Arbeitsplatz
  • Wenn der Wagen durch Apps bedient werden kann: Eckdaten von Diensten, die über das Interface im Kfz genutzt wurden, wie Nachrichten, Musikstreaming etc.

Werden diese Informationen ausgelesen und zusammengefügt, können nicht nur umfassende Bewegungsprofile erstellt werden; juristisch gesehen kollidieren hier Persönlichkeitsrechte und kommerzieller Wettbewerb. Erst kürzlich gab zudem die Stiftung Warentest bekannt, dass die bereits verfügbaren Apps für das Auto zu viele Daten sammeln, als für ein Funktionieren nötig wäre.

Das Video fasst zusammen, wie Datenschutz funktioniert:

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